Beninsche Kulturwochen gestartet!

Beninsche Kulturwochen gestartet!

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Den Anfang macht das bunte Programm im Berliner Centre Francais am 2. November 2016.

Im November 2016 veranstaltet das Netzwerk Arts Vagabonds die 2. Edition der Beninischen Kulturwochen in Deutschland. Es werden eine Reihe an vielfältigen Veranstaltungen stattfinden. Neben Voodoo beschäftigen sich die beninischen Künstler_innen in ihren Produktionen mit den Themen Afrika, Europa, Kolonialismus, Flucht und Migration.

In Koorperation mit AfricAvenir International e.V. werden im Rahmen des Schulprojektes „Afrika-Flucht-U-Aktion“ am 02. November von 09-13 Uhr im Centre Francais Berlin das Theaterstück „Le Leurre – Die Illusion“ von Alfred Fadonougbo und die traditionellen Tänze „Refus de Visa – Visumablehnung“ von Medard Sossa und „Ma Vie / Mein Leben“ von Nouratou Toffa präsentiert. Im Anschluss der Performances wird es eine Diskussionsrunde geben. Außerdem wird am 08. November um 10 Uhr die Filmvorführung „Voodoo – Die Kraft des Heilens“ von Henning Christoph und mit anschließendem Gespräch mit ihm im Hackesche Höfe Kino gezeigt.

Theaterstück „Le Leurre – Die Illusion“ mit dem Schauspieler Alfred Fadonougbo

Der Text ist als Aufforderung zu verstehen. Die Mehrheit der Themen fokussieren die Aktualität und das Interesse des breiten Publikumsspektrums, welches sich in einer Identitätskrise befindet, vor allem aber die Jugend vor Ort als und in der Ferne. Ein Text der Bezug zu einer verdorbenen Ära voller schlechter Erfolgsmodelle aufnimmt und in der Excellenz, Moral und Aufrichtigkeit keine geförderten Werte mehr darstellen. Zum einen, ein geladenes Problem, welches Patriotismus, Geschichte, Religion, Politik und Desaster der freiwilligen Immigration mitträgt, die in unseren Augen eine andere Form der Deportation darstellt. Diese erscheint sogar demütigender, da sie nicht mal mehr Sklavenhändler, Schiffe, Ketten und Peitschen erfordert. Es kommt zu vielen Toten in Afrika, und zu vielen Schäden an Afrika. So wie wir es seit Jahrhunderten kennengelernt haben. Es handelt sich um ein Zusammentragen
von « Wiedersprüchen » und « Traumatas » nach Ousmane ALEDJI.

Tanz „Refus de Visa – Visumsablehnung“ von dem Tänzer Médard Sossa

VISA…Überall Papiere…links…rechts… Unmöglich auszuhändigen.
Der Wind des Lebens. Treibt den Wind des Lebens. Ich frage mich, ob es der Wind ist, der mich drängt oder ob ich es bin, der den Wind drängt. Stellen wir uns vor, ich sei derjenige, der den Wind drängt und dass das Leben mich im Griff hat. Und wenn ich derjenige wäre, der das Leben im Griff hätte? Ich weiß nicht, ob sich mein Leben zur Linken, zur Rechten, hinter oder vor mir befindet. Ich befinde mich in in einer unsichtbaren Materie; ich versuche mich von ihr loszumachen, aber es ist mir unmöglich.
Ich frage nach der Freiheit, aber ich stehe immer vor einer Windfront. Ich denke ich bin befreit,
aber es ist FALSCH GEDACHT – FALSCH GEMACHT– FALSCH
Wann wird dies alles ENDEN?
Ich fühle mich MÜDE – UNTERDRÜCKT – ENTMUTIGT; BEFREIT MICH
Ich weiß nicht wer

Tanz „Ma Vie / Mein Leben“ von der Tänzerin Nouratou Toffa

Jeder wählt sein Leben aus. Meins ist ein Tanz. Ein Moment des Dialogs zwischen dem Raum und meinem Körper. Der Augenblick der Beichte und der Verbindung des äußeren und inneren Tanzes.
Fragen nach Identität.
Flucht oder Migration?
Wie?
Wo?
Warum?

Tanz „Gelede“ mit Médard Sossa und Nouratou Toffa

In Benin (dem früheren Dahomey) gibt es den Gelede-Kult. Das ist ein Tanzritual der in Benin und Nigeria Lebenden Yoruba in Benin. Es findet zu Ehren der Ìyá Nlá (Frauen, Mütter und die allgemeine Fruchtbarkeit). Im Laufe des Gelede Rituales stellen sich Männer mit geschnitzten Kopfaufsätzen und Kostümen als Mann und Frau dar und vollführen zu Gesang und Trommelbegleitung einen Tanz, der die jeweilige Geschlechterrolle porträtiert. Gleichzeitig mit der Ehrung soll auch eine Besänftigung der bösen Seite der weiblichen Mächte stattfinden.

Gelede wurde 2001 von der UNESCO zum immateriellen Erbe der Menschheit ernannt und 2008 in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen.

Filmvorführung „Voodoo – Die Kraft des Heilens“ von Henning Christoph
Dienstag, 08.11.2016 um 10 Uhr, Hackesche Höfe Kino (Rosenthaler Str. 40/41)
Eintritt: 4 Euro pro Schüler_in, begleitende Lehrkräfte frei

„Voodoo – Die Kraft des Heilens“ ist eine Reise nach Benin, in das Mutterland des Voodoo-Kultes, zu
den Ursprüngen und verschiedenen Aspekten einer Religion, die Außenstehenden weitgehend verschlossen bleibt.

Bekannte Voodoo-Insignien wirken von außen oftmals bedrohlich: Verweste Ziegenköpfe mit gebleckten Zähnen, kleine Puppen aus dreckigen Stofffetzen, Hühnerfedern, Blut, sonderbare Amulette zum Schutz vor bösen Mächten. Was hier Unverständnis, Ekel und Angst auslöst, ist in den Ländern, in denen Voodoo praktiziert wird, Religion und Medizin in einem. Nicht Eingeweihten erscheinen diese Zeremonien chaotisch und ohne jede Struktur, die Rituale erschließen sich dem westlichen Zuschauer nicht auf Anhieb. Dabei geht es in erster Linie um Heilung. Energien, die durch einander geraten sind, sollen so wieder in die richtige Ordnung gebracht werden.
Durch die hervorragenden Kontakte des Ethnologen und Fotografen Henning Christoph vor Ort, war es möglich, mit der Kamera Rituale zu begleiten, die zum Teil nie vorher gefilmt wurden. Das Ergebnis dieser Arbeit zeichnet sich durch größtmögliche Authentizität aus.