Die Welt bewegen – Kommunen setzen auf Arbeit mit Migratenorganisationen

Die Welt bewegen – Kommunen setzen auf Arbeit mit Migratenorganisationen

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Immer mehr Stadtverwaltungen treten ganz bewusst in Kooperation mit lokalen Migrantenorganisationen. Die besten Kollaborationen wurden in Köln ausgezeichnet!

Foto: Engagement Global/ Tobias Vollmer

Die hessische Stadt Marburg und der Bezirk Berlin-Mitte sind die diesjährigen Gewinner des Wettbewerbs Kommune bewegt Welt, der das gemeinschaftliche Engagement von Kommunen und zivilgesellschaftlichen, insbesondere migrantischen Organisationen, würdigt.

Elfi Scho-Antwerpes, Kölner Bürgermeisterin und Mitglied des Bundestages eröffnete die feierliche Preisverleihung im Kölner Rathaus, die Stadt ist die Gewinner-Kommune von 2014: „Wir müssen es als unsere Aufgabe begreifen, den Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung zu verdeutlichen und gute Beispiele bereitstellen, die zeigen, dass damit positiv zur Veränderung beigetragen werden kann. Genau das macht dieser Wettbewerb.“

Der Wettbewerb Kommune bewegt Welt wird alle zwei Jahre durchgeführt. Er ist ein Wettbewerb von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durchgeführt von ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.

Die ersten Plätze in den beiden Kategorien für Kommunen von 20.000 bis 100.000 sowie über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern belegten Marburg und Berlin-Mitte. Sie erhielten jeweils 20.000 Euro. Auf die zweiten Plätze kamen Schwerin und München, die sich über jeweils 15.000 Euro freuen konnten. Die mit 10.000 Euro dotierten dritten Plätze gingen an Schweinfurt und Dortmund. Insgesamt acht Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erhielten einen Engagementpreis.

Schirmherr des Wettbewerbs ist Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, der im Vorfeld der Preisverleihung das hohe zivilgesellschaftliche Engagement in den Städten und Gemeinden hervorhob: „In der Entwicklungszusammenarbeit brauchen wir die aktive Mitarbeit der Menschen in den Kommunen. Viele Menschen engagieren sich; in Vereinen und Projekten, in Deutschland oder weltweit. So lernen wir voneinander, lernen einander besser kennen. Gerade die vielen Menschen mit Migrationshintergrund können hier Brücken bauen. Es geht darum, die Eine Welt, unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten. Auch die Preisträger in diesem Jahr zeigen, welche herausragenden Beispiele es dafür gibt“.

Ministerialdirektor Gunther Beger vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, überreichte die Urkunden an die Gewinnerinnen und Gewinner. Die Vorsitzenden der unabhängigen Jury, Dilnaz Alhan und Saliou Gueye, überreichten symbolisch die Schecks.
Zu den ausgezeichneten Projekten der Stadt Schweinfurt gehörte zum Beispiel das Taschen-Projekt der Interkulturellen Maß- und Änderungsschneiderei Interkult e.V.. Bei diesem Projekt stellen Scheider_innen unter anderem aus Afghanistan und Äthiopien aus alten Kaffeeverpackungen neue Taschen her.

Foto: Afrika Medien Zentrum
Foto: Afrika Medien Zentrum

Der Stadtteil Berlin-Mitte überzeugte dagegen mit seinem breit gefächerten Engagement in den Bereichen Dekolonialismus, Antidiskriminierung und interkulturellen Austausch. Besonders hervorzuheben sind dabei das jährlich stattfindende KENAKO Afrika Festival und das Projekt Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel. Beide Projekte tragen auf unterschiedliche Art und Weise dazu bei afrikanische und Schwarze Perspektiven in den Vordergrund zu rücken. Das bildungspolitische Programm des KENAKO Festivals mit zahlreichen Diskussionen, Workshops, Mitmachangeboten und Ausstellungen trägt in Berlin beispiellos zu einem differenzierten Afrikabild bei. Es wird jährlich von mehreren zehntausend Menschen besucht. Stephan Winkelhöfer, Integrationsbeauftragter des Bezirks, betonte, Migrantenselbstorganisationen verfügten über spezielle Kompetenzen, die der städtischen Verwaltung fehle, weswegen es besonders wichtig sei diese Akteure aktiv in politische Prozesse einzubinden. Für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der afrikanischen Community erhielt Berlin-Mitte den 1. Preis in der Kategorie Kommunen über 100.000 Einwohner.

Dr. Jens Kreuter, Geschäftsführer von Engagement Global, gratulierte den Gewinnerinnen und Gewinnern und hob in seiner Rede die Relevanz von entwicklungspolitischem Engagement insbesondere mit Blick auf die Agenda 2030 hervor: „Zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene sind die Kommunen besonders gefragt. Dafür brauchen sie die Expertise der Zivilgesellschaft und somit auch der migrantischen Akteurinnen und Akteure.“

Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung durch den Chor des Projektes music4everybody! e.V. mit Stücken aus dem Musical „Zwischen den Welten“, die für Gänsehaut sorgten.