Die Ordnung der beschämend Vorsichtigen – Ein Kommentar
Die US-Militärintervention in Venezuela Anfang 2026 war eine Offenbarung. Ein souveräner Staat wird militärisch angegriffen, „legitimiert“ allein durch Sicherheits- und Rohstoffargumente. Washington hat damit ausgeführt, was der Westen lange nur implizit praktizierte: Macht schlägt Recht, wenn strategische Ressourcen im Spiel sind.
Die deutsche Reaktion ist dabei besonders aufschlussreich.Statt den Bruch des Völkerrechtes klar zu benennen, verliert sich Berlin in juristischen Abwägungen und demütigender Bündnistreue. Das ist keine Diplomatie, sondern ein stilles Eingeständnis eigener Ohnmacht. Gleichzeitig bereitet Deutschland längst die eigene sicherheitspolitische Anschlussfähigkeit vor. Unter Begriffen wie „Freiheit der Seewege“ oder „Resilienz kritischer Lieferketten“ wird jene Machtprojektion legitimiert, die man bei anderen beklagt.
Für den Globalen Süden bestätigt sich damit eine alte Erfahrung: Das Völkerrecht gilt vor allem für jene, die keine militärischen Optionen besitzen. Für Afrika ist eine Eskalation wie die um Venezuela keine entfernte Episode, sondern ein vertrautes Muster.Der Kontinent gilt im Westen seit Jahrzehnten als Rohstofflager mit Flagge, dessen Souveränität konditional verwaltet wird. Wer über Öl, Gas, Metalle oder seltene Erden verfügt, aber keine Durchsetzungsmacht besitzt, wird zum Objekt globaler Ordnungspolitik. Die Ereignisse in Venezuela bestätigen, dass dieses Prinzip keineswegs überwunden ist – es wird nur situativ aktiviert.
Die Lehre für Afrika ist ernüchternd, aber notwendig. Internationale Normen schützen nur, solange sie nicht selektiv interpretiert werden. Wo das Recht zur Verhandlungsmasse wird, ersetzt Macht die Moral. Die Weltordnung zerbricht nicht an ihren Gegnern, sondern an der Feigheit ihrer Verwalter. Wer im entscheidenden Moment schweigt, verliert nicht nur Glaubwürdigkeit – sondern Relevanz.
Kiflemariam Gebre Wold



