Rodrigue Kamdom möchte noch ganz weit hinaus. Das Potenzial dazu hat er, den Willen erst recht.

Der kleine Kameruner strotzt vor Energie. Jetzt muss er sie nur noch gewinnbringend einsetzen…

Für den gebürtigen Kameruner Rodrigue bedeutet das Boxen mehr als Sport. Es ist schon fast eine Parabel seines Lebens. In Kamerun aufgewachsen kommt er mit 21 Jahren nach Deutschland, um hier zu studieren. Erst vor kurzem hat er das Ingenieursstudium der Elektrotechnik mit Bravour abgeschlossen und will nun noch eine Promotion anhängen. Bis dahin arbeitet er weiter am HZB Institut Wannsee. Die Zeit fürs Boxtraining muss er sich dabei trotzdem nehmen. Oft sieht Rodrigues Tagesablauf so aus, dass er den Tag morgens um 6 Uhr beginnt und spät abends mit dem Training abschließt. Wie viel Energie muss man dafür aufbringen? Und dann noch ein Privatleben führen. Doch der kräftige Teilzeitathlet bekommt es hin, weil er wirklich an etwas glaubt, vor allem an sich selbst.

Und so bringt er auch die Kraft auf, alle Hürden auf sich zu nehmen und zu überwinden. Vor acht Jahren in Deutschland angekommen, muss er sich in seiner neuen Heimat erst mal zurechtfinden, die fremde Sprache erlernen, Kontakte knüpfen, ein neues Leben aufbauen. Dabei stößt er auf den Boxsport. Sportliches Interesse war schon immer ein großer Teil seines Lebens. Während seiner Schulzeit in Kamerun war er bereits in diversen Sportarten aktiv. So widmete er sich lange Jahre seiner Jugend Sportarten wie dem Judo, Karate und Ringen. Schon mit 12 Jahren war er am Institut für Jugend und Sport engagiert und kam mit einer bereits absolvierten Sportlehrerausbildung nach Deutschland.

„Der Ring ist das Leben“

Der Sport stellt für ihn ein Synonym zu seinem Leben dar. Er stellt die Herausforderung an sein eigenes Leben dar. Der Ring ist das Leben, durch das er sich durchboxt, der Gegner die Barrieren, die sich einem im Lauf des Lebens in den Weg stellen. An denen man nicht zugrunde gehen sollte, sondern wachsen, indem man dagegen ankämpft.

In Zukunft als Trainer

Seine Erfahrungen möchte Rodrigue gerne weitergeben. Ideen, die unter dem Motto „Box dich Fit“ oder  „Box dein Leben fit“ stehen könnten, mit dem Ziel, Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen, sind Bestandteil von Rodrigues Plänen und Wünschen.

Im Optimalfall sollte das Training auch als Training für das Leben fungieren. Er möchte den jungen Menschen nahe bringen, was es heißt, sich durchzuschlagen. „Nichts ist umsonst! DU kannst es schaffen! DU musst es wollen!“

Traurige Gegenwahrheit ist leider die

Tatsache, dass Boxen in Deutschland einer „starken familiären GmbH“ gleicht, die nach kapitalistischem Modell abläuft, so Rodrigue. Die Fairness bleibt dabei oft auf der Strecke. Wie oben bereits angeschnitten, hat Erfolg in dieser Disziplin bedauerlicherweise oft mit Macht und Einkommen zu tun.

Rassismus gegen Sport

Der Boxsport ist in Deutschland leider über dies hinaus nicht nur von sportlichem Engagement geprägt, sondern teilweise oder stark von Rassismus und Diskriminierung durchzogen. Viele Kämpfer stammen aus dem Osten Deutschlands, in dem Rechtsextremismus trauriger Bestandteil vieler Jugendlicher ist. So bleiben rassistische Beleidigungen oft nicht aus. Zwischen den Gegnern selbst kommt es zu keiner Form der Diskriminierung, der gegenseitige Respekt füreinander ist selbstverständlich. Es sind eher die Teams und vor allem die Zuschauer, die ihre rassistischen Äußerungen nicht lassen können. Dann ist es nicht immer leicht, noch gelassen und ruhig zu bleiben, und Aggressionen im Zaum zu halten.

Im letzten Kampf am Samstag, den 24.08., als es um den Titel des internationalen Weltmeisters im Mittelgewicht ging, schien das abermals ein Problem Rodrigues zu sein. Dabei hat er soviel Kraft und Energie. Er ist flink und wendig. Doch verständlich, dass die Frustration über Ungerechtigkeit in ungezügelte emotionale Richtung ausschlagen kann. Wenn man schon vor dem Kampf weiß, dass man alles geben kann, aber nur durch ein K.O. gewinnen wird, weil zwei Drittel der Schiedsrichter zum Team des Gegners gehören, ist klar, dass die Wut kommt. So konnte Rodrigue bei seinem 12. Kampf leider keinen Sieg mit nach Hause nehmen.

Doch davon lässt er sich nicht herunterziehen auch wenn ein paar Tage danach noch ein bisschen Wut zu spüren ist. Rodrigue hat außer seinem starken Körper  einen äußerst starken Geist, der ihn letztendlich zum Sieger machen wird.

Johanna Zehe

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