Filmvorschlag: „A Story of Bones“ auf dem Human Rights Film Festival

Filmvorschlag: „A Story of Bones“ auf dem Human Rights Film Festival

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Der Film
Der Film "A Story of Bones" wurde im Rahmen des Human Rights Film Festival in Berlin gezeigt und ist derzeit noch als Stream verfügbar. © Inga Gerke, Aktion gegen den Hunger gGmbH

Die Dokumentation „A Story of Bones“ von Joseph Curran und Dominic Aubrey de Vere widmet sich der selektiven Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur auf der kleinen abgelegenen Insel St. Helena im Südatlantik.

Als Annina van Neel sich von Namibia aus auf den Weg nach St. Helena macht, weiß sie noch nicht, was auf sie zukommen wird. Als Umweltberaterin soll sie beim Bau des Flughafens auf der rund 4.500-Seelen-Insel mitten im Südatlantik mithelfen, von dem sich das wirtschaftlich schwache britische Überseegebiet erhofft, den Tourismus anzukurbeln. Ihr Aushängeschild ist das Grab Napoleon Bonapartes, der 1815 von der britischen Regierung auf die Insel verbannt wurde und dort bis zu seinem Tod im Jahr 1821 lebte. Während ihm zu Ehren Gedenkzeremonien abgehalten werden, landen die Überreste „befreiter“ Sklaven, die durch den Flughafenbau freigelegt wurden zur Verwahrung in einem ehemaligen Tabakladen. Erschüttert von diesem Vorfall, beschließt Annina sich für ein würdevolles Gedenken an die versklavten Afrikaner*innen und die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte St. Helenas einzusetzen.

Anninas Kampf findet jedoch nicht nur auf lokaler Ebene statt. Ihre engste Verbündete ist die Afroamerikanerin Peggy King Lorde, die durch ihre führende Rolle an der Entstehung des African Burial Ground National Monument in New York einiges an Erfahrung mitbringt.

St. Helena war ein Teil der Mittleren Passage des Transatlantischen Sklavenhandels, dessen Geschichte den afrikanischen und amerikanischen Kontinent auf tragische Weise miteinander verbindet. Infolge der Abschaffung der Sklaverei im Vereinigten Königreich im Jahr 1834 entwickelte sich St. Helena durch ihre prädestinierte Lage zu einem Hotspot der Bekämpfung des Sklavenhandels im Atlantischen Ozean. So wurden zwischen 1840 und 1874 rund 30.000 „befreite“ Sklaven auf die Insel gebracht. Die meisten von ihnen waren bereits bei der Ankunft tot, starben aufgrund ihrer schlechten gesundheitlichen Verfassung kurze Zeit später oder wurden als Arbeitskräfte in anderen Kolonien benötigt. Die wenigen die blieben, lebten in einfachen Verhältnissen und mussten obwohl sie als „befreit“ galten, unbezahlte Tätigkeiten verrichten. Ihr Schicksal entzog sich dem kollektiven Gedächtnis der Inselbewohner*innen – bis zur Ausgrabung der Massengräber und Anninas beherztem Engagement, dies zu ändern.

Wer nun neugierig geworden ist, hat noch bis zum 31.10.22 die Möglichkeit, den Film im Rahmen des Human Rights Film Festival auch zuhause zu streamen. Tickets gibt es hier.

Copyright: Inga Gerke, Aktion gegen den Hunger gGmbH

Miray Atilgan