MOCAA-Eröffnung zeigt Dilemma auf

MOCAA-Eröffnung zeigt Dilemma auf

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Deutscher Unternehmer eröffnet größtes Museum für zeitgenössische Kunst in Kapstadt. Seine Person wird kontrovers diskutiert.

Foto: The old grain silo at the Victoria & Alfred Waterfront in Cape Town, South Africa is being repurposed to house the Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz MoCAA) scheduled to open to the public in February 2017. Von HelenOnline, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Seit über zehn Jahren plant der ehemalige PUMA-Manager Jochen Zeitz den Bau eines Museums für zeitgenössische afrikanische Kunst in Südafrika. Am 22. September 2017 feierte eines der modernsten Bauwerke in Kapstadt die Eröffnung. Der deutsche Millionär Zeitz ist nun Vorwürfen ausgesetzt: Inwiefern kann ein Europäer als Kunstspezialist für zeitgenössische afrikanische Kunst fungieren?

Geistige Nahrung statt Getreidesilo
Jochen Zeitz hat Ambitionen. Im Gespräch mit dem Schleswig-holsteinischen Zeitungsverlag shz.de gibt der 54-Jährige zu: „Zum Sammler wurde ich, weil ich der Meinung war, dass es in Afrika irgendwo einmal eine Institution oder ein Museum braucht, in dem man afrikanische Kunst repräsentativ ausstellen und der Öffentlichkeit zugängig machen sollte. Das hat aus meiner Sicht gefehlt. Und so wurde diese Sammlung aufgebaut, mit dem Ziel, eben genau das zu tun.“ Ob sein Museum wirklich allen gleichermaßen zugängig sein wird, etwa auch der Schwarzen Bevölkerung der Townships in Kapstadt, müsse sich erst zeigen. Das nach ihm benannte Zeitz Museum for Contemporary Art Africa (Zeitz MOCAA), befindet sich direkt am atlantischen Ozean, genau dort wo auch die Einkaufs- und Vergnügungsmeile Victoria & Albert Waterfront jährlich über 20 Millionen Besucher_innen anlockt. Für die Konstruktion des Museums war mit dem britischen Architekten Thomas Heatherwick ein weiterer Europäer verantwortlich. Er verwandelte ein historisches Getreidesilo von 1920 in das moderne MOCAA. Das Gebäude besteht aus neun Etagen und bietet etwa 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Für die Besucher_innen stehen sieben Etagen mit 80 Galerien zur Verfügung. Auch Fotografie, Video- oder Textilkunst haben Räumlichkeiten, ebenso Unterrichtsräume im Untergeschoss, wo Schulklassen mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert werden und auch selbst kreativ werden können. Ein Café und ein Hotel mit Restaurant vervollständigen das Zentrum.

Früher PUMA heute MOCAA
Jochen Zeitz machte sich einen Namen als jüngster Vorstandschef der Sportmarke PUMA, 2011 gab er seinen Posten ab. Heute kann Zeitz auf steinreiche Kontakte zählen, wenn er etwa Eintrittsgelder von 4.000 Euro für Gala-Abende verlangt. Mit diesen Aktionen erhofft sich der leidenschaftliche Kunstsammler einen Aufschwung für diverse Dauerausstellungen im MOCAA. Schätzungsweise 32 Millionen Euro soll das Museum gekostet haben. Luxuriöse Wohnungen und moderne Büros, die an das Museum angegliedert sind, sollen „eine nachhaltige Finanzierung des Museums garantieren“, so Zeitz.

Autonomie und eigene Werke definieren
Das MOCAA soll nun, wie das New Yorker Guggenheim-Museum, weltweites Renommee erlangen. Ausgestellt werden nur Kunstwerke, die nach 2000 entstanden sind. „Wir wollen nicht die Vergangenheit abarbeiten“, sagte Zeitz: „Wir wollen die Zukunft mitgestalten.“ Der Deutsche gilt als ein Kenner und Bewunderer des afrikanischen Kontinents und der afrikanischen Kulturen. Seine Privatsammlung bildet den Kern des MOCAA. Künstler_innen aus allen Regionen und auch aus der Diaspora erhalten Ausstellungsfläche. In den ersten temporären Ausstellungen präsentieren der Künstler Kudzanai Chiurai aus Simbabwe und die 35-jährige Bildhauerin Nandipha Mntambo aus Swasiland ihre Werke. Vorher waren Mntambos Skulpturen in New York City und Frankfurt am Main ausgestellt. Ihr zufolge sei eine gewisse Unabhängigkeit der Künstler_innen gegenüber postkolonialer Mächte spürbar: „Langsam aber sicher ändert sich der Dialog. Wir können verstärkt unsere eigenen Werke definieren.“ Auch andere Kunstkenner wie die marokkanische Unternehmerin Touria el Glaoui unterstützen das MOCAA. Sie ist Gründerin der 1:54 Contemporary African Art Fair, einer Messe für zeitgenössische Kunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora. MOCAAs Gegenwart auf dem afrikanischen Kontinent ist positiv zu bewerten, findet sie. Zuvor hatten afrikanische Künstler_innen immer auf anderen Weltteilen ausstellen müssen, sei es wegen des Rufes, der Glaubwürdigkeit oder etwa um in der Öffentlichkeit bekannter zu werden, beurteilt el Glaoui.

Wie die Saat, so die Ernte
Mit dem Museum in Kapstadt hat Zeitz etwas vor: „Unser Ziel ist es, nicht nur meine Kollektion öffentlich zu zeigen, sondern auch andere dazu zu motivieren, hier mitzumachen, beispielsweise durch das Ausleihen von Werken“. Kann man nur hoffen, die Ernte fährt aus dem ehemaligen Getreidesilo in die Scheuer.

Corinne Salamin

Foto: The old grain silo at the Victoria & Alfred Waterfront in Cape Town, South Africa is being repurposed to house the Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz MoCAA) scheduled to open to the public in February 2017; von HelenOnline, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons