Geld aus der Fremde

Geld aus der Fremde

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Sie gelten in der Regel als teuer – doch die wirtschaftliche Bedeutung internationaler Geldtransfers, insbesondere für afrikanische Länder, ist größer, als viele Menschen glauben.

Foto: Ruas de Arusha / Streets of Arusha von Feans, flickr, CC BY 2.0

Der Markt für internationale Geldtransfers in Afrika ist größer als oftmals angenommen. Mehr als 300 Milliarden US-Dollar sollen Schätzungen zufolge im Jahr 2012 weltweit durch private internationale Geldtransfers, zum Beispiel an Familien und Angehörige, überwiesen worden sein. Das übersteigt den Betrag der offiziellen Entwicklungshilfe um mehr als das Doppelte.
Genaue Zahlen sind kaum erhältlich, doch der Trend hält, auch bedingt durch die Zunahme der Migrationsbewegung, weiter an und wird sich in absehbarer Zeit eher noch verstärken.

Kleine Summen mit großer Wirkung
Meist handelt es sich bei diesen Überweisungen um kleinere Beträge, die von Freunden oder Familienmitgliedern, die in Deutschland oder einem anderen Industrieland leben, nach Hause geschickt werden. Die Gesamtsumme der Überweisungen steigt ständig an, weil zum einen die Anzahl der sogenannten Ex-Pats (Menschen mit Migrationshintergrund) ansteigt und sich zum anderen die ökonomische Situation in vielen afrikanischen Ländern verschlechtert hat und die Angehörigen in der Heimat auf die privaten Überweisungen angewiesen sind. Dies wird von vielen als effizienter als staatliche Entwicklungshilfe angesehen, da sie gezielt dorthin gehen, wo sie benötigt werden. Solche Überweisungen werden zum Beispiel genutzt, um für die Kinder das Schulgeld zu bezahlen, dringend benötigte Medizin zu kaufen oder einen Arzt aufzusuchen. Im Gegensatz dazu fließen staatliche Entwicklungshilfe oft in Prestigeprojekte, von der die Mehrheit der Bevölkerung oftmals keinen direkten Nutzen hat. Dazu kommt noch der Umstand, dass in vielen Entwicklungsländern eine starke Korruption herrscht und bedeutende Summen der offiziellen Entwicklungshilfe einfach verschwinden. Bei privaten Geldüberweisungen ist das im Gegensatz dazu kaum der Fall. Zudem kann häufig vereinbart werden, wer die Gebühren trägt und damit viel auch wirklich transferiert wird und ankommt.

Eine nicht immer problemfreie Lösung
Bei privaten Geldtransfers handelt es sich zumeist um kleinere Summen. Für solche geringen Beträge sind die Kosten unverhältnismäßig hoch und können bis zu 20 Prozent der gesendeten Summe ausmachen. Während internationale Hilfsgelder meist von einem Bankkonto zum anderen überwiesen werden, ist das bei privaten Geldtransfers oft nicht möglich, weil viele Menschen in der Heimat gar kein Bankkonto besitzen. Um Geld nach Hause zu schicken, nutzen viele Migranten deshalb Geldtransfer-Dienste, von denen es in der letzten Zeit immer mehr gibt. Um Geld mit diesen Diensten verschicken zu können, wird kein Bankkonto benötigt. Der Empfänger muss sich lediglich legitimieren können und die Codenummer der jeweiligen Transaktion kennen. Zudem steht der Geldbetrag dem Empfänger gewöhnlich innerhalb von Minuten zur Verfügung.

Wie sieht die zukünftige Entwicklung aus?
Auch in den afrikanischen Ländern verbreitet sich die Nutzung des Internets immer mehr. Deswegen bieten zunehmend mehr Anbieter wie Azimo die Möglichkeit an, Geld online zu überweisen. Das Geld wird vom Bankkonto des Absenders abgebucht und auf ein Konto des Dienstes im Empfängerland überwiesen. Der Empfänger kann es bei der Agentur abholen und bekommt es in bar ausgezahlt. Ein eigenes Bankkonto ist nicht notwendig. Die Gebühren bei einer Online-Überweisung sind erheblich geringer als bei einem Transfer in der Agentur. Allerdings steht das Geld erst nach ein bis zwei Tagen zur Verfügung. Hier sind vor allem auch mobile Angebote auf dem Vormarsch. Nicht zuletzt, weil Afrika nach Asien den weltweit zweitgrößten Prozentsatz an mobilen Internetusern hat.

Ein weiterer Trend sind Prepaid Kreditkarten, die weltweit genutzt werden können. Der Absender überweist einfach Geld von seinem Bankkonto auf die Karte, das der Empfänger in der Heimat am Geldautomaten oder in der Bank abholt. Dabei entstehen oft gar keine oder nur minimale Kosten, jedoch dauert es auch hier ein bis zwei Tage, bis man Zugriff auf das Geld hat.

 

Foto: Ruas de Arusha / Streets of Arusha von Feans, flickr, CC BY 2.0