Digitale Fesseln: Chinas kühle Evolution der Macht in Afrika – Ein Kommentar

Digitale Fesseln: Chinas kühle Evolution der Macht in Afrika – Ein Kommentar

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Dateninfrastruktur in Afrika (Symbolbild) © Brett Sayles, Pexels

Die Kulisse hat sich gewandelt. Wo vor kurzem noch monumentale Infrastrukturprojekte chinesische Dominanz markierten, dominieren heute kühle Serverräume und Lithium-Raffinerien. Der „Kreditrausch“ ist vorbei; Peking agiert nicht mehr als spendabler Partner, sondern als nervöse Geschäftsbank. Seit das Kreditvolumen von 28 Milliarden auf magere zwei Milliarden US-Dollar abstürzte, ist die „Win-Win“-Rhetorik der harten Realität der Schuldeneintreibung gewichen.

Unter dem Label „Small and Beautiful“ treibt Xi Jinping jetzt eine weitaus gefährlichere Form der Abhängigkeit voran. Huawei und ZTE verlegen die Glasfaserkabel und Cloud-Rechenzentren – das digitale Rückgrat Afrikas. Wer die Datenströme kontrolliert, kontrolliert die nationale Souveränität. Es ist eine lautlose Unterwerfung: Infrastruktur wird gegen Daten getauscht, Hardware gegen Loyalität.

Auch im Rohstoffsektor hat China dazugelernt. Statt bloßer Erze werden nun Raffinerien in Simbabwe oder Namibia betrieben. Doch der scheinbare Fortschritt für die lokale Industrie ist eine strategische Finte. Die schmutzige Vorverarbeitung bleibt auf dem Kontinent, während die Hochtechnologie der Batterieproduktion und die damit verbundene Marge fest in chinesischer Hand bleiben. Es ist die Modernisierung der Ausbeutung, optimiert für das 21. Jahrhundert.

Das brisanteste Exportprodukt ist jedoch ideologischer Natur. In Institutionen wie der Nyerere Leadership School in Tansania wird die „Software“ der Macht geschult: Parteidisziplin, Propagandamanagement und die Verschmelzung von Staat- und Parteiapparat. China bietet afrikanischen Eliten ein Modell, das rasantes Wachstum ohne demokratische „Störfaktoren“ verspricht.

Die Zeit der naiven Baugeschenke ist abgelaufen. Peking verfolgt heute eine stringente Machtstrategie, die auf digitale Abhängigkeit und ideologischen Gleichschritt setzt. Ohne einen panafrikanischen Kraftakt, der eigene Interessen verteidigt, droht der Kontinent, in ein neues Wertschöpfungsdiktat zu geraten, aus dem es kein einfaches Entkommen gibt.

Kiflemariam Gebre Wold