Luxemburg-Konferenz fokusiert sich auf Afrikas soziale Kämpfe

Luxemburg-Konferenz fokusiert sich auf Afrikas soziale Kämpfe

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Nnimmo Bassey und Achille Mbembe zu Gast in Berlin.

Foto: junge Welt

Die XXIII. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz unter dem Motto „Amandla! Awethu! Die Machtfrage stellen“ am Sonnabend im Mercure-Hotel MOA in Berlin hatte zum ersten Mal Afrika als thematischen Schwerpunkt. Zur Tagung kamen 2.700 Besucher_innen.

Referent_innen aus sieben Ländern legten dar, unter welchen Bedingungen soziale Kämpfe dort geführt werden und wie postkoloniale wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten auf dem Kontinent überwunden werden können. Die jährlich stattfindende Konferenz wird bereits seit 1996 von der Tageszeitung junge Welt organisiert. Die diesjährige wurde von mehr als 30 Organisationen und Initiativen unterstützt.

Ein Besucher auf der Rosa Luxemburg Konferenz zeigt seine Solidarität mit der Kampagne für Oury Jalloh. Foto: junge Welt
Ein Besucher auf der Rosa Luxemburg Konferenz zeigt seine Solidarität mit der Kampagne für Oury Jalloh. Foto: junge Welt

Zu den Höhepunkten der Veranstaltung zählte der Auftritt des nigerianischen Dichters, Umweltschützers und Träger des Alternativen Nobelpreises Nnimmo Bassey, der aufzeigte, warum trotz des Reichtums seines Landes an Öl- und Gasvorkommen viele Bewohner_innen in Armut leben. Die Jagd der multinationalen Konzerne nach Profit ruiniere in Afrika Menschen und Natur. Der aus Kamerun stammende Historiker und Philosoph Achille Mbembe, dessen Werke in der Bundesrepublik im Suhrkamp-Verlag erschienen sind, sprach über Rassismus und Gewalt als einen zusammenhängenden, dem historischen wie aktuellen Kapitalismus innewohnenden Herrschaftsmechanismus. Afrika spiele für die Zukunft des Planeten Erde eine Schlüsselrolle, erklärte Mbembe, der in Johannesburg, Südafrika, lehrt. Er prognostizierte eine „Afrika-Werdung“ der Welt mit immer kleineren Wohlstandsinseln und immer größeren Elendsgebieten voller entrechteter Tagelöhner auch in den Industriestaaten.

An der Konferenz nahm auch eine Delegation aus Venezuela teil, an deren Spitze William Castillo, stellvertretender Außenminister der Bolivarischen Republik, stand. Unter stürmischem Beifall der Gäste wurde eine Solidaritätserklärung mit den revolutionären Prozessen in dem südamerikanischen Land angenommen. Die Sanktionen von EU und Bundesregierung und die Medienkampagne gegen Venezuela und seine legitime Regierung werden darin kritisiert.

Auf dem abendlichen Podium diskutierten Politiker_innen aus Deutschland und Österreich über das Verhältnis der Linken zur internationalen Solidarität in Zeiten einer wachsenden sozialen Spaltung der Gesellschaft, die mit dem Schüren von Fremdenhass einhergeht. Canan Bayram, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Berlin, erklärte, die Politik der amtierenden Regierung von CDU, CSU und SPD unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel habe maßgeblichen Anteil an der gegenwärtigen „Polarisierung der Gesellschaft“. Große Teile der nach Deutschland kommenden Geflüchteten bekämen restriktive rechtliche Regelungen zu spüren, lebten „in großer Unsicherheit und getrennt von ihrer Familie“. Bayram betonte, in ihrer politischen Arbeit sei es ihr wichtig, dass es auch innerhalb von Bündnis 90/Die Grünen eine Stimme gebe, „die für Frieden kämpft“.

Auf der Webseite von junge Welt konnte die Veranstaltung mit einem Livestream und über einen Blog verfolgt werden. In ihrer Montagausgabe wird die Zeitung ausführlich über die Konferenz berichten. Die Vorträge werden in einer Beilage und als Broschüre erscheinen.