GHANAISCHE FISCHEREIBEOBACHTER AUF CHINESISCHEN TRAWLERN IN GEFAHR

GHANAISCHE FISCHEREIBEOBACHTER AUF CHINESISCHEN TRAWLERN IN GEFAHR

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Ghanaische Fischereibeaboachter werden auf See bestochen, bedroht und misshandelt, so die Ergebnisse einer neuen EJF-Untersuchung. Diese Zustände ermöglichen zügellosen illegalen Fischfang auf Ghanas Meeren. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Sicherheit dieser Personen zu gewährleisten, um illegale Fischerei einzudämmen und damit die Lebensgrundlagen der Küstengemeinden sowie die Ernährungssicherheit des Landes zu sichern.

Zeugen berichten, dass ein „Klima der Angst“ unter den Beobachtern herrsche, die beauftragt werden, um illegale Fischerei in der größtenteils in chinesischem Besitz befindlichen Schleppnetzflotte in Ghana zu melden. „Wir haben sehr viel Angst. Sogar wenn man nur ein Foto schießt und der Kapitän dich sieht“, so die Aussage einer der Befragten. „Einmal ist mir so etwas passiert. Ich musste ihm sagen, dass ich mich nicht gut fühle und auf ein vorbeifahrendes Schiff wechseln wollte. Er wurde hellhörig und fuhr weiter aufs Meer hinaus, wo ich nicht hätte telefonieren können.“

„Das Wasser, das ich trinke, das Essen, das ich zu mir nehme, sogar, wo ich schlafe… Ich bin immer sehr, sehr vorsichtig.“
 Aussage eines befragten Beobachters

Die Befragten berichteten von gewalttätigen Vorfällen, wie zum Beispiel der Drohung eines Kapitäns, einen Fischereibeobachter mit einer Metallstange zu schlagen, als dieser versuchte Beweise für illegale Fischerei zu sichern. In einem anderen Fall drohte ein Kapitän einem der Männer mit einem Messer, als dieser zu verhindern versuchte, dass Jungfische auf See entsorgt werden.

Mehrere Männer verwiesen auf den Fall von Emmanuel Essien, der im Juli 2019 auf hoher See von einem sich in chinesischem Besitz befindlichen Schiff – Meng Xin 15 – verschwand. Seine Kollegen brachten ihren Unglauben darüber zum Ausdruck, dass er einfach über Bord gegangen sei, und hielten ein Verbrechen ernsthaft für möglich.

„SAIKO“ ZERSTÖRT MEERE UND EXISTENZEN

Eine besonders zerstörerische Form der illegalen Fischerei in Ghana ist als „Saiko“ bekannt. Industrielle Trawler fangen illegal kleine pelagische Fische, normalerweise der Hauptfang der regionalen Kanufischer, und verkaufen diesen Fang dann gewinnbringend an die die Küstengemeinden weiter. Obwohl sie unter ghanaischer Flagge fahren, zeigt eine EJF-Untersuchung, dass etwa 90% der industriellen Fischereiflotte Ghanas in chinesischem Besitz ist.

Aufzeichnungen zeigen auch, dass illegaler „Saiko“-Fisch auf der Fahrt, auf der Emmanuel verschwand, etwa die Hälfte des Fangs ausmachte. In seinem Bericht über das vorletzte Schiff, auf dem er arbeitete und das mutmaßlich in den Fang von zu kleinem Fisch und illegale Umladungen verwickelt war, schreibt Emmanuel: „Ich ersuche die Polizei inständig, weitere Ermittlungen anzustellen.“

ZWEITE VERWARNUNG FÜR GHANA

Im Juni 2021 erhielt Ghana als zweites Land überhaupt eine zweite gelbe Karte – eine formelle Verwarnung wegen illegalen Fischfangs, was zu einem Exportverbot für Fisch und Meeresfrüchte in die EU führen kann. Ghanas Gesetze wurden nach der ersten Verwarnung im Jahr 2013 erheblich verbessert, doch durch die Verfehlungen, diese Richtlinien auch umzusetzen und Schiffe, die dagegen verstoßen, strafrechtlich zu verfolgen, bleibt illegaler Fischfang in Ghana an der Tagesordnung.

„Wir sprechen die Probleme an, [aber] es gibt überhaupt keine Veränderung. Bis heute ist absolut nichts unternommen worden.“
– Zitat eines Fischereibeobachters

Auf ähnliche Weise geht auch der „Saiko“-Fischfang trotz einer Erklärung der Regierung aus dem November 2019, diese zu beenden, unkontrolliert weiter. Überwachungen im Hafen von Elmina in Ghana zeigen: Mit 1.300 „Saiko“-Anlandungen gelangten seit der staatlichen Ankündigung etwa 34.320 Tonnen illegaler Fisch nach Elmina. Die Fischereibeobachter selbst bestätigen ebenfalls, dass „Saiko“-Fischerei weiterhin in vollem Gange ist.

REFORMEN DRINGEND NOTWENDIG

Ghanas Fischerei steht am Rande des Zusammenbruchs. Eine effektive Überwachung und rechtliche Verfolgung der größtenteils in chinesischem Besitz befindlichen Schleppnetzflotte ist dringend erforderlich. Doch das Versagen der ghanaischen Regierung gegen die Gesetzlosigkeit und illegale Praktiken vorzugehen, hat dazu geführt, dass sich Fischereibeobachter in körperliche Gefahr begeben, um illegalen Fischfang zu melden und nicht einmal dann wird etwas unternommen.

Umgehende Reformen sind notwendig, um die Sicherheit von Fischereibeobachtern zu gewährleisten und illegale Praktiken in der Schleppnetzflotte zu beenden und so Ghanas Kleinfischerei vor dem drohenden Zusammenbruch zu retten.

„Die ghanaischen Behörden müssen unverzüglich und entschlossen handeln“, so Geschäftsführer (CEO) und Gründer der Environmental Justice Foundation Steve Trent. „Sie müssen die Drohungen und Bestechungen beenden und die Lohnstrukturen unter staatliche Kontrolle bringen. Sie müssen den zahlreichen Meldungen illegalen Fischfangs nachgehen und einen fairen und transparenten Prozess etablieren, um die Strafverfolgung, die Verurteilung und relevante, abschreckende Sanktionen sicherzustellen. Vor allem aber müssen sie transparente Systeme und Instrumente einführen, wie sie in der EJF Charta für Transparenz aufgelistet sind, um sicherzustellen, dass diese Art von Missbrauch nicht mehr vorkommen kann.“

Environmental Justice Foundation Deutschland

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