Im Gedenken an Nadine Gordimer

Im Gedenken an Nadine Gordimer

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Die südafrikanische Autorin verstand es meisterhaft, die politische Situation im Südafrika der Apartheid darzustellen – in Romanen. Ihren Werken widmete sich unter anderem eine Veranstaltung des Berliner Afrika Medien Zentrums am 31. Oktober.

Foto: Afrika Medien Zentrum

„Rassismus in und aus Afrika“, so lautete das Thema des Lese- und Diskussionsabends in der Berliner Bibliothek am Luisenbad, zu der das Afrika Medien Zentrum am Abend des 31. Oktober eingeladen hatte.

Zu Beginn der Veranstaltung las Portia Tarumbwa mehrere Passagen aus zwei Romanen der verstorbenen Autorin und Aktivistin Nadine Gordimer: „Fremdling unter Fremden“ und „Die Geschichte meines Sohnes“. Schauplatz ist in beiden Fällen Südafrika, während und nach der Apartheid. In „Geschichte meines Sohnes“ schildert die Autorin die Situation im Land anhand der Affäre zwischen einem Schwarzen Mann und einer Weißen Frau. Die Hauptperson in „Fremdling unter Fremden“ ist ein Brite, der sich als Außenstehender in den Alltag des rassistischen Systems einfinden muss – mit einer Weißen Freundin und einem Schwarzen besten Freund. Gordimer schafft es, einfach zu erzählen und die Leser_innen die Situation der Menschen während der Apartheid mitfühlen zu lassen. Während der Diskussion kommen viele Fragen zur Motivation und zum persönlichen Engagement der Autorin auf. Wie sehr ihre Romans autobiografisch sind, lässt sich nur erahnen. Fakt ist: Sie sind Fiktion und zehren doch von der Realität Südafrikas.

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Thabo Thindi (links) und Portia Tarumbwa in der Diskussion (c) AMZ

Im Anschluss an diese Diskussion präsentierte Regisseur Thabo Thindi einige Ausschnitte aus seiner Filmausstellung „Exile Faces“ und erzählte unter anderem, wie dieses Projekt zustande kam. Über mehrere Jahre hinweg interviewte Thindi Südafrikaner_innen, die während der Apartheid ins Exil nach Deutschland kamen – und bis heute hier sind. Er habe sich vor allem die Frage gestellt, warum diese Leute heute noch immer hier leben, so der Regisseur. Die Interviewten erzählen in der Dokumentation ihre Lebensgeschichte, und weshalb sie nach Deutschland kamen. So hatte eine junge Frau sich etwa in einen Weißen verliebt und wurde schwanger. Aus Angst, man würde ihr das Kind wegnehmen – welches als „coloured“ geboren wurde und nicht in ihrem Bezirk hätte leben dürfen – floh sie in die Bundesrepublik. Ein lebhaftes Gespräch zwischen Publikum und Regisseur entstand, die Fragen ebbten lange nicht ab. So bereute es wohl letztendlich niemand, den Halloween-Abend in einer Bibliothek verbracht zu haben – ganz ohne Kostüme.

Stéphanie Tiekwe Kuimo

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