Verbrannt, verhaftet, abgeschoben

Verbrannt, verhaftet, abgeschoben

0 156

In seinem Einsatz gegen die neokoloniale Währung Franc CFA tritt Kémi Séba vielen internationalen Drahtziehern auf die Füße. Der panafrikanische Aktivist wurde Anfang September von Senegal nach Frankreich abgeschoben – ohne Angabe von Gründen.

Er ist längst zur Gallionsfigur der frankophonen afrikanischen Jugend geworden: Stélio Gilles Robert Capo Chichi, besser bekannt als Kémi Séba, Präsident der NGO Urgences Panafricanistes. In den vergangenen Monaten schaffte es die Organisation, weltweit tausende Menschen zu mobilisieren, um für Souveränität der afrikanischen Bevölkerungen zu demonstrieren. Forderung Nummer eins ist dabei die Abschaffung der ehemaligen frankophonen Kolonialwährung Franc CFA (LoNam berichtete in Ausgabe 3/ 2017).

Ein einziger Schein dieser Währung brachte Kémi Séba Ende August ins Gefängnis von Dakar. Bei einer Versammlung „gegen die Françafrique1“ am 19. August in der senegalesischen Hauptstadt verbrannte er öffentlich einen 5.000 FCFA-Schein. Daraufhin zeigte ihn die Westafrikanische Zentralbank (BCEAO) an. Er wurde allerdings nach wenigen Tagen freigesprochen, da das Gesetz lediglich die Verbrennung von Geldscheinen (im Plural) als strafbar bestimmt – nicht aber die eines einzelnen Scheins.

Der senegalesischen Regierung wurde die Präsenz und Popularität des Aktivisten anscheinend dennoch zu heikel: Ohne offizielle Angabe von Gründen schob sie den Franko-Beniner Anfang September nach Frankreich ab. Die Abschiebungserklärung wurde ihm am Mittwoch, 6. September, gegen 14 Uhr. Nur wenige Stunden später saß er im Flugzeug nach Paris. Seine Frau und Kinder musste Séba in Senegal zurücklassen, wo er seit 2011 gelebt hatte. „Ich habe mich gefühlt wie eine der Personen, die in Gorée ihren Familien entrissen und nach Frankreich transportiert wurden“, erklärt der Aktivist rückblickend und erinnert damit an die Geschichte der senegalesischen Insel, von der aus Sklaven im 18. und 19. Jahrhundert verschifft wurden. Seine eigene „Deportation“ empfindet Séba als ähnliche Handlung.

Auch von anderer Seite wird die Abschiebung des Aktivisten scharf verurteilt: Die Afrikanische Versammlung zur Verteidigung der Menschenrechte, die senegalesische Menschenrechtsliga und Amnesty International Senegal erklärten in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die Abschiebung Kémi Sébas sei „eine vollkommen willkürliche Prozedur, die gegen das Widerspruchs von Personen verstößt, die des Landes verwiesen werden.“

Thiat, Führer der senegalesischen Jugendbewegung „Y en a marre“, äußerte die Vermutung, dass Macky Sall auf Anfrage der französischen Regierung abgeschoben habe und sprach von Senegal als Land der „Terra non grata“.

Die zunehmenden Repressalien gegen ihn und seine Bewegung halten Séba keineswegs davon ab, den französischen Neokolonialismus weiter öffentlich anzuprangern. Am 16. September gab er wieder eine Kundgebung vor jubelndem Publikum in Paris und brüllte seine Slogans in die Menge: „Tod der Françafrique! Tod dem Franc CFA!“

Ronja Sommerfeld

1 Mit „Françafrique“, übersetzt in etwa „Französisch-Afrika“, ist in der Regel die Beziehung zwischen Frankreich und seinen ehemaligen Kolonien gemeint.

Ähnliche Beiträge