Afrikas „grüne Mauer“ – Vision eines Weltwunders

Afrikas „grüne Mauer“ – Vision eines Weltwunders

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Die „Great Green Wall“ ist das derzeit ambitionierteste Projekt der Afrikanischen Union gegen die Folgen des Klimawandels. Noch sind die Erfolge mäßig, aber die „grüne Mauer“ hat Potenzial.

Foto: Green fields and desert-Dale GIllar/ flickr, CC by 2.0

Viele zivilgesellschaftliche Projekte und Initiativen tragen zum Umweltschutz auf dem afrikanischen Kontinent bei. Zuweilen entstehen ganze Bewegungen, indem die Ideen einer solchen Initiative andernorts Bürger_innen zur Nachahmung anregen. Zusätzlich zu diesen Entwicklungen „von unten“ gibt es jedoch auch Gestaltungs- und Koordinationsversuche „von oben“. Gerade beim Thema Klimawandel ist derartige Umweltpolitik oft notwendigerweise länderübergreifend, so auch „the Great Green Wall“ oder „la Grande Muraille Verte“.

Diese grüne Mauer soll sich einst „von Dakar bis Djibouti“, also von West- bis Ostküste, entlang der Nordgrenze des Sahels erstrecken und die Sahara daran hindern, sich noch mehr auszubreiten. Ihr „Baustoff“ sind Bäume – nicht dicht an dicht wie bei einer Hecke, aber doch dicht genug, um für ein feuchteres Klima zu sorgen. Ursprünglich eine Idee des ehemaligen nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo, wurde sie 2007 offiziell von der Afrikanischen Union beschlossen (Deklaration 137 VIII). Damit sind auch deren Mitgliedsstaaten aufgefordert, in dieser Hinsicht aktiv zu werden. So gibt es seit 2010 die gemeinsame Agentur Great Green Wall Agency, der unmittelbar betroffenen Länder Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad, Sudan, Äthiopien, Eritrea und Djibouti.

Selbstverständlich hat auch dieses große Projekt Vorläufer „von oben“ und „von unten“: So betrieb seinerzeit schon Thomas Sankara Baumpflanzungsprojekte, stieß die Kenianerin Wangari Maathai in Ostafrika das Green Belt Movement (Grüngürtelbewegung) an und bewies der burkinische Landwirt Yacouba Sawadogo ein für alle Mal, dass selbst dürres Land wieder fruchtbar gemacht werden kann, wenn man Bäume pflanzt und wachsen lässt. Auch die Globale Umweltfazilität – zusammen mit der Weltbank wichtigste Geldgeberin der grünen Mauer – kann aus früheren Projekten Erfolge mit dieser Methode aufweisen.

Doch wie steht es um die bisherigen Erfolge der grünen Mauer selbst? Nun, die Antwort fällt gemischt aus: Einige der betroffenen Staaten sind entweder insgesamt instabil oder sind es zumindest in der betroffenen Region – wie etwa Nigeria, wo die Mauer den Nordteil durchzieht. Entsprechend wenig ist dort bisher von der grünen Mauer zu sehen. Dagegen wurde die Initiative in anderen Ländern in tatsächliches nationales Engagement übersetzt. So wächst die grüne Mauer im Senegal Jahr für Jahr um ungefähr 5.000 Hektar.

Dort wirkt die Arbeit an der Mauer nicht nur gut organisiert, sondern enthält auch ein demokratisches Element: Bei der Auswahl der Baumarten richtet man sich einerseits nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, andererseits aber auch nach den Vorlieben der lokalen Bevölkerung. Diese darf ebenfalls mitreden, wenn es darum geht, welche Flächen bepflanzt und damit für einige Jahre unzugänglich werden. Außerdem stellt sie den Großteil der bezahlten Arbeiter_innen, ohne die das Projekt nicht realisierbar wäre. Dennoch hat auch der Staat Senegal noch einen weiten Weg vor sich, bis die anvisierten 340.000 Hektar effektiv bewaldet sind.

Was bleibt angesichts dieser eher mäßigen Erfolge von der Vision eines afrikanischen Weltwunders, das die Folgen des Klimawandels stark abmildern könnte? Zunächst ist die „grüne Mauer“ ein starkes Symbol, das schon Kinder intuitiv verstehen können: Wir bauen eine Mauer, die grün ist, weil sie aus Bäumen besteht. Diese Mauer schützt uns nicht nur vor der Ausbreitung der Wüste, sondern damit auch vor all dem, was daraus resultiert: Hunger, Arbeitslosigkeit und Konflikte. So wichtig und hilfreich staatliche Koordination bei der Verwirklichung dieser Vision sein mögen, so viel wichtiger wird es sein, dass auch zivilgesellschaftliche Projekte sich dieses Symbol zu Eigen machen.

Autor: Jonas Klee

Foto: Green fields and desert-Dale GIllar/ flickr, CC by 2.0

lonam-cover_april2016Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgabe 2/2016.
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