Tag der Schokolade – Anlass zum Feiern?

Tag der Schokolade – Anlass zum Feiern?

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Schokolade und Kolonialismus gehen Hand in Hand © Ji-Elle, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Gestern, am 7. Juli, feierte die Welt den Schokoladentag. Ob es wirklich ein Anlass zum Feiern ist, ist bestritten.

Kakaoprodukte sind heutzutage in der nördlichen Hemisphäre fast überall zu relativ günstigen Preisen zugänglich. Jedoch stammen weder die Pflanze, noch die Zwischenprodukte aus der Region. Der süße Snack verbirgt eine dunkle Geschichte, dessen Folgen noch heute zu spüren sind. Deswegen stellt sich die Frage: Ist der Welttag der Schokolade ein Anlass zum Feiern?

Kolonie, Konzerne, Kinderarbeit

Die historische Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten zeigt eine kontinuierliche Transformation, deren Ursprünge bis in die europäische Kolonialzeit zurückreichen. Früher kauften Menschen ihre Lebensmittel direkt bei Bauern, auf lokalen Märkten. Doch als die Städte im Mittelalter wuchsen, entstanden große zentrale Märkte, die den Handel bündelten. Die Kolonialisierung im 16. Jahrhundert brachte dann einen dramatischen Wandel: Plantagen für „exotische“ Produkte wie Zucker und Kaffee schossen aus dem Boden. Mit den technologischen Fortschritten im 19. Jahrhundert wurde der Handel über weite Entfernungen möglich, und die Bauern wurden zunehmend von internationalen Handelsnetzwerken abhängig.

Neue Standards und Terminmärkte veränderten die Art und Weise, wie landwirtschaftliche Produkte bewertet und gehandelt wurden. Seit den 1980er Jahren beschleunigte die Globalisierung diesen Wandel weiter. Die Liberalisierung der Kapitalmärkte machte internationale Händler mächtiger, während die direkte Kontrolle der Produktion durch Lebensmittelkonzerne abnahm. Supermarktketten übernahmen die Zügel: Durch Fusionen, die Entwicklung eigener Marken und die Kontrolle über Lieferketten dominierten sie zunehmend den globalen Lebensmittelhandel.

Der Kolonialismus hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kakaolieferkette gehabt. Die Kolonialmächte haben die Kakaoproduktion in Afrika und Südamerika gefördert, um ihre eigenen Schokoladenindustrien zu unterstützen und dabei die Kakaobauern ausgebeutet und ihnen die Kontrolle über ihre eigenen Ressourcen genommen. Sie haben auch die Kinderarbeit in der Kakaoindustrie gefördert. Diese Auswirkungen sind bis heute spürbar, da Kakaobauern oft in Armut leben und ausgebeutet werden. Nach Angaben der Entwicklungshilfeorganisation Südwind verdient ein Kakaobauer von der Elfenbeinküste 50 Dollar-Cent am Tag. Das Einkommen im Durchschnitt müsste sich fast verdreifachen, um existenzsichernd zu sein.

Zu den Problemen der Bauern und Bäuerinnen zählt dazu auch noch die Tatsache, dass die Kakaopflanze empfindlich ist und als Monokultur wächst. Folglich benötigt sie viel Aufmerksamkeit, weshalb oft die ganze Familie in der Landwirtschaft mitwirkt. Auch die Kinder. Kinderarbeit ist im landwirtschaftlichen Sektor weltweit ein Problem: rund 160 Millionen Kinder sind Opfer von Kinderarbeit. 70 Prozent von ihnen arbeiten dabei in landwirtschaftlichen Sektoren – zum Beispiel auf Kakaoplantagen und in der Kakaoverarbeitung.

Mehr als 65 Prozent der weltweiten Kakaoernte stammen aus Westafrika, © ICCFO, CC BY SA 4.0

Vom Anbau bis zur Supermarktkasse

Heute werden die Kakaobohnen in den tropischen Gebieten Afrikas, Mittel- und Südamerikas und Asiens angebaut. Mehr als 65 Prozent der globalen Kakaoproduktion wird in Westafrika angebaut, wobei die Hauptproduzenten die Elfenbeinküste und Ghana sind. Die komplizierten Lieferketten von Kakao bringen problematische Folgen mit sich. Der Schokoladenhersteller kann aufgrund der langen, nicht dokumentierten Wege, oft nicht wissen, woher der Kakao stammt. Somit kann nicht sichergestellt werden, dass der Kakao nicht von illegal entwaldeten Flächen kommt. Es wird davon ausgegangen, dass bis zu 40 Prozent der Kakaoernte der Elfenbeinküste von illegal entwaldeten Flächen stammt.

In modernen landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten konzentriert sich die Macht bei verschiedenen Akteuren wie Händlern, Verarbeitern und Einzelhändlern. Diese Konzentration ermöglicht es ihnen, die Preise erheblich zu beeinflussen. Globale Händler, wie Cargill, Olam und Barry Callebaut dominieren den weltweiten Kakaohandel. Verarbeitungsunternehmen und Markenhersteller (Nestlé, Mars) üben ebenfalls eine erhebliche Machtkonzentration aus. Die Wertschöpfungskette der Schokoladenproduktion zeigt deutliche Machtkonzentrationen auf verschiedenen Ebenen. Am Ende der Kette, in der Produktion industrieller Schokolade, konzentriert sich die Macht bei führenden Markenherstellern wie Mars, Kraft/Mondelez, Nestlé, Ferrero und Hershey, die 2016 40 Prozent des weltweiten Süßwarenmarktes beherrschten. Folglich sind die Bauern, die den Kakao anbauen, in der Kette stark abhängig. Der Anteil am Endproduktwert ist für sie seit der Liberalisierung 1990 gesunken, während nachgelagerte Produktionsschritte einen immer größeren Anteil ausmachen. 

Die bittere Seite der Schokolade © INKOTA Netzwerk

Was nun?

Unterschiedliche Initiativen der Schokoladen Verteiler haben Maßnahmen eingeführt, die insbesondere die Kinderarbeit bekämpfen sollen. Zusätzlich mobilisieren sich NGOs, um die illegale Abholzung für die Anschaffung von Anbauflächen für Kakao zu bekämpfen. Als Konsument*in ist die Anschaffung von Information zentral: Woher kommt das Produkt? Wer hat es hergestellt? Was heißt dieses Fair Trade-Siegel? – sind alles Fragen, die vor dem Kauf gestellt werden müssen.


Weiterführende Materialien:

INKOTA-netzwerk e.V.:

  • FILMTOUR in Deutschland: The Chocolate War (aktuelle Temine)
  • Das Erste:

  • Video: Schmutzige Schokolade
  • Netflix:

    • Doku-Serie „Rotten“ („Verdorben“)

    Alexandra Enciu