Impfstoff gegen Corona in Afrika testen!?

Impfstoff gegen Corona in Afrika testen!?

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Nach einem Dialog zweier bekannter Wissenschaftler über Impfstoff-Tests in Afrika im französischen Fernsehen bildete sich rasch Widerstand, der die rassistischen Gedanken lautstark kritisiert. LoNam fasst zusammen.

Bild: (c) Gerd Altmann, Pixaby CC0

Am Freitag, den 3. April übertrug der Nachrichtensender LCI ein Gespräch zwischen Camille Locht, dem Präsidenten des Nationalen Instituts für Gesundheit und Medizinische Forschung und Jean-Paul Mira, dem Chef der Intensivstation im Cochin Krankenhaus in Paris.

Mira fragte Locht bezüglich möglicher Impfstoff-Tests gegen Corona: „Wenn ich jetzt mal provokant sein kann, sollte eine solche Studie nicht in Afrika durchgeführt werden? Dort gibt es schließlich keine Masken, keine Behandlung, keine Intensivpflege. So wurde es auch bei einigen Studien zu AIDS gehandhabt, bei denen Tests an Prostituierten durchgeführt wurden, weil sie bekanntermaßen häufig AIDS ausgesetzt sind. Was denken Sie?“

Locht antwortete: „Sie haben Recht. Wir denken indes über eine Studie in Afrika mit demselben Ansatz nach. Das hält uns jedoch nicht davon ab, über eine derartige Studie in Europa und Australien nachzudenken. Es wurden bereits Anfragen an einige Länder unternommen“ (Übersetzung der Redaktion).

Eben dieser Ausschnitt des Dialogs brachte eine kontroverse Debatte über globalen Rassismus ins Rollen. Beide Männer entschuldigten sich in aller Öffentlichkeit, sie hätten ihre Worte keineswegs rassistisch gemeint. Die Tests sollten schließlich überall durchgeführt werden. Mira schloss seinen Twitter-Account.

Denn der öffentliche Widerstand formierte sich schnell: In Frankreich reagierte die Nichtregierungsorganisation SOS Racisme mit schweren Rassismusvorwürfen gegen die beiden Ärzte. Ebenfalls schlossen sich marokkanische Anwälte gegen diesen öffentlichen Rassismus zusammen. Viele bekannte Fußballstars mit afrikanischer Migrationsbiografie äußerten sich. So postete der ehemalige Spieler der Elfenbeinküste, Didier Drogba: „Es ist unfassbar, dass wir das einfach akzeptieren. Afrika ist kein Labor. Ich verurteile entschieden diese ernsten, rassistischen und verachtenden Worte.“ Er fordert auf, Leben in Afrika zu retten, anstatt die Bevölkerung wie Meerschweinchen zu behandeln.

David Alaba, Spieler bei FC Bayern München, zeigte sich ebenfalls empört und twitterte: „Sind diese beiden Männer Doktoren oder Clowns? Das ist eine Art des Rassismus, wie ich ihn mir nicht hätte vorstellen können.“ Ebenso kritisierten Samuel Eto’o und Demba Ba das Interview. Demba Ba, französisch-senegalesischer Fußballspieler, twitterte: “Willkommen im Westen, wo weiße Menschen sich so überlegen fühlen, dass Rassismus zur Gewohnheit wird.“

Jedoch reagierte der Präsident des Biologieinstituts in der Demokratischen Republik Kongo, Jean-Jacques Muyembe, mit Zustimmung: „Wir haben uns entschlossen, diese Tests durchzuführen.“ Er ist der Meinung, dass schließlich nur ein Impfstoff helfen könne, die Pandemie zu stoppen und zieht Parallelen zu Ebola.

Auf Change.org wurde daraufhin eine Petition gestartet, die dazu auffordert, Impfstoff-Tests gegen Corona in der Demokratischen Republik Kongo zu unterlassen. Unter dem Aufruf „Afrika ist kein Testlabor und afrikanische Menschen sind keine Laborratten“ fordert sie zum Unterzeichnen auf. Es haben sich bereits über 4.000 Unterzeichner*innen gefunden. Falls Ihr euch anschließen möchtet, findet Ihr hier den Link zur Petition.

Da diese Diskussion noch längst nicht abgeschlossen ist und so viele Aspekte aufwirft, die uns – historisch wie aktuell, und auf so vielen Ebenen – bewegen, haben wir bereits jetzt beschlossen, dass wir dieses Thema mit seinen verschiedensten Implikationen ausführlich in der nächsten Ausgabe der LoNam erörtern wollen. Über Hinweise und Meinungen von Euch freuen wir uns immer! Schreibt uns einfach an leser@lonam.de!

 

Mareike Rohloff & J.B.

 

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