Ghanasat-1: Vorstoß in die Raumfahrttechnik

Ghanasat-1: Vorstoß in die Raumfahrttechnik

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Als erstes Land der Subsahara-Region schickt Ghana einen eigenen Satelliten ins All. Er soll vor allem zur Überwachung der Küstenlinie dienen. Zwei Jahre lang arbeiteten drei ghanaische Studierende in Kooperation mit dem japanischen Technologieinstitut Kyutech an dem Projekt.

Benjamin Bonsu, Quansah Joseph Neenyi Kojo Krobo and Ernest Teye Matey, set by Kyutech, pursuing Master of Science Engineering in Applied Science for Integrated System Engineering at the Kyutech in Fukuoka, Japan.

Am 7. Juli 2017 war es soweit: Astronaut_innen der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) brachten den ein Kilogramm leichten CutSat-Satellit Ghanasat-1 in 400 Kilometer über der Erdoberfläche in die Umlaufbahn. Im Rahmen des sogenannten „Bird Projects“ des japanischen Technologieinstituts Kyutech hatten drei Studierenden des All Nations University College Koforidua (ANUC, Ghana) den Ghanasat-1 entwickelt. Das grenzüberschreitende interdisziplinäre Satellitenprojekt richtete sich vor allem an Studierende aus Ländern ohne Erfahrung im Bereich Raumfahrttechnik und unterstützte die Ingenieurteams sowohl technisch als auch finanziell. Das Trio Benjamin Bonsu, Ernest Matey und Joseph Quansah arbeitete seit Oktober 2015 an der Fertigstellung des Satelliten. Neben Ghana nahmen auch die Länder Nigeria, Bangladesh und die Monolei teil.

Der CubeSat ist nicht viel größer als ein gewöhnlicher Milchkarton und gehört zu der Gruppe der Nanosatelliten, die mit ihren hochspezialisierten Geräten jeweils nur wenige Aufgaben erledigen sollen. Der Ghanasat- 1 ist mit hochauflösenden Kameras ausgestattet, deren Luftaufnahmen vor allem bei der Überwachung der ghanaischen Küste helfen sollen. Die neue Technik könne auch beim Kampf gegen den illegalen Abbau von Rohstoffen, lokal „galamsey“ genannt, genutzt werden. Mithilfe der Bilder könnten die Behörden illegale Aktivitäten schneller erkennen und geeignete Maßnahmen einleiten, so Projektkoordinator Dr. Richard Damoah.

Daneben verfügt der Satellit über eine weitere Vorrichtung, mithilfe derer die Nationalhymne und Lieder aus der Unabhängigkeitsbewegung direkt aus dem All an die Basisstation der Universität sowie an einige weitere Amateurstationen gesendet werden kann. Eine symbolische Geste, 60 Jahre nach Ghanas Unabhängigkeit.

Der erste eigene Satellit markiert einen wichtigen Meilenstein in der Raumfahrttechnik des Landes. Damoah hofft nun, dass das Programm ausgebaut werden kann und verwies gleichzeitig auf die hohe Bedeutung neuer Techniken sowie deren vielfältiger Nutzungsmöglichkeiten. ANUC-Präsident Dr. Donkor plant bereits in Zusammenarbeit mit der ghanaischen Regierung den Bau weiterer Satelliten, die unter anderem die Gewässer Ghanas überwachen könnten. Auch um auf etwaige Umweltkatastrophen wie das Auslaufen von Öl schneller reagieren zu können.

Kai Eisenhardt

titel_lonam_august2017Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgabe 05/2017 mit dem Schwerpunkt „Die Community und die Bundestagswahl“. Die Einzelausgabe mit vielen anderen Beiträgen ist bestellbar unter: abo(at)lonam(.)de