Friedensnobelpreis: Ein Zeichen der Hoffnung

Friedensnobelpreis: Ein Zeichen der Hoffnung

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Das tunesische Quartett für den nationalen Dialog hat 2015 den Friedensnobelpreis erhalten. Für die Bevölkerung eine Bestätigung und Aufmunterung.

Foto: Von ProtoplasmaKid, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Das Quartett für den nationalen Dialog aus Tunesien erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis, gab das Nobelpreiskomitee bekannt. Dessen vielfältigen Bemühungen um eine pluralistische Demokratie und das Schaffen eines Wegs Richtung Frieden und Versöhnung seien hierfür ausschlaggebend gewesen. Der Preis sei eine begrüßenswerte Anerkennung der maßgeblichen Rolle der vier Organisationen, der tunesische Gewerkschaftsverband (UGTT), der Arbeitgeberverband (UTICA), die Menschenrechtsliga (LTDH) und die Anwaltskammer, die revolutionäre Leidenschaften für eine gerechtere Gesellschaft zu kanalisieren vermochten. Lange Zeit schien das nordafrikanische Land denselben Weg wie seine Nachbarländer Algerien und Libyen eingeschlagen zu haben, welche ebenfalls Aufstände während des Arabischen Frühlings erfuhren. Doch dem Quartett gelang es, einen alternativen und friedlichen Werdegang sowie ein verfassungsmäßiges Regierungssystem zu etablieren, das Menschenrechte und international anerkannte Normen achtet.

Das Quartett setzte sich während einer alarmierenden politischen Krise im Sommer 2013 erstmals zusammen. Als Folge der Ermordung zweier Oppositionspolitiker traten viele Abgeordnete des Parlaments zurück. Folglich brachten diese vier Organisationen oppositionelle Parteien an einen Verhandlungstisch und favorisierten den demokratischen Dialog.

In Tunesien, wo die arabischen Aufstände 2011 ihren Ursprung nahmen, konnten 2014 daraufhin Wahlen abgehalten und ein Konsens zwischen politischen und religiösen Instanzen gefunden werden. Dem Quartett für den nationalen Dialog sind diese Entwicklungen zu verdanken, lautete weiter die Begründung des Nobelkomitees, ferner konnte es die Errrungenschaften des Arabischen Frühlings garantieren und festigen.

Dass es im Land ruhig geblieben ist, als der Sturz der Regierung Ben Alis im Januar 2011 für starke Unruhen sorgte, ist nach solchen Umwälzungen eine Rarität. Das Engagement der Organisation soll als Vorbild in Sachen Zusammenkunft religiöser und sekularer Bestrebungen sowie dem Etablieren demokratischer Institutionen durch zivilgesellschaftliche Organisationen dienen.

Tunesien ist noch eine junge und unerfahrene Demokratie und daher derzeit mit vielen ökonomischen, politischen und strukturellen Herausforderungen konfrontiert, doch gewaltsame Auseinandersetzungen sind stark zurückgegangen. Der Friedensnobelpreis repräsentiert somit also die notwendige Hoffnungsbotschaft. Er weist darauf hin, dass Dialog und Kompromiss eine existenzfähige und infragekommende Option darstellen. Zugleich soll der mit etwa 850.000 Euro dotierte Preis die tunesische und bestenfalls auch die Bevölkerung der Nachbarstaaten zu weiteren kooperativen und friedensschaffenden Handlungen motivieren. Der Preis ist die Belohnung all jener, die ihr Leben für eine wahrhaftige Demokratie gefährdet haben. Es ist ein Zeichen in der politischen Kultur Nordafrikas, pessimistische Gedanken einer Zukunft ohne Frieden eventuell abzulegen.

Léa Glasmeyer

Foto: Von ProtoplasmaKid, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0