Weltmalariatag – Was bedeutet er im Jahr von Corona?

Weltmalariatag – Was bedeutet er im Jahr von Corona?

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Viele werden es hierzulande nicht bemerkt haben: Am Wochenende war Weltmalariatag, der jedes Jahr an die Gefahr und die Auswirkungen dieser Infektionskrankheit erinnern soll. Aber wer spricht jetzt noch von Malaria?!

Public Domain

Der globale Norden ist so lange Zeit von Epidemien oder gar Pandemien verschont geblieben, dass Krankheiten wie Malaria immer wie ein Problem der „anderen“ gesehen werden konnten. Vielleicht ist es aber gerade jetzt an der Zeit, den Blick darauf zu verändern und nicht nur Corona als eine Herausforderung zu sehen, die wir nur solidarisch und alle gemeinsam stemmen können….

Immerhin gilt Malaria im Gegensatz zum Coronavirus längst als eine Krankheit, die verhindert werden kann. Da sie im Gegensatz zu Corona jedoch hauptsächlich in Regionen vorkommt, die nicht gerade im Zentrum des Interesses von Wirtschaft, Pharmaindustrie und Gesundheitswesen stehen, wird das Potential solcher Präventionsmaßnahmen längst nicht flächendeckend ausgeschöpft. Laut WHO „schliefen 2018 z.B. nur die  Hälfte  der Risikobevölkerung unter einem mit  Insektizid  imprägnierten  Bettnetz, und nur knapp ein Drittel der schwangeren Frauen in Afrika haben im Laufe ihrer Schwangerschaft die drei empfohlenen  Mindestdosen einer Malariaprophylaxe bekommen“, so die Blogger von Biogents in ihrem Beitrag zum Weltmalariatag. Die Firma selbst entwickelte bereits vor einigen Jahren zusammen mit der Universität  Wageningen eine Hängefalle gegen Malariamücken und testete diese drei Jahre lang großflächig auf einer kenianischen Insel im Victoria-See. Laut ihren Angaben wurden so deutlich weniger Malariafälle verzeichnet.

Dennoch: Jedes Jahr kostet Malaria weiterhin rund 400.000 Menschenleben, und das vor allem in Afrika. Zum Vergleich: Bis zum Wochenende waren weltweit rund 170.000 Todesfälle durch COVID-19 bekannt. Nicht, dass die Coronapandemie deshalb nicht verheerend wäre, – aber wir vergessen allzu oft, dass solche Gefahren für Menschen in anderen Teilen der Welt mitnichten eine Ausnahme darstellen.

Wie jedes Jahr steht momentan in Sub-Sahara Afrika die Malariasaison gerade erst vor der Tür. Dass nun zusätzlich auch die Corona-Pandemie greift, sorgt für eine neue Art von Ausnahmezustand, der laut der Swiss Malaria Group den Fortschritt im Engagement gegen Malaria bedroht. Durch die derzeitige Überlastung der Gesundheitssysteme steige auch das Risiko eines Anstiegs der Malaria-Infektionen und -Todesfälle massiv. Das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut rechnet wegen Corona mit zusätzlichen 105.000 Malaria-Todesfällen.

Auch Reimund Reubelt, Erster Vorstand von Hoffnungszeichen |Sign of Hope e.V., äußert sich besorgt über das Zusammenfallen beider Infektionskrankheiten: „Die Situation in Ostafrika ist sehr beunruhigend. Die Zahl der Infizierten steigt, vor allem in den Städten. So sind beispielsweise in Uganda vor allem Entebbe und die Hauptstadt Kampala betroffen. Doch die Angst, dass das Virus auf weitere Regionen übergreift, ist groß.“ Vor Ausbruch der Corona-Krise standen in Uganda 55 Intensivbetten und 75 Beatmungsgeräte für 43 Millionen Einwohner zur Verfügung. Inzwischen konnte das größte Krankenhaus des Landes in Kampala zusätzliche Betten und Atemmasken anschaffen. Die Ausstattung sei jedoch weiterhin unzureichend, um den Auswirkungen einer Corona-Pandemie zu begegnen. „Das Gesundheitssystem in Uganda ist auf eine Pandemie wie Corona kaum vorbereitet. Zusätzlich ist für die meisten Menschen eine medizinische Versorgung unerreichbar. Viele sind vorerkrankt oder geschwächt durch eine Malariainfektion“, betont Reubelt.

Dass für viele hier in Europa die eigenen Sorgen um wirtschaftliche Folgen, Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder das Ausfallen von Fußballspielen im Vordergrund stehen, mag verständlich sein. Der Weltmalariatag in diesem besonderen Jahr mag jedoch daran erinnern, dass das, was wir gerade erleben, für viele Menschen noch ganz anderes bedeuten kann…

Julia Bittermann