Äthiopien und Eritrea: Droht ein neuer Krieg?

Äthiopien und Eritrea: Droht ein neuer Krieg?

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Ein äthiopischer Panzer (Symbolbild) © AMISOM Public Information, Wikimedia Commons, CC0 1.0 (Public Domain)

Droht zwischen Äthiopien und Eritrea ein Krieg? Zuletzt jedenfalls hatte die Rhetorik zwischen beiden Staaten scharfe Töne angenommen. So verkündete Äthiopien Anfang September, es wolle die 1993 vollzogene Abspaltung Eritreas wieder rückgängig machen. Doch worum geht es eigentlich genau?

Der Binnenstaat Äthiopien wickelt seinen Außenhandel vor allem über den Hafen von Dschibuti ab. Dafür muss Äthiopien aber jährlich eine Gebühr von 2 Milliarden US-Dollar zahlen. Eine Summe, die anscheinend das Wirtschaftswachstum einschränkt. Daher hat sich die äthiopische Regierung auf die Suche nach anderen Häfen begeben. Sie wurde fündig: Die von Somalia abtrünnige Region Somaliland räumte ihr einen Pachtvertrag für den Hafen Berbera ein. Das ist für Äthiopien aber offenbar nicht genug und es strebt nun danach, auch den zu Eritrea gehörenden Hafen Assab zu kontrollieren. Assab liegt lediglich rund 70 Kilometer von der Grenze zu Äthiopien entfernt. Eritrea fürchtet nun um seine Unabhängigkeit beziehungsweise um die Integrität seines Staatsgebietes.

Besäße Äthiopien die Kontrolle über die Häfen Berbera und Assab, könnte es sich an der Meerenge von Bab al-Mandab festsetzen. Über sie verläuft der kürzeste Seeweg von Westeuropa nach Ostasien und zum erdölreichen Persischen Golf. Ein äthiopischer Zugriff auf diese Meeresstraße wird von Ägypten als Bedrohung aufgefasst: Äthiopien könnte sie bei Bedarf sperren, so dass auch der Schiffsverkehr auf dem Suez-Kanal zum Erliegen käme. Damit verlöre das Land am Nil wichtige Transiteinnahmen. Daher ist Ägypten auch ein Verbündeter Eritreas.

Expert*innen gehen davon aus, dass Äthiopien Eritrea nicht angreifen wird: Die äthiopische Armee ist derzeit in den Regionen Tigray, Amhara und Oromia in Auseinandersetzungen mit Rebellen verwickelt. Daher stehen keine militärischen Kapazitäten für einen Angriff auf Assab zur Verfügung. Und in der Tat erklärte Äthiopiens Regierung, die Frage des Meereszugangs über Assab ließe sich auch friedlich lösen.

Aleksandar Abramović