Afrikanisches Kino begeistert Deutschland

Afrikanisches Kino begeistert Deutschland

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Afrika Film Festival geht zu Ende. Tunesischer Doppelsieg beim Publikumspreis.

Mit einer spektakulären „Zugabe“, der NRW-Premiere des Films MALI-BLUES in Kooperation mit dem
Kölner Verleih Realfiction, ging das 14. Afrika Film Festival am 27. September, zu Ende. Der große Saal
des Odeon Kinos war schon lange vor Veranstaltungsbeginn ausverkauft, so dass Dutzende Interessierte
auf den Kinostart des Films ab dem 29. September (in der Filmpalette) vertröstet werden mussten.
Regisseur Lutz Gregor persönlich präsentierte seinen Dokumentarfilm über malische Musiker_innen, die
mit Konzerten gegen die Ideologie der islamistischen Fundamentalisten angehen, die 2012 den Norden
des Landes rund um Timbuktu besetzten und Musikinstrumente verbieten ließen. Mehrere der
Protagonisten konnten mit Hilfe der malischen Botschaft zur Filmpremiere nach Köln eingeladen werden,
darunter der Tuarek-Sänger Amanar mit seiner Band und der Rapper Master Soumy. Sie traten nach dem
Film zu einem Überraschungskonzert auf die Bühne und verwandelten das überfüllte Odeon-Kino in kurzer
Zeit in einen Tanzsaal. Am Schluss gab es begeisterten Applaus für den Film und die Musiker.

Auch bei der offiziellen Abschlussfeier des 14. Afrika Film Festivals am Sonntag, den 25. September, im
Filmforum im Museum Ludwig, gab es einen unerwarteten Live-Auftritt, da die im Programm angekündigte
Rapperin AWA aus Simbabwe noch ihren Kollegen Cal_Vin mitgebracht hatte, einen der populärsten
Musiker ihres Landes. Umrahmt von den Auftritten der beiden Jungstars aus Simbabwe baten die
OrganisatorInnen von FilmInitiativ noch einmal alle anwesenden Regisseur_innen auf die Bühne und
bedankten sich bei allen, die das von mehreren Tausend Zuschauer_innen besuchte Festival ermöglicht und
bei dessen Durchführung mitgeholfen hatten.

Für die Gäste ergriff der kongolesische Regisseur Zeka Laplaine, der zuvor schon mehrfach in Köln zu
Gast gewesen war, das Mikrophon zu einer ironischen Danksagung, die zu großer Erheiterung im Saal
führte. Er sagte, die Gäste seien zwar leider nicht mit Glitzerkarossen vom Bahnhof abgeholt und in Luxus-Hotels untergebracht worden, hätten in die Kino laufen müssen und nicht über rote Teppiche schreiten können. Aber dennoch „liebe er das Festival“ („I still love this place!“).
Die algerisch-französische Regisseurin Fatima Sissani betonte in ihrem Schlusswort die Bedeutung des
Festivalschwerpunkts „Sisters in African Cinema“ und bedankte sich bei den Organisator_innen und beim
Publikum für das große Interesse und die rege Beteiligung an den ausführlichen Filmgesprächen.

Publikumspreise: Tunesischer Doppelerfolg

Die Publikumspreise für den besten Spielfilm (gestiftete von der Zeitschrift choices) und die beste
Dokumentation (gestiftet vom WDR) gingen in diesem Jahr beide nach Tunesien. So benotete das
Publikum den Spielfilm À PEINE J’OUVRE LES YEUX (KAUM ÖFFNE ICH DIE AUGEN), den Leyla
Bouzid zur Eröffnung des Festivals im Köln vorgestellt hatte, mit Abstand am besten. Er erzählt von einer Rocksängerin in Zeiten der Ben Ali-Diktatur, die wegen ihrer kritischen Texte in die Fänge der
Geheimpolizei gerät. Der Film kommt auch hierzulande ab dem 6. Oktober ins Kino. Die bereits abgereiste
Regisseurin bedankte sich per Mail und wertete den Preis als Zeichen dafür, dass die von der Sängerin
repräsentierte Stimme der Opposition gehört werde und nicht zum Schweigen gebracht werden könne.

Die Filmemacherin Feriel Ben Mahmoud konnte ihren Preis für die Dokumentation LA RÉVOLUTION
DES FEMMES: UN SIÈCLE DE FEMINISME ARABE persönlich entgegen nehmen. Der Film über die
Geschichte der arabischen Frauenbewegungen war schon bei seiner Präsentation im gut besetzten
Filmforum gefeiert und ausführlich diskutiert worden. Jutta Krug von der WDR-Dokumentarfilmredaktion,
die den Preis übergab, sagte, dass damit auch die Arbeit aller anderen Filmemacherinnen gewürdigt
werde, deren herausragende Filme den Festivalschwerpunkt Sisters in African Cinema geprägt hätten.