Ein Telefonat, das es niemals gab

Ein Telefonat, das es niemals gab

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Ein Telefonat, das offenbar nie stattfand, und Nigerias Haltung zur West-Sahara sorgen zwischen Nigeria und Marokko für diplomatische Unruhen – bis hin zum Abzug des marokkanischen Botschafters aus Nigeria.

Ethisches Fehlverhalten wirft das marokkanische Außenministerium der Regierung Nigerias vor, nachdem sich das Gerücht verbreitet, Präsident Goodluck Jonathan habe ein Telefonat mit Marokkos König Mohammed VI geführt. In dem Gespräch soll es um einen Interessenaustausch im Hinblick auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Nigeria gegangen sein. Das marokkanische Ministerium zeigte sich entsetzt und behauptete, ein solches Gespräch habe niemals stattgefunden. Das nigerianische Ministerium dagegen versicherte weiterhin, dieses Gespräch sei keine Erfindung, der König habe während seines Parisaufenthaltes mit Präsident Jonathan gesprochen.

Nach dieser Streitigkeit veröffentlichte das marokkanische Ministerium ein Schreiben auf seiner Webseite, das nochmals endgültig die Aussagen des nigerianischen Ministeriums abstreitet. Es wird nachdrücklich betont, diese Konversation habe nie stattgefunden.

Vermutet wird von Seiten der marokkanischen Regierung, dass sich die nigerianische Regierungseinheit und Präsident Jonathan Goodluck durch die Verbreitung des Gerüchts Sympathien der muslimischen Wählerschaft erhofften. Frei nach dem Motto: Der christliche Präsident kann so gut mit dem muslimischen König, den sollte auch die islamische Gemeinde Nigerias wählen.

Der darauf folgende Abzug des marokkanischen Botschafters aus Abuja, Nigeria, mag damit in Verbindung gebracht werden. Hauptgrund ist jedoch die feindliche Haltung Nigerias zu Marokko im Bezug auf die geopolitische Auseinandersetzung zwischen Marokko und Westsahara. Feindliche Haltung deswegen, weil Nigeria das von Marokko besetzte Westsahara als offiziellen Staat anerkennt. Ein weiterer Dorn im Auge sei die neutrale Haltung Nigerias im Palästina-Israel Disput 2014, so heißt es im marokkanischen Außenministerium. In diesem Konflikt hatte sich das nordafrikanische Land auf Seiten Palästinas positioniert – und dies ebenso von Nigeria erwartet.

Julien Vindal