Eritrea

Eritrea

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1941 fiel Eritrea unter britisches Protektorat, nachdem es seit 1890 als Kolonie unter Italien verwaltet wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg sollte Eritrea eine Föderation mit Äthiopien bilden. Die äthiopische Regierung unter Haile Selassie höhlte die politischen Rechte der Eritreer jedoch aus und annektierte Eritrea 1961 nach Auflösung des Parlaments. Dies war der Startschuss für den bewaffneten Unabhängigkeitskampf der eritreischen Bevölkerung. Nach dreißig Jahren andauernder Auseinandersetzung, die geschätzten 65.000 Eritreern das Leben kostete, gelang es der Eritrean People’s Liberation Front (EPLF), am 24. Mai 1991 bei Dekemhare die äthiopische Besatzungsarmee zu besiegen. Daraufhin wurde eine Übergangsregierung eingesetzt und ein nationales Referendum vorbereitet, bei dem die Bevölkerung über die Unabhängigkeit von Eritrea abstimmen sollte. Nach Aufklärungskampagnen und logistischer Organisation fand das Referendum vom 23. Mai bis 25. April 1993 statt, bei dem sich 99,8 Prozent der Teilnehmenden für die Unabhängigkeit aussprachen. Daraufhin erklärte die eritreische Übergangsregierung am 24. Mai 1993 offiziell die Unabhängigkeit Eritreas und machte diesen Tag zum Nationalfeiertag. Damit gelang auch dem letzten afrikanischen Staat der Weg in die Selbständigkeit.

Ein Grund zur Freude ist dies jedoch nicht. Nach Erklärung der Unabhängigkeit gab sich Eritrea theoretisch eine demokratische Verfassung, faktisch dominiert jedoch die Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) mit dem Parteivorsitzenden Isayas Afewerki seit 22 Jahren das politische Geschehen. Andere Parteien sind zu Wahlen nicht zugelassen. Somit gilt Eritrea als ein Einparteienstaat und wird von vielen als Diktatur angesehen. Afewerki wiegelt ab, mit der Begründung, dass man sich um ein Parteiengesetz bemühe, aber Eritrea sich nach wie vor in einer Übergangszeit zur Demokratie befände. Die wieder aufgeflammten Grenzstreitigkeiten mit Äthiopien führten dazu, dass sich Eritrea nach wie vor in einem kriegsähnlichen Zustand befände und dies die Bildung einer demokratischen Regierung verhindere. Um seine Macht aufrecht zu erhalten, werden politische Gegner_Innen unterdrückt, gefangengenommen und gefoltert. Eritrea belegt immer wieder den letzten Rang wenn es um Pressefreiheit geht, fast die gesamte männliche Bevölkerung wird in der Armee verpflichtet, ein Leben lang. Die Analphabetenrate liegt zwischen 40 und 70 Prozent. Außerdem werden Angehörige nicht anerkannter Religionen verfolgt. Eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes ist eine sogenannte Aufbausteuer, die alle im Ausland lebenden Eritreer_innen zahlen müssen. Weigert man sich, werden keine offiziellen Dokumente mehr ausgestellt, Erbschaften können nicht angetreten und Geschäftstätigkeiten dürfen nicht aufgenommen werden. Angesichts all dieser Umstände ist es nicht verwunderlich, dass hunderttausende Eritreer_Innen jedes Jahr aus ihrem Land flüchten. Solange sich an den Bedingungen vor Ort nichts ändert, werden auch weiterhin viele ihr Glück im Ausland suchen. Angesichts der Tatsache, dass Asylsuchenden im Ausland bei ihrer Rückkehr nach Eritrea Gefängnis droht, ist es verständlich, dass viele im Ausland lebende Eritreer_innen momentan kein Interesse daran haben, in ihr Land zurückzukehren und sich lieber im Ausland eine sichere Existenz aufbauen. Es ist also noch ein weiter Weg, bis man von Eritrea als einem stabilen, unabhängigen Staat sprechen kann.

 

Anja Okwuazu

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