Gauck fordert Empathie zum Weltflüchtlingstag

Gauck fordert Empathie zum Weltflüchtlingstag

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Anlässlich des ersten nationalen Gedenktages für Opfer von Flucht und Vertreibung fanden sich am 20. Juni 2015 Regierungsvertreter_innen und Gäste im Deutschen Historischen Museum in Berlin ein. In seiner Rede appellierte Bundespräsident Gauck an die Großherzigkeit der Deutschen und schlug einen Bogen von den Vertriebenenschicksalen nach dem Zweiten Weltkrieg zur heutigen Situation.

(c) Henning Schacht

„Vor 70 Jahren hat ein armes und zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge zu integrieren vermocht,  warum sollte ein wirtschaftlich erfolgreiches und politisch stabiles Deutschland nicht fähig sein, in gegenwärtigen Herausforderungen die Chancen von morgen zu erkennen?“ Angesichts von beinahe 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, forderte Bundespräsident Gauck, „Offenheit für das Leid des Anderen“ zu zeigen, nur das führe zu Verständnis und Nähe. Am Ende des Zweiten Weltkriegs hätten zwölf bis 14 Millionen Deutsche durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren. Die Bevölkerung in beiden Teilen Deutschlands war dabei um beinahe 20 Prozent gewachsen. „Das sollten wir uns gerade heute wieder bewusst machen: Flucht und Vertreibung verändern nicht nur das Leben der Aufgenommenen, sondern auch das Leben der Aufnehmenden. Daran sollten wir auch heute denken, wenn in unserem Ort, in unserem Stadtteil oder in unserer Nachbarschaft Fremde einquartiert werden, die des Schutzes bedürfen.“ Gauck machte auch deutlich, dass für ihn die Rettung von Flüchtlingen vor dem Ertrinken im Mittelmeer nicht nur moralische Pflicht ist, sondern diese auch nicht verhandelbar sei. Gauck wünsche sich, dass die Erinnerung an die geflüchteten und vertrieben Menschen von damals unser Verständnis für geflüchtete und vertriebene Menschen von heute vertiefen könnte.

An der Gedenkfeier in Berlin nahmen außerdem  Bundesinnenminister Thomas de Maizière und der Präsident des Bundesrats, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier teil. Es sprachen auch Vertriebenen-Präsident Bernd Fabritius und Asma Abubaker Ali aus Nordafrika. Die Bundesregierung erklärte im vergangenen Jahr den 20. Juni zum Gedenktag für Flüchtlinge und Vertriebene. Er ist gleichzeitig auch Weltflüchtlingstag.

 

Foto: 50th Munich Security Conference 2014: Joachim Gauck: Joachim Gauck (Federal President, Federal Republic of Germany), during the opening session of the 50th MSC, von Tobias Kleinschmidt, Commons Wikimedia, CC BY 3.0 DE