Qualität statt Quantität: Mehr Bewusstsein im Wildtier-Tourismus

Qualität statt Quantität: Mehr Bewusstsein im Wildtier-Tourismus

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Botswana profitiert von umweltbewusstem Reisen.

Foto: A Hippo in the Moremi Game Reserve (Okavango Delta, Botswana) by Michael Jansen/ flickr, CC BY-ND 2.0

Vom achten bis zwölften März fand in Berlin die Internationale Tourismusbörse (ITB) statt. Botswana, der Artenschutzorganisation Pro Wildlife zu Folge ein Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus, war dieses Jahr Partnerland der ITB. „Im Tier- und Artenschutz ist Botswana Vorreiter in Afrika ebenso wie im nachhaltigen Tourismus,“ sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Das südafrikanische Land setze dabei auf naturverbundene Reisende, denen es ein Anliegen ist, Afrikas Naturschätze zu bewahren.

Mehr als 40 Prozent der Landesfläche Botswanas stehen heutzutage unter Naturschutz. Fauna und Flora gelten als das größtes Kapital des Landes. Mit 131.000 Tieren beherbergt das Land den größten Elefantenbestand Afrikas. Obwohl die Regierung in der Vergangenheit Elfenbein aus Lagerbeständen nach Japan und China verkaufte, fordert sie mittlerweile einen vollständiges Verbot des Handels. Die Regierung habe erkannt, dass der Elfenbeinhandel die Wilderei anheize und die Tiere lebend mehr Wert sein als tot, so Freyer. Dem niederländischen Zentrum zur Förderung von Importen aus Entwicklungsländern (CBI) zu Folge sorgt Wildtier-Tourismus jedes Jahr für etwa zwölf Millionen Reisen weltweit. Speziell Deutschland und Großbritannien machten dabei den wichtigsten Quellmarkt sogenannter Entwicklungsländer aus. Tourismus ist für viele dieser Länder eine wichtige Einnahmequelle, für etwa ein Drittel sogar das Hauptexportgut.

Es scheint, als habe die Tourismusbranche insgesamt den Wert vom Wildtierschutz erkannt. Schon im April letzten Jahres hatten Aida Cruises, Geograf Exkursionen, Hauser Exkursionen und TUI Cruises gegenüber der Tierschutzorganisation Pro Wildlife bekannt gegeben, die eigenen Angebote elefantenfreundlicher zu gestalten. Einige Monate später zog die weltgrößte Touristikwebseite TripAdvisor nach und stoppte den Ticketverkauf für Aktivitäten, in denen direkter Kontakt mit Wildtieren oder vom Aussterben bedrohten Tieren möglich war. Dies war nicht zu Letzt ein Erfolg der „Wildlife Not Entertainers“-Kampagne von World Animal Protection. Innerhalb von sechs Monaten hatten eine halbe Millionen Menschen ein Ende des Ticketverkaufs per Petition gefordert.

Nachhaltiger Tourismus liegt im Trend. Reiseanbieter erarbeiten zunehmend Angebote, die wildtierfreundlich, kohlenstoffneutral und profitabel für die lokale Bevölkerung sind. Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter: Knapp die Hälfte aller für das Hintergrundpapier „Towards Measuring the Economic Value of Wildlife Watching Tourism in Africa“ befragten Reiseveranstalter gaben an, Aktivitäten gegen Wilderei oder andere Naturschutzprojekte zu fördern. Eine Investition, auch in die eigene Zukunft, denn 80 Prozent ihres Jahresumsatzes generieren die befragten Unternehmen mit Einnahmen aus dem Wildtier-Tourismus.

Daniel Koßmann

Foto: A Hippo in the Moremi Game Reserve (Okavango Delta, Botswana) by Michael Jansen/ flickr, CC BY-ND 2.0

Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgabe 2/2017. Die Einzelausgabe mit vielen anderen Beiträgen ist bestellbar unter: abo(at)lonam(.)de

Texteschreiber und Fotomacher. Freier Journalist. Kunst und Kultur, weil sie Grenzüberschreitungen ermöglichen. Studium der Regionalstudien Asien/Afrika (B.A.) und Afrikawissenschaften (M.A.) mit Ostafrika-Schwerpunkt an der Humboldt-Universität zu Berlin und der University of Nairobi.