Idais und Kenneths Hinterlassenschaften

Idais und Kenneths Hinterlassenschaften

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Zum ersten Mal trafen gleich zwei heftige Wirbelstürme innerhalb einer einzigen Sturmsaison Afrikas Südwesten. Allmählich werden die Schäden erfasst und finanzielle Mittel für den Wiederaufbau freigegeben.

Viele Organisationen bringen Unterstützung in Form von Hilfsgütern in die betroffenen Regionen. Hier verteilen Mitarbeiter*innen des World Food Programme Hilfslieferungen in Bebedo, Mosambik. © U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Corban Lundborg

Neben den menschlichen Verlusten sprechen Expert*innen inzwischen auch über die wirtschaftlichen Einbußen der von den Wirbelstürmen Idai und Kenneth betroffenen Länder. Laut Vera Songwe, Exekutivsekretärin der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika, sind die Auswirkungen auch in dieser Hinsicht massiv: “Wir haben wahrscheinlich einen Verlust von circa einer Milliarde Dollar in Form von Ressourcen in Mosambik, Simbabwe, Madagaskar und Malawi zu verzeichnen.“

Doch auch die direkt greifbaren Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sind enorm. Die Handelsmetropole und Hafenstadt Beira in Zentral-Mosambik wurde laut Angaben des Internationalen Roten Kreuzes zu 90% zerstört. In einigen Stadtteilen waren lange die Storm- und Trinkwasserversorgung unterbrochen, was für eine heftige Welle von Cholerafällen sorgte.

Auch in vielen weiteren Regionen des Landes wird das Ausmaß der Zerstörung erst allmählich erfasst. In Sofala, einer der am härtesten betroffenen Regionen, ist die Einschätzung der Schäden an den dortigen Zuckerfabriken, öffentlichen Gebäuden und Märkten sowie dem Stromnetz noch in vollem Gange.

Erschwerend kommt hinzu, dass etliche Hauptverkehrswege, die für die Versorgung und den Transport von Gütern in Mosambik, Simbabwe und Malawi eine zentrale Rolle spielen, ebenfalls schwer beschädigt und nur teilweise nutzbar sind.

Die schlimmste Folge der Zyklone für die Bevölkerung liegt momentan jedoch in den landwirtschaftlichen Einbußen, von denen sowohl die Subsistenzwirtschaft als auch kommerzielle Farmen gleichermaßen betroffen sind. Mehr als 500.000 Hektar Getreide wurden gerade kurz vor dem Beginn der Erntesaison zerstört. Das führte dazu, dass Mosambik vom UN World Food Programme in der Einschätzung der Ernährungssicherheit auf die gleiche Stufe gesetzt wurde wie das vom Krieg zerstörte Syrien. Simbabwes Einstufung besagte bereits vor den Zyklonen, dass circa 5,3 Millionen Menschen im Land von Nahrungsknappheit bedroht seien aufgrund der ökonomischen Probleme des Landes und einer durch El Niño verursachten Dürre. Nun hat das Land Hilfsleistungen im Wert von 613 Millionen Dollar erbeten, um die Schäden auszugleichen, die Idai an den Maisfeldern des östlichen Hochlands angerichtet hat.
Auch wenn Malawi aufgrund getroffener Katastrophenvorsorgemaßnahmen weniger Tote zu beklagen hatte, sind durch die starken Regenfälle die örtlichen Lebensmittelpreise um mindestens 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch hier gibt es vor allem im südlichen Bezirk Makhanga bemerkenswerte Schäden an Straßen und anderer Infrastruktur.

Die Regierung Malawis hat sich nun um Hilfsleistungen in Höhe von 43 Millionen Dollar beworben um den Menschen in den betroffenen Gebieten Unterstützung durch Lebensmittel, Wasser, und Unterkünfte zu bieten. Bislang hat die Afrikanische Union 100.000 Dollar für Malawi und jeweils 150.000 Dollar für Mosambik und Simbabwe bewilligt. Die African Development Bank (AfDB) hat ebenfalls der Unterstützung der betroffenen Regionen in Mosambik, Simbabwe und Malawi durch Leistungen in Höhe von 100 Millionen Dollar zugestimmt.

J. Bittermann