„Die Community wird immer heterogener“

„Die Community wird immer heterogener“

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Seit 30 Jahren vertritt der Bund "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD) die Interessen der Schwarzen Community. Zum Jubiläum sprach LoNam mit Vorstandsmitglied Hadija Haruna-Oelker über die Leistungen der letzten drei Jahrzehnte und wie sich die Herausforderungen in dieser Zeit gewandelt haben.

Foto: H. Haruna

Im Vergleich zu dazu, wie die ISD vor 30 Jahren angefangen hat. Wofür steht die ISD heute?
Ein bedeutender Schritt in Sachen Veränderung stellt das Thema Selbstverständnis dar. So stand der Name ISD in seinen Anfängen für Initiative Schwarze Deutsche und heute für Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.. Es geht also weniger um Herkunft, sondern mehr um ein politisches Verständnis von Schwarz sein und die gemeinsame Erfahrung, die Schwarze Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Status in Deutschland machen.

Deutschland wird ja auch immer multikultureller.
Wie geht die ISD damit um, vor allem in Hinblick auf die wachsende Zielgruppe?

Auch diese Entwicklung zeigt deutlich wie heterogen die Community und damit auch die Aktiven der Schwarzen Bewegung mehr und mehr geworden ist. Oder sagen wir anders, wie sich Sichtbarkeiten darauf ändern. Auch in der ISD hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren die Perspektive darauf erweitert. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass unsere Gemeinschaft aus Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Lebenswelten besteht. Ich möchte an dieser Stelle ein wichtiges Mitglied der ISD zitieren: „Menschen, die reich sind oder arm, ohne Schulabschluss oder mit Hochschulbildung, sich als Deutsche identifizieren oder nicht, körperlich und geistig der gesellschaftlichen Norm entsprechen oder eben nicht, gegengeschlechtlich lieben oder gleichgeschlechtlich, […] sich innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit identifizieren oder nicht. Uns allen gemein sind einzig die Lebensrealitäten als Schwarze Menschen. Und eine unserer Aufgaben ist es, Räume für uns zu schaffen, in denen wir als vollständige Persönlichkeiten unseren Beitrag für die Schwarze Community in Deutschland leisten können.“

Welche Errungenschaft aus 30 Jahren ISD erachten Sie als die wichtigste?
Was ist für die nächsten Jahre geplant?

Bis Ende der 1990er war die ISD in ihrer Form eine Organisation ohne formellen Titel. 1999 wurden erst der offiziell gemeinnützige Verein ISD-Bund e.V. gegründet. Er sollte von da an die jährlichen Bundestreffen ausrichten und überregionale Koordination gewährleisten. Es waren sicherlich Jahre des Lernens: strukturell, ideell und menschlich. So haben es mir viele der Gründer_innen berichtet und das zeichnet die ISD beziehungsweise viele der Aktive der Community bis heute aus. Nämlich, wie es mir ein Vorstandskollege kürzlich sagte, ihr Potenzial, durch Aushandlungsprozesse auf aktuelle gesellschaftliche Fragen Antworten zu finden. Wie zum Beispiel: In welcher Gesellschaft wir leben wollen.

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Hadija Haruna-Oelker ist seit 2009 eines der fünf ISD-Vorstandsmitglieder.

Titel_lonam_oktober2015Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgabe 1/2016 mit dem Schwerpunktthema „Kampf um die Macht?“. Die Einzelausgabe mit vielen anderen Beiträgen ist bestellbar unter: abo(at)lonam(.)de