Mosambik: Zeugenaussagen belegen rassistische Diskriminierung bei Evakuierung nach „Al-Shabaab“-Angriff in Palma

Mosambik: Zeugenaussagen belegen rassistische Diskriminierung bei Evakuierung nach „Al-Shabaab“-Angriff in Palma

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Nach dem bewaffneten Angriff der islamistischen „Al-Shabaab“-Miliz am 24. März 2021 in Palma, Mosambik, suchten schätzungsweise 220 Zivilist*innen während eines Angriffs, Zuflucht im Hotel Amarula Palma. Davon waren etwa 200 Schwarze Mosambikaner*innen und etwa 20 Weiße Vertragsarbeiter*innen. Überlebende berichteten Amnesty International, dass Weiße Vertragsarbeiter*innen bei der anschließenden Evakuierung durch die private südafrikanische Sicherheitsfirma Dyck Advisory Group (DAG) gegenüber Schwarzen Einheimischen bevorzugt wurden.

Während die Weißen Bauarbeiter*innen vorrangig mit dem Flugzeug in Sicherheit gebracht wurden, waren die Schwarzen Einheimischen sich selbst überlassen. Nachdem die Mehrheit der Weißen Bauarbeiter*innen und einige wenige gut situierte Schwarze – darunter der Manager von Palma – gerettet worden waren, versuchten die Zurückgebliebenen, mit einem Bodenkonvoi zu fliehen, gerieten aber in einen Hinterhalt der „Al-Shabaab“.

„Zeug*innen berichteten uns von Rassendiskriminierung bei der Entscheidung, wer aus dem Amarula-Hotel evakuiert werden sollte“, sagte Deprose Muchena, Regionaldirektor von Amnesty International für das Afrika südlich der Sahara.

Überlebende berichteten Amnesty International, dass es zwischen den mosambikanischen Sicherheitskräften und der DAG Unstimmigkeiten darüber gab, wer für die Rettung der Menschen zuständig war. Der Zusammenbruch der Kommunikation bedeutete, dass die zivilen Überlebenden im Wesentlichen sich selbst überlassen waren und um ihr Leben fürchten mussten, nachdem sie der „Al-Shabaab“ ausgeliefert waren.

„Einmal mehr hat das unmenschliche Vorgehen der mosambikanischen Behörden und der DAG während des Cabo-Delgado-Konflikts unermessliches Leid verursacht“, sagte Deprose Muchena.

Zudem haben die Auswertungen von Satellitenbildern vom 1. April, die Amnesty International exklusiv vorliegen, ergeben, dass die Angreifer weniger Wohnhäuser, sondern hauptsächlich öffentliche Infrastruktur und staatliche Einrichtungen zerstörten. Satellitenbilder vom 9. April zeigen die Zerstörung 33 weiterer Gebäude – wahrscheinlich Wohnhäuser – zu einer Zeit, als die mosambikanischen Sicherheitskräfte Berichten zufolge bereits die Kontrolle über die Region wiedererlangt hatten. Dies steht im Einklang mit früheren Untersuchungen Amnesty Internationals, wonach die Sicherheitskräfte Mosambiks nach dem Rückzug von „Al-Shabaab“ die Zivilbevölkerung Repressalien aussetzten.

 

Amnesty International
Pressemitteilung

Übersetzt von Miriam Fisshaye