DIENSTAG, DEN 12. JUNI: DER WENDEPUNKT IN TOGO?

DIENSTAG, DEN 12. JUNI: DER WENDEPUNKT IN TOGO?

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Nach der Demonstration wurden 56 Personen verhaftet, darunter drei Anführer der Gruppe. Jene wurden am Sonntag, dem 17. Juni, wieder freigelassen, nachdem sie 48 Stunden im Gefängnis verbracht hatten. Die 53 verbleibenden Demonstranten werden angeblich noch in einem Gefängnis in der Hauptstadt Lomé festgehalten. Zudem wurden Fälle von Verletzungen berichtet. Auch der ehemalige Minister Agbéyomé Kodjo war festgenommen worden, bevor er am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. „Eine willkürliche Festnahme“, so Zeus Ajavon, Koordinator des CST.

 

Korruption, Manipulation der Institutionen – das war für die Togoer mehr, als sie ertragen konnten. Seit Langem organisiert sich die Zivilgesellschaft, um Widerstand zu leisten. Aber das Regime und die von ihm aufgebaute Drohkulisse haben es mehrmals geschafft, die Proteste zu unterdrücken. Die internationale Gemeinschaft hat sich nur gelegentlich zu den Repressionen in Togo geäußert. Und Präsident Faure Gnassingbé zeigte sich nicht mehr so gutgläubig wie noch ein paar Monate zuvor, als er sich im Namen der Nation für die vergangenen Gewalttaten entschuldigte. Diesmal wird eine „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ die Wut der Bevölkerung nicht dämpfen.

 

Die massive Anzahl der Protestteilnehmer in Lomé sowie in anderen Städten, obgleich weniger bedeutend, zeigt die allgemeine Ablehnung gegenüber dem Regime. Auch im Norden, in der Stadt Kara zum Beispiel, fanden CST-Treffen statt. Lange galt dieser Landesteil als von der regierenden RPT überzeugt. In der Realität jedoch ist es ganz anders: Der Norden, woher auch der ehemalige Präsident Gnassingbé Eyadéma stammt, hat nicht von dessen Großzügigkeit profitiert. Jeder Mensch ist ein Opfer des Regimes. Der Gnassingbé-Klan und einige seiner Verwandten und Freunde teilen die Einnahmen des Landes unter sich auf. Die einst von der früheren Kolonialmacht Frankreich forcierte Nord-Süd-Spaltung Togos sitzt nach wie vor tief im Geiste zahlreicher Togoer.

 

Zudem könnte eine andere Gefahr den Erfolg des Wandels bedrohen: das gewaltsame Auftreten einiger CST-Aktivisten. Die Regierung ist nämlich nicht allein, die verursachten Schäden zu beklagen. Ein großer Teil der Bevölkerung missbilligt solche Gewalttaten ebenso. Auch die Oppositionspartei UFC prangert das Abdriften des CST an. Tatsächlich war das UFC-Büro Ziel eines Anschlags. Warum spaltet die mächtige Oppositionspartei immer mehr Togoer so sehr, dass diese ihre Räumlichkeiten beschädigen? Vielleicht bringt es viele zur Verzweiflung, dass sich die Führungskräfte der UFC mit staatlicher Korruption und Missbräuchen arrangieren. 

 

Erlebt Togo seinen „Afrikanischen Frühling“ oder gehört der Marsch zu der langen Serie von fehlgeschlagenen Aufständen in dem westafrikanischen Land? Was auch geschieht, die Lösung liegt mit Sicherheit weder in ethnischer Spaltung noch in der Beschädigung öffentlichen Eigentums.

 

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