Die „Mohrenstraße“: Wegen Rassismus geschlossen

Die „Mohrenstraße“: Wegen Rassismus geschlossen

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Noch immer fordern afrikanische Bürgerinitiativen, dass die „M-Straße“ in Berlin Mitte umbenannt werden soll. „Nelson-Mandela-Straße“ ist einer der Vorschläge. Diesen Samstag, am 23. August 2014, wird es zu diesem Anlass ein Straßenfest geben.

Foto: Aktionsgruppe M-Straße

Der 23. August ist ein bedeutender Tag. Er dient der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung. Diesen Samstag ab 14 Uhr wird im Rahmen eines Straßenfests eine Plattform zur Bekundung der Forderungen um die umstrittene Straße und den gleichnamige U-Bahnhof geboten. Anstelle einer oft als diskriminierend angesehenen Fremdbezeichnung schwarzer Menschen, solle der Name des wohl berühmtesten afrikanischen Widerstandskämpfers gegen Rassismus stehen: Nelson Mandela. Seit geraumer Zeit versucht die Aktionsgruppe M-Straße (AMS) eine Umbenennung der Mohrenstraße durchzusetzen. Die Bezeichnung „Mohren“ geht auf den griechischen Begriff für „dunkelhäutig“ zurück. Schon im Althochdeutschen wurde „Mohr“ für schwarze Menschen aber auch für den „Teufel“ genutzt, weshalb der Begriff geschichtlich gesehen herablassend und diskriminierend interpretiert wird. Die Fremdbezeichnung geht außerdem auf den Sklavenhandel in Brandenburg-Preußen um 1700 zurück und ruft daher bei vielen noch immer die Assoziation mit Rassismus und Diskriminierung hervor. In der Mohrenstraße stand damals eine Kaserne, in der entführte afrikanische Kinder –  am Preußischen Königshof „Kammermohren“ genannt – untergebracht  wurden. Auch der damals in der Mohrenstraße ansässige Schokoladenhersteller Sarotti machte den „Mohren“ zu seiner Markenfigur. „Der jetzige Name der Straße, in der versklavte Minderjährige aus Afrika lebten, die am brandenburgisch-preußischen Hof dienen mussten, basiert auf einer rassistischen Fremdbezeichnung und verletzt die Würde Schwarzer Menschen“, sagt Yonas Endrias vom Global Afrikan Congress. Die Beibehaltung des Straßennamens deute daher auf eine unzureichende Aufarbeitung der problematischen Geschichte hin.

Die Gegner der Umbenennung halten die Forderungen für abstrus und unsinnig und argumentieren, „Mohr“ gehe ohnehin auf einen wertfreien Namen für muslimische Nordafrikaner zurück. Auch einige der Anwohner_innen sprechen sich noch immer gegen eine Umbenennung aus, um den daraus entstehenden bürokratischen Aufwand zu vermeiden. Im Februar dieses Jahres kam es zu einer Demonstration auf dem Gendarmenmarkt und am kommenden Samstag findet das erste Straßenfest statt. Auch nach etwa 10 Jahren werden die Stimmen in Sachen „M-Straße“ nicht leiser. Möglicherweise kann die Feier ja einen Umschwung bewirken. Auf dem Programm stehen Kulturbeiträge und kurze Reden – vor allem aus der Black Community. Kommen Sie vorbei! Das Fest wird organisiert von der Aktionsgruppe M-Straße (AMS) unter anderem in Kooperation mit dem Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Global Afrikan Congress, Berlin Postkolonial, AfricAvenir International, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER).

Antonia Below

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