Nigeria: Meuterei oder Vernunft?

Nigeria: Meuterei oder Vernunft?

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Das nigerianische Militärgericht verurteilt 54 eigene Soldaten zum Tode, weil sie sich weigerten mit veralteten Waffen zu kämpfen.

Foto: public domain

Es sei eine Blamage für die nigerianische Armee und das ganze Land, dass die eigenen Truppen nach besserer Bewaffnung fragen, heißt es im Urteilsspruch gegen 54 eigene Soldaten. Nachdem sie mehrfach im offensiven Kampf gegen die Terrororganisation Boko Haram scheiterten, legten sie beim Ranghöchsten Beschwerde ein. Die Soldaten befürchten, in einen tödlichen Hinterhalt zu gelangen und sich nicht angemessen wehren zu können. Ihre Waffen seien veraltet und kämen gegen die Bewaffnung der Miliz nicht an, so Femi Falana, der Verteidiger der militärischen Einheit. Daraufhin verweigerten sie jeden weiteren militärischen Einsatz. Die Truppe musste sich in diesem Fall vor dem Militärgericht verantworten, woraufhin unerwartet alle 54 am Streik teilnehmenden Soldaten zum Tod durch Erschießen verurteilt wurden.

Der Meuterei schuldig gemacht haben sollen sich auch 43 Soldaten einer anderen Division, die an der Front kämpfte. Auch sie seien der Anordnung, drei eingenommene Städte im Norden des Landes zu befreien nicht nachgekommen. Sie begründen ihre Kampfverweigerung ebenfalls mit der mangelhaften Ausrüstung. Fünf von ihnen wurden freigesprochen. Die Urteile der restlichen 38 Soldaten stehen noch aus.

Den Entschluss zu fassen, einen scheinbar ausweglosen Kampf zu verweigern, mag sich nach menschlicher Vernunft anhören, ist in den Augen des nigerianischen Militärgerichts aber eine Schande für die gesamte nigerianische Armee und sei hoch zu bestrafen. In diesem Fall sogar mit der höchsten Strafe, dem Tod durch Erschießen.

Die Bundesrepublik Nigeria ist darum bemüht sich zu demokratisieren. Es erlebt ein beständiges Wirtschaftswachstum, hat eine florierende Filmindustrie, ist eine der größten Exporteure von Erdöl und Gas weltweit und beherbergt eine zunehmend selbstbewusster werdene Bevölkerung, die sich nach der postkolonialen Umstrukturierungsphase neu zu erfinden scheint. Probleme der ungleichen Verteilung von Wohlstand und der unkontrollierbaren Korruption in der Regierungsebene sind zwar weitgehend bekannt und haben den internationalen Diskurs längst erreicht. Entschlüsse jedoch wie die des Militärgerichts zur Erschießung eigener Soldaten aus dem obig genannten Grund, scheinen nur schwer nachvollziehbar.

Julien Vindal