Hailu Mergia – die Ethio-Jazz Legende begeistert in Berlin

Hailu Mergia – die Ethio-Jazz Legende begeistert in Berlin

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Hailu Mergia beeinflusste schon in den 60er und 70er Jahren das Musikgenre des sogenannten Ethio-Jazz, einer psychedelischen Form von Jazz-Funk, erweitert durch äthiopische Skalen und Rhythmen. Derzeit tourt er mit seinem neuesten Studio-Album „Lala Belu” durch Europa. Wir durften im Club Gretchen in Berlin den Musiker und seine Band live erleben.

Hailu Mergia ließ in Berlin seine Finger über die Tasten von E-Orgel, Melodica und Akkordeon tanzen. © J. Bittermann

Ein virtuoser und eindrucksvoller Mix aus dem Wechsel zwischen Keyboard-, Piano- und Orgel-Sounds hallt durch das Ziegelsteingewölbe. So mancher Zuschauer wippt zu Beginn noch vorsichtig mit Kopf oder Fuß. Die dreiköpfige Band um Hailu Mergia hingegen scheint sofort in ihrem Element und lässt den Ethio-Jazz, den der Künstler vor Jahrzehnten teils auch in Zusammenarbeit mit Mulatu Astatke entwickelte und prägte, wieder aufleben.

Musiker des Ethio-Jazz, der in der Hauptstadt Äthiopiens, Addis Abeba, entstand, bedienen sich westlicher Stilelemente und bereichern sie mit Skalen und Gesangsstilistiken äthiopischer Musik. Mergia spielte bereits in den 60er und 70er Jahren bis zu 12-stündige Konzerte mit seiner damaligen Band, den Walias, im Addis Abeba Hilton Hotel. Die Walias Band galt als All-Nighter für Clubbesucher, die während der Sperrstunde, die von der damaligen Derg-Regierung 16 Jahre lang durchgesetzt wurde, Zuflucht suchten.

1981 brach die achtköpfige Band zu einer US-Tournee auf, von der Hailu Mergia nicht wieder zurückkehrte. Er nutze die Chance, der sich aufbauenden Militärdiktatur in Äthiopien zu entfliehen, und blieb in den Staaten, wo er bis Juni 2013 als Taxifahrer arbeitete. Aufgehört zu spielen hat er jedoch nicht – in seinen Pausen holte er seine Melodica heraus und nahm neue Songideen auf. Dass sie der Akkordeonist einer der beliebtesten Gruppen aus der goldenen Zeit der 70er Jahre Äthiopiens durch die Stadt fährt, sei den Fahrgästen im Taxi jedoch selten aufgefallen.

Wiederentdeckt wurde die äthiopische Musiklegende durch Brian Shimkovitz, ein Musik-Blogger, der das Reissue-Label Awesome Tapes aus Afrika gründete. Er stieß in einem Kassettenbehälter in Äthiopien auf die Kassette „Hailu Mergia & His Classical Instrument: Shemonmuanaye” von 1985 und war begeistert. Durch eine neue Aufnahme 2014 und zwei weitere Alben gelang es Hailu Mergia, wieder Anerkennung und Aufmerksamkeit, auch in Form einer internationalen Tournee, zu erfahren. Inzwischen hat er mit dem australischen Schlagzeuger Tony Buck und dem Kontrabassisten Mike Majkowski das Studioalbum Lala Belu eingespielt und groovt in die Richtung von Folk-Jazz und Hard-Bop.

Wir sind gespannt, was wir in Zukunft von ihm hören dürfen.

Laura Ratert