Gedenkdemonstration für Oury Jalloh in Dessau – Demonstrant*innen erinnern an „15...

Gedenkdemonstration für Oury Jalloh in Dessau – Demonstrant*innen erinnern an „15 Jahre der Schande“

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Nun sind es schon 15 lange, zerrende Jahre, die vergangen sind seit dem brutalen Feuertod Oury Jallohs. Dieser verbrannte am 7. Januar 2005 in Polizeigewahrsam in Dessau-Roßlau. 1500 bis 2000 Leute gedachten ihm gestern an seinem 15. Todestag. Die Demonstant*innen fordern die sofortige Aufklärung des Falles, nachdem dieser im Oktober 2019 vom Oberlandesgericht Naumburg geschlossen wurde und eine gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung für Rassismus, Kolonialismus, Sozialdarwinismus und Macht(verteilung).

© AMZ

Um 13 Uhr sind es ungefähr 500 Menschen aus der ganzen BundesrepuIMG_0137 2blik, die sich auf dem Platz vor dem Dessauer Hauptbahnhof treffen, um gemeinsam zu demonstrieren. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh organisierte wie die letzten Jahre eine Gedenkdemonstration zum 15. Todestag Oury Jallohs. Hierfür wurden organisierte Busanreisen aus verschiedenen Städten angeboten. Die Demonstrierenden waren eine bunte Mischung aus Community, Allies und Antifas – auch viele Familien waren zu sehen. Die Bahn hatte zwar, genauso wie letztes Jahr, die Toiletten im Bahnhofsgebäude zugesperrt, dies konnte der Stimmung und der Bestimmtheit der Demonstrierenden aber nichts abtun: „Oury Jalloh – das war Mord!“

Es gab Redebeiträge von unter anderem „Die Urbane“ Mitglied Raphael Hillebrand, der darauf hinweist, dass es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung gibt, diesen Fall aufzuklären. Neben dem Freund und Mitbegründer der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh Mouctar Bah, sprach auch Saliou Diallo, der Bruder Oury Jallohs: „Eine Seele kann erst ruhen, wenn Gerechtigkeit da ist. Wir haben alle Beweise erbracht. Heute können wir uns nur die Frage stellen, wie wir Polizisten nennen wollen: Nazis, Rassisten oder Faschisten?“

Auch der politische Rapper Matondo aus Berlin war vor Ort und stimmte die Ankommenden ein. Um 14 Uhr startete der Demozug dann mit circa 1500 Leuten. Es sind emotionale Szenen als der Demozug vor dem Landesverfassungsgericht Sachsen- Anhalt stehen bleibt, um ihn anzuklagen: Wo bleibt das Recht in diesem Recht(s)staat? Wem steht es zu? Wem dient es? Und, wenn es denn kein Mord gewesen wäre, wäre der Fall dann nicht schon längst aufgeklärt?

82f28ae1-1ad3-4a26-8ae7-f1978c77937bAls er weiterzieht bleiben die gelben „Oury Jalloh – Das war Mord“ und Feuerzeug Plakate an den Türen zurück.

Nächstes Ziel ist jetzt der Stadtpark um am Alberto Adriano Denkmal Halt zu machen. Dieser wurde dort im Jahr 2000 von Rechtsradikalen angegriffen und getötet. An dieser Stelle wird auch Amed A. gedacht, der in 2018, ähnlich wie Oury Jalloh, in einer Polizeizelle in Kleve verbrannt ist.

Es war eine sehr friedliche Demonstration. Gestört wurde sie nur von vier Nazis, die die Demonstrant*innen vom Rande der Demo zu provozieren versuchten. Diese Situation konnte aber schnell von den Securities der Demonstration aufgelöst werden.

Gegen 18 Uhr versammeln sich die Demonstrierenden vor dem Polizeirevier, von welchem just die Türen von innen abgeschlossen wurden. Den Vorwürfen entziehen konnten sie sich dadurch aber nicht. Die Demonstrierenden schafften es, Schriftzüge wie „Mörder“ und „Das war Mord“ und „Mordhaus“ an die Fassade des Polizeireviers zu projizieren. Die Zelle Nr. 5 in der Oury Jalloh und vor ihm Mario Bichtemann (2002) so grausam getötet wurde, wird seitdem nicht mehr genutzt.

Oury Jalloh ist kein Einzelfall! Der Fall Oury Jallohs und die der anderen Opfer von Polizeigewalt verweisen auf eine zutiefst rassistische und sozialdarwinistische Tradition innerhalb der Institution, deren Strukturen nicht dazu dienen Opfer, sondern Täter zu schützen.

c3b372ff-98dc-43d7-9ad2-8806e668cbedRest in Power Halim Dener (1994), Kola Bankole (1994), Aamir Ageeb (1999), Ndeye Mareame Sarr (2001), Achidi John (2001), Laye Alama Conde (2005), Dominique Koumadio (2006), Dennis J. (2008), Christy Schwundeck (2011), Stanley Ubutor (2014), Yaya Jabbie (2016), Amos Thomas (2016), Hussam Fadl (2016), Mikael Halle (2017), Savaş Kabasakal (2018), Matiullah Jabarkhil (2018), Amad Ahmad (2018), Rooble Warsame (2019), William Tonou-Mbobda (2019), Adel B. (2019), Aman Alizada (2019). Die hier Genannten sind allesamt Todesopfer rassistischer Polizeigewalt.

Vergesst nicht, dass es in unserer Verantwortung liegt diese Opfer in Erinnerung zu behalten und für die unabhängige Aufklärung der Todesumstände zu kämpfen. After all it’s „touch one, touch all!“