Inspiriert von einem Stern: Ein Gespräch mit Natisa Exocé Kasongo

Inspiriert von einem Stern: Ein Gespräch mit Natisa Exocé Kasongo

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Der Künstler Natisa Exocé Kasongo traf unsere Redakteurin Lina Noll zum Interview. Derzeit wird seine Kunst in der ARTCO Gallery in Berlin ausgestellt. © Natisa Exocé Kasongo
Der Künstler Natisa Exocé Kasongo traf unsere Redakteurin Lina Noll zum Interview. Derzeit wird seine Kunst in der ARTCO Gallery in Berlin ausgestellt. © Natisa Exocé Kasongo

Afrofuturismus ist eine Denkweise, die Gegenentwürfe zum bestehenden, westlich dominierten Gesellschaftsbild schafft, wobei Schwarze Menschen im Mittelpunkt stehen. Der afrofuturistische Künstler Natisa Exocé Kasongo (27) empfing LoNam zwischen Collagen und Kaurischnecken und berichtete, wie er die Träume und Traditionen seiner Vorfahren ins Heute transportiert.

Natisa Exocé Kasongo, was bedeutet Afrofuturismus für dich?

Es ist eine Perspektive. Meine Art des Afrofuturismus ist, sich wieder mit der Vergangenheit zu verbinden, Wissen von damals zu empfangen und damit etwas Neues zu schaffen. Soweit ich es verstehe, wird Afrofuturismus in den USA immer mit Fiktion in Verbindung gebracht, was sich von meiner Interpretation unterscheidet. Schwarze Menschen in den USA haben die Sklaverei erlebt, also haben sie eine große Distanz zu ihren Wurzeln. Im Senegal, wo ich vor zwei Monaten war, habe ich tolle Künstler*innen getroffen, und unsere Sicht auf den Afrofuturismus war die gleiche. Man kann den Begriff Afrofuturismus auch kritisch sehen. Er wurde von einem weißen Mann eingeführt. Auch dieses „Afro“ – ich bin kritisch gegenüber der kolonialen Erfindung „Afrika“. Aber ich denke, was ich mache, passt zum Begriff Afrofuturismus, also benutze ich ihn im Moment.

Du tanzt, modelst, machst Collagen. Mit deiner Partnerin designst du eine Modemarke, „Kasapio“, für die du deine Collagen vergrößerst und auf Stoff druckst. Woher kommen deine Inspirationen?

Irgendwann fing ich damit an, viel über Afrika zu lernen, zuerst über den Kongo. Aber ich fand große Teile des vorhandenen historischen Wissens ziemlich unbefriedigend. Deshalb nutze ich für meine Recherchen auch Meditation. Der Schlüssel dazu ist unser drittes Auge, auch weil im dritten Auge die Substanz Melanin zu finden ist. Wenn ich mir dann noch den Stern Sirius vorstelle, begreife ich, dass ich als Missionar hier bin. Sirius ist natürlich ein europäischer Name. Im Kongo heißt er Akongo. Die Dogon haben Sirius vor den Europäer*innen entdeckt, ohne Technik. Meine gesamte Inspiration kommt von Sirius, alles. Der Jazzmusiker Sun Ra, den jetzt viele als Vorreiter des Afrofuturismus sehen, sagte, dass er selbst aus einer anderen Dimension gekommen sei. Und ich komme aus einem Traum. Einem Traum von Männern, Frauen, Kindern, die zum Beispiel während Leopolds Herrschaft im Kongo lebten. Leopold ist nie dort gewesen, aber der ganze Kongo gehörte ihm. Ich stelle mir also die Vision dieser Menschen vor, die tanzen, singen, mit ihrer Kultur wirklich inspirierende und großartige Dinge für die Gemeinschaft kreieren wollten. Ich kann mich heute ausdrücken, frei sein, atmen. Ich bin also Exocé, ich verwirkliche einen Traum meiner Vorfahren. Diese Vorstellungen habe ich, wenn ich einfach nur an Sirius denke.

In der ungekürzten Fassung des Interviews erfahren Sie mehr über Exocés (Instagram: @exoceexiste) afropäische Jugenderfahrung, wer sich auf unserem Planeten um soziale Gerechtigkeit kümmern sollte und welche Bedeutungen sich in der Bildwelt des gebürtigen Parisers und Wahlberliners manifestieren. Das vollständige Interview finden Sie in unserer aktuellen Print-Ausgabe. Jetzt am Kiosk!

Derzeit ist die Ausstellung „When the silent song rises“ noch bis zum 10. Juni in Berlin zu sehen. Sie zeigt unter anderem auch Artwork des Künstlers Natisa Exocé Kasongo.

Wo? ARTCO Gallery, Frobenstr. 1, 10783 Berlin

Lina Noll