Die ganze Welt wartet auf den sportlichen Höhepunkt des Jahres 2010. Doch einige Fans werden enttäuscht sein, denn nicht alle Nationalmannschaften schafften die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Südafrika. Wir betrachten die derzeitige Bilanz der afrikanischen Teams.
Vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen und -spiele wurde die Anzahl der afrikanischen Teilnehmer bereits von 53 auf 48 verringert. Die verbleibenden Mannschaften wurden in Durban, Südafrika, bei der Auslosung in zwölf Vierergruppen aufgeteilt. Die Sieger der Gruppen und die acht besten Zweitplatzierten qualifizierten sich für eine weitere Qualifikationsrunde. Aus den sich nun ergebenden Vierergruppen qualifizieren sich die fünf Sieger für die Teilnahme an der WM. Der Gastgeber Südafrika ist automatisch Teilnehmer.
In der ersten Gruppe befinden sich Gabun, Togo, Marokko und Kamerun. Die zweite Gruppe bildet sich aus Tunesien, Nigeria, Kenia und Mosambik. Algerien, Ägypten, Sambia und Ruanda spielen in der dritten Qualifikationsgruppe. Die vierte Gruppe setzt sich zusammen aus den Nationalmannschaften Ghana, Mali, Benin und Sudan. Die fünfte und somit letzte Gruppe bilden Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Guinea und Malawi.
Gruppe A: Gabun ist die Überraschung
Derzeitiger Spitzenreiter der ersten Gruppe ist Gabun mit zwei Siegen in zwei Spielen. Am 5. September spielt die gabunische Mannschaft gegen den gegenwärtigen Tabellenletzten Kamerun. Bisher die große Sensation der afrikanischen Qualifikationsrunde. Fussballkenner hätten die Tabellenposition im Vorfeld wohl umgekehrt eingeschätzt. Auch Marokko konnte in dieser Gruppe bisher nicht überzeugen. Aber woher nehmen nun die Gabuner die starke Leistung, um sich an die Tabellenspitze zu setzen und den großen Favoriten das Leben schwer zu machen? Ist es wirklich ihre Stärke oder einfach die Schwäche der Gegner? Fest steht, dass die kamerunische Nationalmannschaft einen Trainerwechsel durchlaufen hat, der die Vorbereitung in der Qualifikationsphase gestört hat. Marokko, das nur zwei dürftige Punkte aus drei Spielen auf dem Konto hat, geriet vor allem wegen der Offensivschwäche immer mehr in die Kritik. Der gabunische Trainer hingegen kennt die Mannschaft seit seinem Amtsantritt 2006. Der Franzose Alain Giresse hat bereits die großen Namen in Europa trainiert, wie etwa Paris St. Germain oder den FC Toulouse. Aber auch der jugendliche Sturm der Gabuner (die Spieler sind durchschnittlich 23 Jahre alt) und die erfahrene Abwehr um Bruno Ecuele Manga haben zu dem Überraschungserfolg beigetragen. Togos Star Adebayor konnte bisher mit einer guten Leistung zu dem zweiten Platz seiner Mannschaft beitragen. Sollten die Togolesen im direkten Kampf um Platz eins der Tabelle Gabun im Rückspiel schlagen, würden sie der zweiten WM-Teilnahme in Folge näher kommen.
Gruppe B:  „Adler“ und „Super Eagles“ wer macht das Rennen am Ende?
In der zweiten Gruppe ist Nigeria mit seinen Ausnahmespielern Kanu, John Obi Mikel und Obafemi Martinis der Topfavorit. Mit einer Mischung aus Routine und den genannten Jungtalenten streben sie das Ziel des Gruppengewinns an. Doch bisher steht Tunesien mit sieben Punkten aus drei Spielen an der Tabellenspitze. Dicht gefolgt von der nigerianischen Nationalmannschaft mit fünf Punkten. Doch ganz so überraschend kommt der tunesische Erfolg nicht. Die als „Adler von Karthago“ geltenden Spieler sind seit Jahren bereits Dauergäste bei den Weltmeisterschaften. Im September kommt es zum großen Showdown in Abuja zwischen den „Adlern“ und den nigerianischen „Super Eagles“. Die Mannschaften aus Kenia und Mosambik haben den schwersten Standpunkt. Bisher konnten sie in direkter Konkurrenz zu den Favoriten nicht überzeugen und befinden sich auf Platz drei und vier.
Gruppe C: Algerien bringt endlich die Stabilität
In der dritten Qualifikationsgruppe sorgt aktuell Algerien für Furore. Nach insgesamt 34 Trainerwechseln in 22 Jahren will man endlich wieder im internationalen Fussballgeschäft mitspielen. Die Chancen dafür stehen derzeitig gut, denn nicht der Favorit Ägypten steht an der Tabellenspitze, sondern die algerische Nationalmannschaft. Ägypten konnte aus den bisher drei Spielen lediglich vier Punkte auf dem Konto verbuchen. Dennoch haben sie die erfolgreichsten Stürmer in ihrer Mannschaft. Aboutrika, Motab und Zaki, stehen mit jeweils drei Treffern in dieser Gruppe in der Torschützenliste an erfolgreichster Position. Keine Überraschung hingegen ist das Schlusslicht Ruanda, welches als Außenseiter in die Qualifikationsrunde gestartet ist. Weiteres Team in der Gruppe ist Sambia. Noch nie nahm   die Mannschaft an einer WM-Endrunde teil, vielleicht gelingt ihnen aber noch die Überraschung in der laufenden Qualifikation. Superstar  Christopher Katongo träumt bereits vom ganz großen Erfolg. Auch Trainer Herve Renard gab sich im Interview mit dem Fußball-Weltverband kämpferisch und optimistisch: „Wir haben eine qualitativ hochwertige Mannschaft zusammengestellt und glauben an sie. Trotzdem wissen wir natürlich, dass wir noch etwas härter arbeiten müssen, wenn wir nach ganz oben wollen. Wir müssen uns selbst alles abverlangen, aber ich weiß nicht, warum wir das in diesen großen Wettbewerben nicht schaffen sollten. Der Präsident möchte, dass diese Mannschaft Erfolg hat, und wir wollen das Land nicht im Stich lassen.“
Gruppe D: Ghana steht fest auf Pole Position
In der vierten Gruppe wird die Mannschaft aus Ghana ihrer Favoritenrolle gerecht. Bisher konnten alle Spiele mit einer starken Leistung gewonnen werden und sollte diese beibehalten werden, stehen die Chancen die Endrunde der WM zu erreichen sehr gut. Bereits mit zwei Unentschieden in den kommenden beiden Runden würde Ghana das Ticket für die WM lösen. Doch die Teams aus Benin, Mali und dem Sudan sind nicht zu unterschätzen. Mali zum Beispiel hat einige Topspieler in seinen Reihen. Vor allem  „Frédéric Kanouté“ Frédéric Kanouté (Marktwert: 22 Millionen Euro), der beim FC Sevilla unter Vertrag steht, hat mit seinen bisherigen 7 Treffern in der gesamten Vorbereitungsphase einiges dazu beigetragen, dass die aufstrebende Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz steht. Die sudanesische Mannschaft, die bisher nur die Afrikameisterschaft 1970 im eigenen Land gewann, konnte in der Qualifikation nicht überzeugen. Mit nur einem Punkt aus drei Spielen ist das Erreichen der Endrunde fast unmöglich. In dieser Gruppe wird demnach eine Überraschung wohl ausbleiben.
Gruppe C: Elfenbeinküste Favorit
Auch in der fünften Gruppe bleiben bisher die Überraschungen aus. Wie erwartet steht die Elfenbeinküste an der Spitze der Tabelle. Dem Status des Favoriten wurden die Ivorer nach 3 Siegen in drei Runden vollkommen gerecht. Das Team um Superstar Drogba startete mit einem klaren 5:0 Erfolg gegen Malawi, danach gab es gegen Burkina Faso und Guinea knappe Erfolge. Schlüsselspiel der Gruppe wird das Heimspiel der Ivorer gegen Burkina sein. Sollten sie dieses Spiel für sich entscheiden können, nimmt die Elfenbeinküste zum zweiten Mal in Folge an einer WM teil. Guinea und Malawi zählten als Außenseiter. Sie konnten die Kritiker bisher nicht überzeugen und werden der Außenseiterposition gerecht. Hoffnungen die Endrunde zu erreichen, dürften in beiden Ländern äußerst gering sein.
Steffi Schams

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