Pfannenstiel: Selbst Spieler aus Topvereinen verlieren beim Africa-Cup ihre Diziplin

Pfannenstiel: Selbst Spieler aus Topvereinen verlieren beim Africa-Cup ihre Diziplin

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Kaum jemand kennt sich im internationalen Fußball so gut aus wie Lutz Pfannenstiel. Der ehemalige Torhüter hat selbst in allen sechs Kontinentalverbänden gespielt, zahlreiche Fernsehsender greifen auf ihn als Experten zurück. Besonders fasziniert ist er vom afrikanischen Fussball. Mit Max Lütgens sprach Pfannenstiel über diese Leidenschaft und ob wir in den nächsten Jahren mit einem afrikanischen Weltmeister rechnen können.

Lutz Pfannenstiel (rechts) mit Erfolgstrainer Gernot Rohr (links). Foto: Pfannenstiel privat

Herr Pfannenstiel, Sie gelten als der Experte des afrikanischen Fußballs und waren als Aktiver u. a. Torhüter bei den Orlando Pirates in Südafrika und Co-Trainer der Nationalmannschaft von Namibia. Derzeit sind Sie u. a. Chef der Internationalen Beziehungen der TSG 1899 Hoffenheim und helfen Kindern in Afrika mit dem Fußball-Projekt „Global United“. Was macht für Sie den Reiz am Afrika-Cup aus?
Der Afrika-Cup ist das vielleicht letzte Turnier für Fußball-Romantiker. Da passieren verrückte, unvorhersehbare Dinge. Bei einer Europameisterschaft oder einer Weltmeisterschaft gibt es das so nicht mehr. African football – love it or leave it! Entweder du liebst ihn oder du hasst ihn. Und gerade in Deutschland gibt es sehr viele Liebhaber des afrikanischen Fußballs und des Afrika-Cups. Mich fasziniert das Ungewisse, das Unberechenbare an diesem Turnier. Spieler tauchen auf, die vorher keiner auf der Rechnung hatte. Quasi aus dem Nichts. Mannschaften wie Zimbabwe, Uganda, oder Togo – da wissen die meisten Experten nicht einmal, wie man die Namen ausspricht. Faszinierend ist auch der Hunger der Spieler, die noch bei afrikanischen Vereinen unter Vertrag stehen. Sie wollen unbedingt den Sprung in die europäischen Top-Ligen schaffen. Ein gefundenes Fressen für die vielen Scouts aus Europa.

Welche Mannschaften sind in diesem Jahr die großen Favoriten und auf welche Spieler, die in Europa noch nicht so bekannt sind, sollten wir achten?
Die Favoriten sind die alten Bekannten, allen voran Titelverteidiger Elfenbeinküste, die ihr Team um einiges verjüngt haben. Bestes Beispiel ist da Yaya Toure, der bei den Ivorern nicht mehr dabei ist. Algerien ist bärenstark, was seit der Weltmeisterschaft bekannt ist, als Algerien im Achtelfinale den späteren Weltmeister Deutschland an den Rand der Niederlage gebracht hat. Auch Ghana ist für mich einer der Favoriten, da sie immer zu den Favoriten gehören und es irgendwann endlich zum Titel reichen müsste. Diese drei sind meine großen Favoriten. Nigeria, die Mannschaft die mir momentan in Afrika am stärksten scheint, hat sich dieses Jahr leider nicht qualifiziert.

Sie sind bei 1899 Hoffenheim auch für das Scouting mitverantwortlich und Afrika Cup-Experte der BBC und für Eurosport, sofern der Afrika-Cup von Eurosport übertragen wird. Werden Sie in Gabun denn auch vor Ort sein?
Ich bin auf alle Fälle vor Ort, aber der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Denn bis Ende Januar haben wir hier zuhause noch viel Arbeit wegen der Transferperiode. Halbfinale und Finale werde ich sicher live vor Ort sehen – wahrscheinlich berichte ich für’s Fernsehen.

Was bedeutet es beim Afrika-Cup im Stadion zu sein? Gibt es dort eine spezielle Atmosphäre, was ist anders als bei Europameisterschaft und Champions League?
Klar, gibt es dieses African Feeling, und zwar ganz stark. Die Begeisterung, der Rhythmus, die Leichtigkeit. Aber die Medaille hat – wie so oft – zwei Seiten. Wenn die Heimmannschaft spielt, wie jetzt in Gabun, da werden sprichwörtlich sämtliche Dämme brechen. Ich hatte das Glück schon 2012 beim Afrika-Cup in Gabun dabei gewesen zu sein, als sich Gabun gemeinsam mit Äquatorial-Guinea den Afrika-Cup geteilt hat. Ich konnte dort alle Spiele von Gabun sehen, weil mein guter Freund Gernot Rohr damals Trainer von Gabun war. Die Stimmung war elektrisierend, eine wirklich positive und glückliche Stimmung. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das Gros der Spiele nicht ausverkauft ist. Wenn die Heimmannschaft nicht spielt oder die großen Teams wie die Elfenbeinküste, Ghana oder Nigeria, wenn sie denn mit dabei sind. Bei den „kleinen“ Spielen ist meistens wenig los. In dem Moment, wo der Gastgeber ausscheidet, verlieren die Zuschauer meist das Interesse. Da ist dann nur noch im Finale was los. Das sind die Höhen und Tiefen beim Afrika-Cup und das war auch beim letzten Afrika-Cup 2015 in Äquatorial-Guinea so. Wenn Äquatorial-Guinea gespielt hat, dann war die Stimmung unglaublich. Ansonsten war teilweise Totenstille im Stadion. Was wir jetzt in Gabun nicht mehr sehen wollen, sind diese Szenen, die wir beim Turnier in Äquatorial-Guinea gesehen haben, als sich im Halbfinale gegen Ghana unschöne Szenen auf und neben dem Platz abspielten.

Hubschrauber im Stadion aufgrund von Fan-Ausschreitungen vor zwei Jahren in Äquatorial-Guinea, ein Torbruch 2013 in Südafrika und immer wieder auch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen. Glauben Sie, dass sich die Zuschauer auch beim Turnier in Gabun auf Kuriositäten einstellen können?
Gabun ist in dieser Hinsicht sicherlich besser organisiert, die politische Lage ist nicht unsicher. Allerdings würde ich die politische Situation als leicht angespannt bezeichnen, und es könnte sein, dass sich die Unzufriedenheit der Leute ins Stadion überträgt. Ich gehe aber davon aus, dass wir in Gabun ein ruhiges Turnier erleben.
Bei den Schiedsrichterentscheidungen kann man sich sicher wieder auf ein paar lustige Szenen einstellen. Als jemand, der lange in Afrika war, bewerte ich die Schiedsrichterentscheidungen anders als viele von den Journalisten, die immer gleich von Verschwörungstheorien und absichtlichen Fehlentscheidungen sprechen. Es sind natürlich Entscheidungen dabei, die teilweise so haarsträubend sind, dass sie bei uns für große Verwunderung sorgen. Da sehe ich aber immer noch eher das Gute und hole nicht gleich die Korruptionskeule aus dem Kritikersack. Was wir mit Sicherheit wieder sehen werden, sind extrem harte Tacklings. In der Bundesliga würdest Du da Rot ernten und eine Anzeige wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Schauspieleinlagen werden wir sicher auch genießen dürfen, wenn es darum geht Zeit zu schinden. Das Vortäuschen eines Muskelkrampfes gehört zum Afrika-Cup genauso wie tolle Tore. Wir werden vielleicht wieder Torhüter sehen, die in der 85. Minute geplagt von Krämpfen einen Abstoß nicht ausführen können. Ich kenne den afrikanischen Fußball – für mich gehört das dazu, lässt mich schmunzeln. Und außerdem steht die Oscar-Verleihung vor der Tür…

Ihre Begeisterung ist direkt spürbar und es ist schön, dass Sie auch wieder live vor Ort sein werden. Ein anderer ist überraschend nicht dabei und hat seine Teilnahme am Afrika-Cup für Kamerun abgesagt: Eric Maxim Chuopo-Moting vom FC Schalke 04. Was könnten seine Gründe für eine Absage sein? Ist das Turnier alle zwei Jahre im Januar vielleicht auch grundsätzlich falsch terminiert, da es mitten in den Rückrunden-Start der europäischen Ligen fällt?
Klar ist: für den europäischen Profifußball ist ein Januar-Turnier immer grenzwertig, weil es großen Einfluss auf die reguläre Saison haben kann. Spieler müssen wochenlang abgestellt werden, Spieler verletzen sich. Meiner Meinung nach würde ein Afrika-Cup im Sommer viele Probleme lösen. Ein Hauptproblem ist aber, dass der Afrika-Cup alle zwei Jahre gespielt wird. Da kann man die Kritik von Vereinsseite aus sicherlich verstehen, da ein Spieler mindestens drei Wochen weg ist, sicher nicht unbeeinflusst zurückkommt und nur einen verkürzten Urlaub hatte. Viele Spieler gehen dann schon müde ins Turnier, und das wird meist noch auf schwierigem Untergrund in mörderischer Hitze gespielt. Die Stadien sind oft gut, aber die Trainingsplätze teilweise viel schlechter und härter als Plätze in Europa. Außerdem ist der Afrika-Cup körperlich nach wie vor eines der härtesten Turniere, wie bereits erwähnt. Viele Afrikaner, die in Europa spielen, gehen im Ligabetrieb ganz anders in die Zweikämpfe als bei Qualifikations-Spielen in Afrika oder beim Afrika-Cup. Das Sliding Tackling und die Grätsche werden da häufiger ausgepackt als im europäischen Alltag. Da ist dann die Verletzungsgefahr natürlich größer. Dann kommt dazu, dass die Spieler teilweise nach vier Wochen erst nach Europa zurückkehren und nochmal Wochen brauchen, um sich wieder an den Rhythmus der Bundesliga zu gewöhnen. Wenn Du einen Schlüsselspieler durch den Afrika-Cup verlierst, oder manche Mannschaften sogar mehrere, dann kann das dich eine Saison kosten oder einen internationalen Platz und ergo: viel Geld. Da muss man die Vereine auch verstehen, wenn sie nicht gerade hocherfreut sind, wenn sie Spieler dafür abstellen müssen. Für viele Afrikaner ist die Teilnahme am Afrika-Cup das Größte, weil es um Ehre und Nationalstolz geht – egal was gerade beim eigenen Verein los ist. Andere Spieler sagen lieber ab, um sich auf den eigenen Verein zu konzentrieren, der ihnen das monatliche Gehalt zahlt und ihr Fleisch und Brot auf den Tisch stellt. Wenn ein Spieler dann wirklich sagt, er nimmt nicht teil, dann kommt oft das Wort „Verräter“ von den Fans, vom Verband, von der Presse. Dann sagen sich viele Spieler, dass sie doch lieber hinfahren, um sich nichts nachsagen zu lassen, sonst ist eine internationale Karriere auch schnell mal vorbei. Aber trotzdem muss man die Spieler auch verstehen, die sagen „ich will mich auf die Bundesliga oder die Premier League konzentrieren“ und dann absagen. Das soll jeder Spieler für sich selbst entscheiden. Wenn man sich nach der Winterpause nicht hundertprozentig fit fühlt oder eine kleine Verletzung hat, dann ist es vielleicht nicht falsch, den Afrika-Cup abzusagen. So ein körperlich anspruchsvolles Turnier kann dir als Spieler wirklich auch schon mal zwei bis drei Monate versauen. Also wir sollten die Entscheidung des Spielers respektieren.

Fast alle großen afrikanischen Fußballstars, wie z. B. Aubameyang, Kalou oder Slimani sind ja auch in Gabun dabei. Wo steht denn der afrikanische Fußball mit all seinen Stars im internationalen Vergleich gemessen an der Aussage von Pelé aus dem Jahr 1990, als er davon sprach, Afrika würde innerhalb der nächsten Jahre einen Weltmeister stellen?
Die Anzahl der Spieler, die bei Topvereinen in Europa spielen, wird immer größer. Gerade bei den Topteams Afrikas spielen die meisten Akteure im Ausland, in Europa. Trotzdem erreichen viele Spieler beim Afrika-Cup nicht ein so hohes Niveau, dass sie bei Vereinen in Europa mithalten könnten. Wenn man das Turnier mit einer Europameisterschaft oder einer Copa América vergleicht, dann ist der Afrika-Cup schon etwas niedriger einzuschätzen. Aber die Emotionen, die dabei sind, machen den Afrika-Cup zu einem ganz speziellen Turnier. Aber ganz ehrlich: ich persönlich habe die Aussage von Pelé damals nicht ganz verstanden, nachdem Kamerun bei der Weltmeisterschaft 1990 auf der Weltbühne gestartet ist. Wir brauchen uns natürlich nichts vormachen, dass es supertalentierte afrikanische Fußballer gibt, wie z. B. einen Samuel Eto’o und einige andere, die Weltklasse sind. Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Es ist auch keine Frage, dass afrikanische Fußballer körperlich unglaublich fit sind. Wenn man sich aber z. B. die Elfenbeinküste anschaut, wo die Spieler bei Topvereinen in Europa unter Vertrag stehen, merkt man, dass die Spieler beim Afrika-Cup von der Disziplin oder teilweise auch von der Einstellung her lockerer Fußball spielen als bei ihren Vereinen in Europa und dass für sie der Spaß im Vordergrund steht. Das ist ein gewisser Nachteil. Obwohl die Spieler taktisch gut ausgebildet sind, verlieren sie ihre taktischen Zwänge und Vorgaben aus Europa, wenn sie mit zehn Landsleuten auf dem Platz stehen. Die Spieler fallen dann in die Zeit zurück, als sie noch in Afrika gespielt haben und agieren teilweise undiszipliniert, taktisch wild und mit viel Spaß. Es sollte uns schon zu denken geben, dass eine afrikanische Mannschaft noch nie bei einer Weltmeisterschaft im Halbfinale stand und dass da nach wie vor eine große Lücke vorhanden ist. Ich betone immer wieder, dass seit ein paar Jahren die afrikanischen U-17- oder U-20-Mannschaften bei FIFA-Turnieren immer um den Titel mitspielen, aber wenn es dann um den Seniorenfußball geht, ist da ein Loch. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass einige Spieler bei den Jugendturnieren doch älter sind, als sie vorgeben zu sein. Ob das nun absichtlich ist oder nur deshalb, weil die Spieler einfach nicht wissen, wann sie eigentlich geboren wurden, kann ich nicht sagen. Ich will nur darauf hinweisen, dass der Vorteil den es im U-17- oder U-20-Bereich noch gibt, im harten Seniorenfußball relativ schnell verschwunden ist. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass sich bei den nächsten zwei Weltmeisterschaften großartig was ändern wird und eine afrikanische Mannschaft ein Titelaspirant sein wird. Allerdings glaube ich, dass die Lücke in den letzten Jahren kleiner geworden ist. Und wenn ich mir anschaue, wie gut es Ghana bei der WM 2010 in Südafrika gemacht hat und mit viel Pech und einem nicht verwandelten Elfmeter den Sprung unter die letzten Vier nicht geschafft hat, dann sehe ich persönlich in der Tat das Potenzial, dass eine afrikanische Mannschaft einen Überraschungscoup schaffen kann. Aber um den Titel zu holen oder Titelfavorit zu sein, fehlt schon noch ein Stückchen.

Fehlt für das letzte Stückchen vielleicht auch der passende Trainer, so eine Figur wie z. B. der leider im letzten Jahr viel zu früh verstorbene Stephen Keshi? Der nigerianische Erfolgscoach hat oft kritisiert, dass es im afrikanischen Fußball an Kontinuität und Strukturen fehlt. Fehlen solche Trainer, besonders aus dem eigenen Land?
Ich kannte Stephen Keshi sehr gut. Er war fast ein Freund. Stephen Keshi war auch ein Provokateur. Aber was er gesagt hat, war natürlich schon richtig. Wenn man sich mal die letzten fünf Afrikameisterschaften anschaut, erkennt man ein Rotationsprinzip im afrikanischen Fußball. Die Trainer ziehen von einem Land zum anderen. Es gibt viele ältere Trainer, wie z. B. Claude Le Roy (Trainer bei Togo) oder Henryk Kasperczak (Trainer bei Tunesien), die mindestens fünf Mannschaften in Afrika trainiert haben und immer wieder beim Afrika-Cup mit dabei sind. Es fehlt so ein bisschen die frische, moderne Trainingslehre. Es fehlt der Schwung, den man in der Bundesliga sieht, wo ganz junge Trainer wie z. B. Julian Nagelsmann bei uns in Hoffenheim jugendhaft und modern arbeiten. Es sind in Afrika viele ältere frankophone Trainer, welche die Landessprache der Spieler sprechen und von Mannschaft zu Mannschaft springen. Wobei es einem Hervé Renard (Trainer bei Marokko) allerdings gelungen ist, frischen Schwung hineinzubringen. Ich kenne ihn noch von der Zeit, als ich in Namibia Trainer war, damals war er in Sambia Nationaltrainer. Hervé hat eine andere Trainerkultur hereingebracht, anders als dieser typische koloniale französische Trainer, der als großer Meister dasteht. Die Zeiten dieses oberlehrerhaften Trainers sollten eigentlich auch in Afrika vorbei sein. Leider fehlt es auch so ein bisschen an der Trainerausbildung. Die afrikanischen Trainer müssten einfach eine bessere Trainerausbildung genießen, so dass genug ehemalige Fußballer, wie z. B. Sunday Oliseh der jetzt in den Niederlanden als Trainer tätig ist, mit Topniveau im oberen Bereich arbeiten könnten. Ich bin der Meinung, dass die Geduld der Verbände und Präsidenten zu gering ist. Trainer werden oft schon nach einer Niederlage wieder entlassen und dann wird nach der europäischen Superlösung gesucht. Das beste Beispiel hierfür war die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika als ein Lars Lagerbäck bei Nigeria kurzfristig anheuerte und „Feuerwehrmann“ Sven-Göran Erikson kurz vor Turnierbeginn bei der Elfenbeinküste. Obwohl lokale Trainer die Qualifikation geschafft haben, erwartet man von den erfahrenen Europäern Wunderdinge. So läuft der Fußball eigentlich nicht und das müsste man mittlerweile auch in Afrika gelernt haben. Das ist der falsche Ansatz. Das lokale Trainertalent zu fördern und ihm die Möglichkeit zu geben, wäre definitiv mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Ausländer, der alles besser weiß, ist einfach der falsche Ansatz.

Sie haben beim Kommentieren für Eurosport vor zwei Jahren gesagt, dass es „eine ganze Plastiktüte voller 1:1“ gab, wird es auch in diesem Jahr auffallend viele 1:1 oder 0:0 geben? Wenn ja, woran liegt das eigentlich?
Ein 1:1 ist in der Vorrunde oft das häufigste Ergebnis. Es ist ganz einfach. Der erste Satz aller erfahrenen Trainer ist, dass du das erste Spiel nicht verlieren darfst, sonst hast du Megadruck. Dies führt dazu, dass die ersten Gruppenspiele sehr stark nach Unentschieden riechen. Wenn du das erste Spiel dann doch gewonnen hast, bist du nach einem Unentschieden im zweiten Spiel mit vier Punkten fast schon weiter. Die erste taktische Vorgabe des Trainers „wir dürfen heute auf keinen Fall verlieren“, wird oft zu wortwörtlich genommen und es wird relativ früh damit aufgehört die Entscheidung zu suchen. Oft sind Mannschaften, egal ob Favorit oder Außenseiter, dann doch mit einem 1:1 zufrieden und denken sich, dass sie im zweiten oder dritten Spiel den Sack zumachen. Wir können uns ja auch noch an Mali erinnern, die 2015 mit drei Unentschieden per Losentscheid ausgeschieden sind. Das sind so Dinge, die passieren nur noch in Afrika. Ja, ich glaube, das 1:1 in der Gruppenphase wird auch diesmal wieder ein populäres Ergebnis sein.

Wer wird den Afrika-Cup in diesem Jahr gewinnen? Wird Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund der große Star des Turniers werden?
Ich hoffe für das Turnier, dass Ausrichter Gabun so weit kommt, wie es geht. Gabun hat eine große Auswahl von guten jungen Fußballern, aber der gesamte Kader hat noch nicht ganz die Qualität wie andere Mannschaften. Trotzdem denke ich, dass der Heimvorteil da einiges bewegen kann. Es besteht die Gefahr, dass das Spiel zu stark auf Aubameyang zugeschnitten ist. So etwas ist bei solchen guten Spielern oft der Fall. Da ich ihn privat gut kenne und sehr schätze und sagen kann, dass er ein toller Mensch und ein toller Fußballer ist, wünsche ich ihm von ganzem Herzen, dass Gabun um den Titel mitspielt und er eine tragende Rolle dabei spielen kann. Trotzdem tippe ich dieses Jahr auf Ghana. Sie sind wieder mal an der Reihe. Ghana ist mein Favorit auf den Titel beim Afrika-Cup.

Ein schönes Schlusswort auch über Pierre-Emerick Aubameyang. Wir bedanken uns für dieses informative und ausführliche Gespräch und wünschen Ihnen viel Spaß vor Ort beim Afrika-Cup in Gabun.

Vielen, vielen Dank auch von meiner Seite.

Das Interview führte Maximilian Lütgens.

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