Afrika als Chance: Der AGCO Africa Summit 2013

Afrika als Chance: Der AGCO Africa Summit 2013

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Foto: Afrika Medien Zentrum/ Ronja Sommerfeld

Die Gesellschaft AGCO, Produzent und weltweiter Exporteur von Traktoren und Landmaschinen, lud am 21. Januar 2013 ins Adlon Hotel. Dort trafen sich deutsche und afrikanische Regierungsvertreter, Wirtschaftsspezialisten und Pressevertreter, um über landwirtschaftliche Potentiale in Afrika zu diskutieren. Produzieren auf lokaler Ebene ist ein wichtiges Schlagwort der heutigen Zeit, wie AGCO-Präsident Martin Richenhagen betonte. „Wir sehen Afrika als Chance“, erklärt Nuradin Osman, der im Auftrag von AGCO in Sambia eine ‚Modellfarm‘ leitet. Wichtig dabei sei, dass die meisten Arbeiten von den Einwohnern selbst ausgeführt werden. So würden Arbeitsplätze geschaffen und die Autonomie der Bevölkerung vor Ort gewährleistet.

Der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler scheint das ähnlich zu sehen: „Afrikas Landwirtschaft wurde viel zu lange unterschätzt“, erklärt er in seiner Rede auf dem Gipfel. Auch er ist überzeugt, dass Landwirtschaft in großem Maßstab nicht der einzige Weg ist, wettbewerbsfähig zu sein. Der landwirtschaftliche Sektor sei ein Schlüsselfaktor für die weitere Entwicklung des Kontinents, so Köhler. Auch habe Afrika seit einigen Jahren bereits beachtliche positive Veränderungen vorzuweisen. Eine davon ist das Bild von Afrika: „Der Kontinent wird gesehen und betrachtet sich selbst mit sehr viel mehr Optimismus.“

In einer Art Rundumschlag, schildert er, wie alles mit allem zusammenhängt: Die Landwirtschaft mit der weiblichen Emanzipation mit der Weltpolitik mit dem Klimawandel… Wenn es nach ihm ginge, würde Afrika seine Entwicklung in Zukunft selbst anführen und global mit mehr Gewicht auftreten. „Der Norden sollte mehr auf afrikanische Stimmen hören“, so Köhler. Auch fordert er mehr Austauschmöglichkeiten für Menschen aus Afrika oder mit Interesse an diesem Kontinent. Den Schritt, der dafür notwendig ist, nennt er auch: „Eine Entwicklungspartnerschaft kann tatsächlich ein Projekt für die gesamte Gesellschaft sein.“

Ähnlich wie Köhler sehen das viele der Redner. Für sie liegt die Lösung in Bezug auf die Landwirtschaft in kleinen Farmen. Eberhardt Brandes betont, dass statt des Exports seiner Monopol-Agrikultur der Westen lieber in lokale Landwirtschaft investieren sollte. Die Farmer vor Ort sollten gefragt werden, was ihrer Meinung nach für sie getan werden kann. In vielerlei Hinsicht könne man vom afrikanischen Kontinent lernen, so Brandes. Ein Beispiel: „Wenn wir 40% von dem wegwerfen, was wir produzieren, machen wir etwas grundfalsch“.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob der auf dem AGCO Africa Summit propagierte Weg einer ‚Partnerschaft‘ tatsächlich richtig und innovativ ist. Oder läuft es auf das alte Problem hinaus: Afrika liefert die Rohstoffe, der Rest der Welt transformiert, produziert und macht das große Geld? Fakt ist: Afrika wird hier vor allem als Markt gesehen, als Chance. Wessen Chance, diese Frage wird letztendlich nicht geklärt.

Ronja Sommerfeld

 

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