Afro-deutsche Künstlerinnen, Produzentinnen, Filmemacherinnen und Casts beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln

Afro-deutsche Künstlerinnen, Produzentinnen, Filmemacherinnen und Casts beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln

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Beim diesjährigen Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund|Köln werden auf vielfältige Weise Aspekte von Monokultur versus Diversität thematisiert. Unter anderem präsentieren auch einige aufstrebende afro-deutsche Künstlerinnen ihre Werke. Eine Auswahl der für uns besonders interessanten Beiträge stellen wir vor:

Motiv aus dem Dokumentarfilm "In Search..." von Beryl Magoko. (c) IFFF Dortmund | Köln

In Search… (DE 2018, R: Beryl Magoko)
Die Filmemacherin und Absolventin der Kunsthochschule für Medien Köln, Beryl Magoko, wuchs selbst in einem ländlichen Dorf in Kenia auf. Als junges Mädchen ertrug sie das Initiationsritual der Beschneidung ohne zu wissen, welche gravierenden Folgen das Female Genital Mutilation/Cutting (FGM/C) für ihr Leben haben wird. Viele Jahre später erfährt sie, dass es eine neue Operationsmethode gibt, die verspricht, das zurückzugeben, was damals verloren ging. In der autobiografischen Dokumentation „In Search…“ erforscht Beryl dieses persönliche wie politische Thema, indem sie mit anderen Frauen spricht, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Und sie konfrontiert mit erstaunlicher Offenheit ihre eigene Familie mit ihren Fragen. Eine authentische und emotionale Suche in das Innerste einer jungen Frau. Der Film erhielt bereits vier internationale Preise, darunter „Best Student Documentary“ (idfa Amsterdam) sowie der Publikumspreis „Leipziger Ring“ (Dok. Leipzig). Im Anschluss an den Film gibt es ein Gespräch in Anwesenheit der Filmemacherin.
Heute, 11.04., 20:00 Uhr, Kino im U, Dortmund, und Samstag, 13.04., 20 Uhr im NRW Filmforum im Museum Ludwig, Köln.

Khartoum Offside (Dokumentarfilm, SD/NO/DK 2019, 75’, R: Marwa Zein)
Pünktlich zum Anstoß der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019 präsentiert Marwa Zein mit ihrem Debut einen eindrucksvollen Dokumentarfilm über das sudanesische Frauenfußballteam – wenn der Verband es denn anerkennen würde. Die Spielerinnen dürfen weder bei ausländischen Meisterschaften ihr Land repräsentieren, noch eine heimische Liga gründen. Die Fifa gibt dem Fußballverband im Sudan zwar Geld für die Förderung des Frauenfußballs, aber es kommt nicht bei den Spielerinnen an. Wenn sie trainieren, müssen sie den Platz selbst bezahlen. Der Film wird von seinen starken Darsteller*innen getragen, die Patriarchat und islamischem Dogmatismus zum Trotz in kurzen Hosen und mit Baseballkappe auf dem staubigen Platz in einem Khartumer Vorort trainieren. Den Mut, welchen die in Saudi-Arabien geborene Filmemacherin aufgebracht hat, gleicht der Courage ihrer Fußballspielerinnen, die sich auch von Verhören und anderen Schikanen seitens der Regierung nicht einschüchtern lassen. Im Jahr der Frauenfußball-Weltmeisterschaft macht der Film deutlich, wie politisch der Sport ist, und wie viel Handlungsbedarf innerhalb des patriarchal geprägten Systems Fifa besteht. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Regisseurin Mara Zein statt.
Fr, 12.04., 18:30 Uhr im Deutschen Fußballmuseum, Dortmund

Up in Arms (Performance)
Das Festival hat eine kuratorische Carte Blanche an die in London und Istanbul lebende Künstlerin Noor Afshan Mirza vergeben um einen internationalen Blick zu schaffen, der nicht von Deutschland aus gerichtet wird. Mirza forscht zur britischen Hiphop- und Grime-Szene und der Bedeutung weiblicher MCs wie Lady Leshurr. Musik, Poesie und Rap als Wissensproduktion und -vermittlung haben ihre Wurzeln in der afrikanischen Kultur der 0ralität, welche allerdings durch rassistische Ideologien dem westlichen Wissenschaftsmodell untergeordnet ist. Wie der institutionalisierte Rassismus noch immer den Alltag prägt, davon handelt die interdisziplinäre Performance „UP IN ARMS“ von Anna-Maria Nabirye und Annie Saunders.  Mit Ritualen, experimentellen Formen des Theatermachens und dem Medium der Fotografie stellen sie das berühmte Bild von Dorothy Pitman-Hughes und Gloria Steinem mit erhobener Faust nach, das der Fotograf Dan Wynn 1971 für das Esquire Magazine aufgenommen hat. Die Rekonstruktion dieses Bildes wirkt wie ein Ritual, um Raum für unbequeme, herausfordernde, transformative Gespräche zu schaffen, die von den Künstler*innen geleitet werden. „Wir stellen uns der Herausforderung dieses Gesprächs und hoffen, dass Sie sich uns anschließen. Wir lernen viel und freuen uns, diese neue Arbeit mit Ihnen zu teilen“.
Sa 13.04., 16.00 Uhr, Kino im U, Dortmund

Auf den zweiten Blick (Spielfilm, D 2011, 92’, R: Sheri Hagen)
Das diesjährige Jurymitglied, die Schauspielerin und Regisseurin Sheri Hagen, stellt ihr eigenes Regiedebüt vor. In dieser liebevollen romantischen Komödie geht es um Blindheit nicht nur im wort-wörtlichen Sinne, sondern auch im übertragenen: dass die Hauptdarsteller schwarz sind, fällt einem erst ‘auf den zweiten Blick’ auf.
Sheri Hagen ist auch Aktivistin für die Sichtbarkeit und Teilhabe von afro-deutschen Künstler*innen, und „Auf den zweiten Blick“ gilt als einer der ersten deutschen Filme mit überwiegend afro-deutschem Cast. Dass deutsche (post-)koloniale Geschichte in der Filmindustrie kaum thematisiert wird, zeigt sich an der Tatsache, dass Hagen den Film durch Crowdfunding selber produzieren musste. Was hat sich seitdem verändert? Dieser Frage wird in einem anschließenden Gesprräch mit der Filmemacherin nachgegangen.
Sa 13. April, 14 Uhr, Kino im U, Dortmund

IFFF Dortmund | Köln; J.B.