Gemeinsam Erinnerung gestalten: Think Tank Reihe „Dekoloniale visionen“ gestartet

Gemeinsam Erinnerung gestalten: Think Tank Reihe „Dekoloniale [Re]visionen“ gestartet

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Am vergangenen Wochenende nahm das neue Projekt „Dekoloniale“ den 136. Jahrestag der Berliner Afrikakonferenz, an deren Schauplatz sich seit vergangenem Herbst das Projektbüro befindet (wir berichteten im Magazin) zum Anlass, den Startschuss zu einer Think Tank Reihe mit dem Titel »Dekoloniale [Re]visionen« zu geben. In einem live gestreamten Event sprachen Andreas Nachama, Direktor a.D. von »Topographie des Terrors«, und Petra Rosenberg, Vorstandsfrau der »Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn« mit Mohamed Amjahid, Tayo Awosusi-Onutor, Saboura Naqshband, Gil Shohat, Kimiko Suda sowie Vertreter:innen von PAD*-Selbstorganisationen und Vertreter:innen der asiatischen, jüdischen, muslimischen und der Sinti*zze und Rom*nja Communities. Eingeladen waren außerdem weitere Repräsentant:innen von Kulturinstitutionen und engagierte Einzelpersonen in Berlin, die sich mit dem Thema einer (de)kolonialen Erinnerungskultur und spezifischer mit der Frage nach angemessenen (de)kolonialen erinnerungskulturellen Orten beschäftigen. Denn darum geht es dem Projekt u.a., die möglichen Rollen von (de-)zentralen Denkmälern, Gedenk-, Dokumentations-, Lern- und/oder Erinnerungsorten für die Aufarbeitung kolonialen Unrechts nachzudenken, und im Gespräch darüber mögliche Umsetzungen zu eruieren.

Seit über einem Jahrzehnt fordern afro-diasporische Organisationen, die sich im Komitee für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals in Berlin (KADIB) zusammengeschlossen haben, dass am historischen Ort der Afrika-Konferenz von 1884/85 in der Wilhelmstraße ein Ort der Erinnerung an die Opfer von Versklavung, Menschenhandel, Kolonialismus und rassistischer Gewalt geschaffen wird. Deutscher Kolonialismus fand aber auch in Asien und Ozeanien statt. „Welche Rolle spielt das koloniale Ent/Erinnern bei ihnen? Der Ort liegt direkt neben dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Was bedeutet diese räumliche Nähe für uns und was für die jüdischen Communities in Berlin?“, fragen die Organisator:innen unter anderem.
Die Reihe »Dekoloniale [Re]visionen« soll dementsprechend eine Serie von Denkwerkstätten und Ideenlaboren sein, bei denen die Initiator:innen das Gespräch mit Vertreter*innen der afrodeutschen und afro-diasporischen Communities, aber ebenso auch das Gespräch mit Vertreter:innen der asiatischen Communities suchen. In Berlin soll/en so ein oder mehrere Ort/e entstehen, die das Anliegen von Dekoloniale umsetzen.

Die Think Tanks der Reihe werden divers besetzte Gesprächs- und Arbeitsformate wie Lectures, Panels, Fish Bowls oder Open Spaces beinhalten, um grundsätzliche Fragen nach dem Zweck, den Adressat*innen und Nutzer*innen von Denkmälern und Erinnerungsorten zu stellen: Welche Praktiken verbinden sich mit der Geschichte des Kolonialismus und welche Formen der Erinnerung ergeben sich daraus? Welche Rolle kann der historische (Täter-)Ort für ein Gedenken an Opfer spielen? Was lässt sich aus Erfahrungen mit dem Gedenken an den Nationalsozialismus, aber auch aus Erinnerungskulturen in den USA, der Karibik, dem südlichen Afrika und anderen Kontexten für die Berliner Debatte um einen postkolonialen Erinnerungsort ableiten? Was ist die richtige Metapher für das Unterfangen: Die Konzentrischen Kreise? Das Rhizom? Die Waage zwischen Fokussierung und multidirektionalem Erinnern? Konkret: Was sollte/n es für (ein) Ort/e sein – wo situiert, wie gestaltet und aufgebaut, welche Temporalitäten, Perspektiven und Aktivitäten sollten im Vordergrund stehen? Es geht um Spezifisches und Geteiltes, um Wahlverwandtschaften und Solidaritäten.

Wer den Auftakt verpasst hat, sich aber gerne mit eigenen Ansichten und Ideen beteiligen möchte, kann bei den kommenden Veranstaltungen von »Dekoloniale [Re]visionen« mit einsteigen. Die vierteljährlich stattfindenden Veranstaltungen sollen durch den Berliner Stadtraum rotieren und Community-Vertreter:innen, internationale Expert:innen sowie Entscheidungsträger:innen und Repräsentant:innen der Verwaltung einbeziehen. Wir informieren Euch über die Termine selbstverständlich im Veranstaltungskalender der LoNam und auf unseren Social Media Kanälen. Abonniert uns doch einfach mal… 😉

J.B.