Sprachpolitische Maßnahme löste Proteste aus

Sprachpolitische Maßnahme löste Proteste aus

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Am Montagmorgen verkündete die Universität von Pretoria, Südafrika, über ihre Facebookseite den Entschluss, die Unterrichtssprache in den Kursen der Hochschule vereinheitlichen zu wollen. Demnach solle jeder Kurs künftig ausschließlich auf Englisch unterrichtet werden. Diese Entscheidung löste sofort heftige Proteste seitens der Studierenden aus. Die Leitung der Universität sah sich sogar gezwungen, den Betrieb vorübergehend einzustellen. Einige Student_innen wurden angeblich wegen ihres Protests festgenommen, so berichtete News 24. In den sozialen Medien wurde nun zu Demonstrationen in der Nähe der Gerichtsgebäude, in denen die Anhörung der Festgenommenen stattfinden soll, aufgerufen.

Laut einer Facebook-Mitteilung hatte sich der akademische Senat der Universität zuvor über die aktuellen Maßnahmen geeinigt. „Die Vorschläge wurden einstimmig vom Senat unterstützt und werden nun von einem Rat geprüft“, heißt es dort. Andere im Universitätsalltag genutzten Sprachen wie Sepedi und Afrikaans sollten nur noch in Form von zusätzlichem Lehrmaterial verwendet werden.

Auch der Bericht „If you don’t understand, how can you learn?“ der UNESCO, der anlässlich des Internationalen Tages der Sprache erschien, kritisierte, 40 Prozent der Kinder aus 40 Ländern, darunter Kenia, würden nicht in ihrer lokalen Sprache unterrichtet.

Lehrbücher seien nicht sehr nützlich, wenn die Schüler_innen Schwierigkeiten hätten, sie zu lesen. Dies sei in einem Experiment deutlich geworden, in dem englische Lehrbücher in kenianischen Klassenzimmern gelesen wurden, zeigt der UNESCO-Bericht. In Kenia hatte es bereits 2014 die Forderung nach Unterricht in der Muttersprache bis zum zweiten Schuljahr gegeben. Andere kenianische Lehrer_innen halten den Gebrauch der Muttersprache in Bildungseinrichtungen dagegen sogar für rückschrittlich.

Im Nordwesten Kameruns startete ein ähnliches Projekt. Die Schüler_innen erhalten in den ersten Jahren der Schulzeit Unterricht in der lokalen Sprache. Eine teilnehmende Lehrerin ist von der Idee überzeugt. Die Kinder würden viel schneller lesen und schreiben lernen. Sogar Englisch würden sie schneller lernen, bemerkte die Lehrerin.

Mira Döring


Foto:  In support of the #FeesMustFall movement students and staff at the University of Cape Town gather in front of the university’s administration building to hand over a list of demands to management. Von Discott, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0