Nach anfänglichen Schwierigkeiten (eine Bombendrohung in Kapstadt) konnte das Auslosungs-Event ohne weitere Komplikationen verlaufen. Der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela wurde per Live-Übertragung zur Veranstaltung zugeschaltet. In einer bewegenden Ansprache an die Fußballwelt verwies er auf die Wichtigkeit der WM für den afrikanischen Kontinent und schloss seine Rede mit den Worten: „Das lange Warten auf den Einzug der Freiheit in Afrika hat sich gelohnt“. Zudem wurde innerhalb des Events der WM-Ball 2010 vorgstellt. „Jabulani“, heißt er, und bedeutet auf Zulu „Sei fröhlich“. Neben der südafrikanischen Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, die moderierte, standen u.a. die internationalen Superstars Haile Gebrselassie und David Beckham an den Lostöpfen. Diverse Show- und Künstlerauftritte ließen die Auslosung in einem afrikanisch-glamourösen Licht erscheinen und steigerten die Vorfreude auf die Großveranstaltung.
Der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw kommentierte vor der Auslosung das Event folgendermaßen: „Heute Abend nimmt man es so, wie es kommt. Letztendlich beginnt heute die WM.“ Die deutsche Mannschaft war durch den Lostopf Nummer eins bereits als Gruppenkopf gesetzt und kam nach der Ziehung der Lose als Kopf der Gruppe D ins Spiel.
Die weitere Auslosung der Gruppenphase ergab, dass Südafrika, als Kopf der Gruppe A, das Auftaktspiel gegen Mexiko bestreiten wird. Des Weiteren befinden sich in dieser Gruppe Uruguay und Frankreich. Für die Gastgeber „Bafana Bafana“ keine allzu leichte Angelegenheit. Ein Weiterkommen für die Gastgeber wird sich schwierig gestalten. Nach der Auslosung war die gesamte Nation bestürzt. Soll die WM so früh bereits enden? Doch sind die Vorrundenspiele noch nicht gespielt. Frankreich hat es nur mit Mühe und Not in die Qualifikationsrunde geschafft. Ein Resignieren vor den Spielen ist somit definitiv fehl am Platz. Dem schließt sich auch der südafrikanischer Nationaltrainer Carlos Parreira an, indem er zwar von Respekt vor den Gegnern spicht, jedoch auch explizit sagt, dass keine Angst im Land und in der Mannschaft vorherrscht.
Auch die Nigerianer haben eine interessante Gruppenansetzung erwischt. Mit ihnen befinden sich in Gruppe B der Favorit Argentinien, Südkorea (immer für eine Überraschung gut) und das Nationalteam der Griechen (unter Leitung des deutschen Trainers Otto Rehhagel). Shaibu Amodu, nigerianischer Coach äußert sich folgendermaßen zur Gruppe: „Das ist ein äußerst wichtiges Turnier für Nigeria, und wir wissen alle, welche Erwartungen man in uns setzt. Die Gruppe ist sehr schwierig – Argentinien, Griechenland und Korea sind keine leichten Gegner. (…) Für Nigeria wird es das Wichtigste sein, sich bei diesem Turnier gut zu verkaufen. Unser Minimalziel ist das Erreichen des Achtelfinales.“
In der Gruppe C treffen die Überraschungsteilnehmer aus Algerien auf Slowenien, die USA und England. Ein sehr schweres Los. Die Engländer haben eine gute Vorbereitung gespielt und auch die Nord-Amerikaner und Slowenen sind in dieser Gruppe nicht zu unterschätzen. Hier ist eine Prognose sehr schwierig und egal welches Ergebnis man tippt, es wird nichts mit Expertenwissen zu tun haben.
Deutschland steht an der Spitze der Gruppe D. Hinzu gelost wurde neben Australien und Serbien auch die ghanaische Nationalmannschaft. Ein sehr spannendes Spiel der Vorrunde und das Erreichen des Achtelfinales dürften für die Ghanaer zumindest in Aussicht sein.
Der Stürmerstar der „Black Stars“ Asamoah Gyan äußerte sich zufrieden zur Qualifikation, und diese Aussage dürfte auch auf die neue Gruppenphase zutreffen: „Wie wir abschneiden, kann ich nicht vorhersagen. Aber wenn alles gut geht und wir uns konzentrieren, dann werden wir eine starke WM spielen.“
Für die Nationalmannschaft aus Kamerun steht eine schwierige Gruppenphase bevor. Das erneute Erreichen des Achtelfinales muss hart erkämpft werden, denn mit ihnen befinden sich in Gruppe E die Niederlande, Dänemark und Japan. Dennoch dürfen die „unzähmbaren Löwen“ nicht unterschätzt werden, denn immerhin gehen sie als bestplatziertes afrikanisches Team in der FIFA-Weltrangliste und somit als gegenwärtig erfolgreichste Nation Afrikas an den Start. Trainer Le Guen trifft es mit seinen Worten genau: „Es wird zwar schwer, aber nicht unmöglich für uns.“
In der Gruppe F befindet sich keines der fünf afrikanischen Teams. Hier spielen Italien, Paraguay, Neuseeland und die Slowakei um den Einzug in die WM-Endrunde. Von außen betrachtet, erscheint diese Gruppe doch wie ein Traumlos für Titelverteidiger Italien. Doch Paraguay und die Slowakei könnten zu Stolpersteinen für die Südeuropäer werden. Der große afrikanische Hoffnungsträger, die Elfenbeinküste, hat hingegen die wohl schwerste und interessanteste WM-Gruppe erwischt. Das Losglück war an diesem Tag nicht auf ihrer Seite. Doch damit erwarten uns in dieser Gruppe die spannendsten Begegnungen. Neben den ivorischen Stars Drogba, Kalou und Toure befinden sich in der Gruppe G Portugal, Nordkorea und Titelanwärter Brasilien. Nur eines in dieser Gruppe steht fest: Ein Titelfavorit wird frühzeitig nach Hause fahren. Denn nach der überzeugenden Leistung der Ivorer gegen die deutsche Nationalmannschaft kann wohl kaum noch von einem Geheimfavoriten gesprochen werden. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Titelaspiranten, wie Italien, Frankreich oder auch Brasilien. Zudem wird es Zeit, dass neben der ersten Weltmeisterschaft auf dem Kontinent auch endlich der erste afrikanische Fußballweltmeister gefeiert wird. Sollte die Elfenbeinküste die Gruppenphase überstehen, dann wäre ein großer Schritt in diese Richtung getan.
Die Gruppe H findet ohne afrikanische Beteiligung statt. Hier treffen Spanien, die Schweiz, Honduras und Chile aufeinander. Ein klarer Favorit für das Weiterkommen dürfte Spanien sein. Alle drei weiteren Teilnehmerländer werden den zweiten Gruppenplatz wahrscheinlich unter sich ausspielen. Doch so wirklich kann keine Mannschaft in keiner Gruppe von einem absoluten Losglück sprechen und wer Weltmeister werden möchte, muss sowieso jeden schlagen können. Da spielt es keine Rolle, wer in der Vorrunde der Gruppengegner ist.
Steffi Schams





