Mosambik: Homosexualität steht nicht mehr unter Strafe

Mosambik: Homosexualität steht nicht mehr unter Strafe

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Neues Gesetz zur Entkriminalisierung der Homosexualität hebt Relikt aus der Kolonialzeit auf.

Seit Montag, 29. Juni 2015 gilt in Mosambik ein neues Gesetz, welches Homosexualität nach über 125 Jahren entkriminalisiert. Das bis dahin geltende Gesetz aus dem Jahr 1886 war unter der Kolonialherrschaft Portugals eingeführt worden. Demnach waren „Praktiken gegen die Natur“ unter Strafe gestellt. Zwar ist keine Anwendung des Gesetzes seit der Unabhängigkeit Mosambiks vor 40 Jahren bekannt, dennoch war es theoretisch möglich, Betroffene mit bis zu drei Jahren Gefängnis zu bestrafen. Vor Ort ansässige Menschenrechtsorganisationen forderten seit langem eine Klarstellung, um Homosexualität zu entkriminalisieren.

Die Überarbeitung des Strafrechts, in Zuge derer nun auch Schwangerschaftsabbrüche legal durchgeführt werden dürfen, ist gerade im Hinblick auf die Situation in anderen Ländern des afrikanischen Kontinents von großer Bedeutung. Während in vielen Ländern Afrikas wie im Sudan, in Nigeria und Sambia unter anderem Homosexualität weiterhin unter Strafe gestellt ist, emanzipiert sich Mosambik durch das neue Gesetz und überwindet ein weiteres, aus der Kolonialzeit bestehendes Gesetz.

Im Zuge der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA wurde das Thema weltweit in den letzten Tagen und Wochen kontrovers diskutiert. Hierbei wurde abermals deutlich, dass weiterhin große Unterschiede hinsichtlich der Kriminalisierung von Homosexualität bestehen.

Ein gutes Beispiel hierfür bildet die Region des Südlichen Afrikas. Während Südafrika seit Jahren als Vorreiter der LGBT-Rechte in Afrika gilt, ist Simbabwe, ein weiteres Nachbarland Mosambiks, dafür bekannt, hart gegen Homosexualität vorzugehen. Präsident Mugabe fällt seit Jahren durch Äußerungen auf, in denen er Homosexualität kritisiert und Homosexuelle beschimpft. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA, die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren, machte sich Mugabe über die Entscheidung lustig. Demnach plane er eine Reise in die USA, um Präsident Obama einen Heiratsantrag zu machen, so Mugabe in einem Radiointerview mit der Zimbabwe Broadcasting Corporation.

Mosambik geht hier einen anderen Weg und stärkt mit dem neuen Gesetz die Rechte von Homosexuellen. Die einzige LGBT-Organisation Mosambiks, Lambda, begrüßt das neue Gesetz und fordert die Regierung zudem auf, die Debatten über ihre Anliegen auszuweiten.

Florian Kübler

Foto: The rainbow flag waving in the wind at San Francisco’s Castro District San Francisco, California, von Benson Kua, Commons Wikimedia, CC BY-SA 2.0