Zuma rührt an die alte Wunde

Zuma rührt an die alte Wunde

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2010 erst hatte die Ermordung des Rechtsextremen-Anführers Eugene Terreblanche zu Spannungen zwischen Weißen und Schwarzen geführt. Bis dahin hatte der Präsident gut abgeschnitten, etwa gegenüber dem Ex-Chef der ANC-Jugendliga, Julius Malema, dessen Äußerungen – wie zum Beispiel „Weiße haben unser Land gestohlen, sie sind Verbrecher“ – umstritten sind.

  „Es ist höchste Zeit, dass die regierende Partei den wirtschaftlichen Ungleichheiten ein Ende setzt“, so Zuma. Dem Staatsoberhaupt zufolge werde 18 Jahre nach dem Ende der Apartheid die Wirtschaft Südafrikas noch immer von Weißen kontrolliert. Und Zuma fügte hinzu, dass es die Rolle der Regierung sei, mit drastischen Maßnahmen dafür zu sorgen, dass auch Schwarze von dem relativen Wohlstand profitieren können. Außerdem schlug er eine Agrarreform vor, die es Letzteren ermöglichen soll, Grundstücke zurückfordern.

  Warum bildet die neue Politik Zumas plötzlich einen Kontrast zu der von dem ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela eingeführten Versöhnungspolitik? Die Wahl im Dezember diesen Jahres könnte etwas damit zu tun haben. Es steht viel auf dem Spiel für Zuma, da er seinen Platz an der Spitze des Staates verlieren könnte. Der südafrikanische Staatschef ist innerhalb seiner Partei immer stärker isoliert. Sein jüngster Ausfall könnte nun Öl ins Feuer gießen. Derjenige, der ein paar Monate zuvor Julius Malema aus der Partei ausgeschlossen hatte, läuft jetzt Gefahr, sich nachträglich dafür rechtfertigen zu müssen. Malema beschuldigt Zuma bereits, seine Ideen gestohlen zu haben.  

Abgesehen davon, ist die Bilanz des Präsidenten Südafrikas nicht der Spiegel einer verstörenden Realität? Auch wenn eine schwarze Mittelschicht in dem Land aufkommt, gibt es nach wie vor eine große Mehrheit, die in Armut lebt. Einige sind vom ANC inzwischen so enttäuscht, dass sie anfangen, das Ende der Apartheid zu bedauern: „Zumindest hatten wir ein Job“, erklären sie. So leben viele Ausgegrenzte am Rande des Wachstums. Jedoch ist die Bewusstmachung Zumas nicht per se verwerflich, insofern sie nicht instrumentalisiert wird. Es bleibt abzuwarten, ob er damit lediglich einen politischen Zweck verfolgt.

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