„Jedes Kind hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit!“

„Jedes Kind hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit!“

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Im Sudan hat die Übergangsregierung erst vor wenigen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet, dass die Praxis weiblicher Genitalverstümmelung unter Strafe stellt. Doch Anfang Mai gedenken zum „Weltweiten Tag der Genitalen Selbstbestimmung“ auch Organisationen weltweit der Thematik und fordern mit Nachdruck die Wahrung der UN-Kinderrechtskonvention – unabhängig von Heimat und biologischem Geschlecht.

Nicht nur per Gesetz wie jetzt im Sudan soll die Praxis von Genitalverstümmelungen bekämpft werden. Auch Aufklärung ist ein wichtiges Mittel. In Burkina Faso steht das Thema auf dem Lehrplan - für Jungs und Mädchen! Foto: DFID - UK Department for International Development; Lizenz CC BY 2.0

Der Jahrestag des Kölner „Beschneidungsurteils“ wird am 7. Mai erneut als „Welttag der Genitalen Selbstbestimmung“ begangen. Den Aufruf dazu unterstützen über 60 Kinder-, Menschen- und Frauenrechtsorganisationen sowie Ärzt*innenverbände aus 13 Ländern auf fünf Kontinenten.

Passend zum Jahrestag wurde im Sudan per Gesetz die hier verbreitete Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) unter Strafe gestellt. Obwohl viele Aktivist*innen und Expert*innen die Wirksamkeit des neuen Gesetzes anzweifeln, kann dieser Schritt doch als Bestätigung ihrer Forderungen nach einem weltweiten Verbot gewertet werden. Mehr über die neue Bestimmung durch die sudanesische Übergangsregierung lesen sie in der kommenden LoNam-Ausgabe.

Die zum Kölner Jahrestag geplanten Kundgebungen u.a. in Köln, San Francisco, Washington, New York City, Kenia und Uganda werden aufgrund der Corona-Epidemie dieses Jahr komplett ins Internet verlegt: Bis zum 8. Mai erscheinen täglich Video-Statements von Vertreter*innen der beteiligten Organisationen in den sozialen Netzwerken und in der YouTube-Playlist WWDOGA 2020.

Darunter:

– Beiträge von Mitgliedern des Bündnisses „Mein Körper – unversehrt und selbstbestimmt“

– Beiträge von Mitgliedern des Deutschen Bundestages –

– Beiträge vom BVKJ – Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., von Droit au Corps (Frankreich und Francophonie), von der Lobby für Mädchen e.V., von der Säkularen Flüchtlingshilfe, von Jews Against Circumcision (USA), VMMC-Experience-Project (Kenia), Future Choices (Großbritannien), von Ann-Marlene Henning (Sexologin, u.a. ARTE) und viele mehr.

Sie fordern in ihren Statements, dass alle Kinder unabhängig von Geschlecht und Genital gleich vor jeglichen medizinisch nicht indizierten oder rituellen Genitaleingriffen zu schützen sind, und berufen sich dazu auf die UN-Kinderrechtskonvention Artikel 2 (Schutz vor Diskriminierung), Artikel 3 (Vorrang des Kindeswohls) und Artikel 24, Absatz 3 (Abschaffung schädlicher Bräuche).

Zudem verkünden TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V., Projekt 100% MENSCH und MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene zu diesem Anlass die Verlängerung ihrer gemeinsamen Aufklärungskampagne „Mein Körper – unversehrt und selbstbestimmt“.

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V.: „Mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen sind weltweit von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Dieser traumatische Eingriff bringt lebenslange gesundheitlichen Folgen mit sich. Weltweit ist besonders die zunehmende Medikalisierung des Eingriffs z.B. durch Operationen in Krankenhäusern besorgniserregend, damit wird dieser verharmlost und akzeptiert. Für TERRE DES FEMMES bleibt und ist diese Tradition schwerwiegende Gewalt an Mädchen und eine patriarchale Praxis, die dazu dient, die Sexualität von Frauen zu kontrollieren. Mädchen und Frauen müssen selbstbestimmt und frei über ihre Sexualität entscheiden!“

Victor Schiering, Vorsitzender von MOGiS e.V. – Eine Stimme für Betroffene: „Der Jahrestag des Kölner Urteils steht dafür, sich immer wieder den hohen Maßstäben unteilbarer Kinderrechte zu stellen. Für Betroffene ist er weltweit ein Signal des Mutmachens geworden, nicht mehr weiter zu schweigen und füreinander einzustehen. Die Kampagne „Mein Körper – unversehrt und selbstbestimmt“ findet sich so im jährlich wachsenden Aktionsbündnis des 7. Mai wieder. Nur ein gerechter, also ein für alle gleich geltender Schutz, ist ein starker Kinderschutz.“

Projekt 100% MENSCH g UG betont durch Geschäftsführer Holger Edmaier: „Manchen Kindern aufgrund des Genitals weniger Schutz zuzusprechen als anderen, widerspricht elementaren Grundrechten. Und wer kann sagen, dass das Kind ein Junge ist? Nur weil es einen Penis hat? Es könnte auch ein trans* Mädchen oder intersexuell sein!“

Mehr Infos zur Kampagne finden Sie unter www.unversehrt.eu

Julia Bittermann & Terre des Femmes e.V.