Berlin: Gedenken am Internationalen Tag gegen Polizeigewalt

Berlin: Gedenken am Internationalen Tag gegen Polizeigewalt

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Aktivist*innen weihen am internationalen Tag gegen Polizeigewalt eine Gedenktafel für Hussam Fadl in Berlin-Moabit ein.

(c) KOP Berlin
Anlässlich des Internationalen Tag gegen Polizeigewalt gedachte die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP) am Freitag, den 15. März, Hussam Fadl. Fadl wurde im September 2016 während eines Polizeieinsatzes in einer Geflüchtetenunterkunft in Berlin-Moabit in den Rücken geschossen. Der  29-jährige erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen im Krankenhaus. Nur zwei Jahre zuvor flüchteten er und seine Familie aus dem Irak. Er hinterlässt Frau und drei Kinder. Gegen die Polizist*innen wurden 2017 die Ermittlungen mit dem Verweis auf Notwehr und Nothilfe eingestellt. Dank des Kampfes der Witwe, Zaman Gate und der Unterstützer*innen wurde dieses Urteils allerdings vom Berliner Kammergericht wieder aufgehoben und die Ermittlungen wieder aufgenommen.
Die Teilnehmenden des Protests weihten eine Gedenktafel an dem Ort seines Versterbens ein und riefen die Teilnehmenden zur Solidarisierung auf. „Wir haben vor einigen Jahren gedacht, dass wir den 15. März, den Internationalen Tag gegen Polizeigewalt nutzen, um den Opfern von Polizeigewalt weltweit und hier in Deutschland zu gedenken. Wir von KOP spezialisieren uns dabei auf die Opfer rassistischer Polizeigewalt.“
Biolab Base, dem Mitbegründer der Kampagne, zufolge fordern die Aktivist*innen, dass die Opfer und Hinterbliebenen Gerechtigkeit erfahren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Sie unterstützen die Hinterbliebenen unter anderem in Rechtsfragen und sorgen dafür, dass die Taten „nicht aus dem Gedächtnis der Gesellschaft verschwinden.“
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KOP ist  eine in 2002 gegründete Organisation, die im Bürger-bzw. Menschenrecht verankert ist. Ziel der Organisation ist es, auf verschiedenen Ebenen institutionellem Rassismus entgegenzutreten und damit den rassistischen Normalzustand zu durchbrechen. KOP beschäftigt sich mit der rassistischen Praxis des Radial Profiling, der Aufklärung rassistischer Polizeiein- und angriffe, unterstützt die Opfer und Familien und vermittelt diese an Beratungsstellen. In Berlin arbeiten sie dabei mit der Beratungsstelle ReachOut zusammen.
„Das was unsere Arbeit verhindert ist ein hohes Maß an Vertrauen in die Polizei. Menschen möchten nicht glauben, dass die Polizei rassistisch ist bzw. was falsch machen kann. Das wollen wir dekonstruieren. Rassismus ist ein großes Thema in der Polizei. Sie arbeitet bzw. organisiert sich sehr wohl rassistisch,“ so Base im Gespräch mit LoNam.
Die Ermordung von Hussam Fadl durch die Polizei ist kein Einzelfall.
Oury Jalloh, Christy Schwundeck, Halim Dener, N’deye Mareame Sarr,Laye-Alama Condé, Slieman Hamade, Dominique Koumadio, Zdravko Nikolov Dimitrov, Matiullah Jabarkhil und Bekir B. sind nur einige der Menschen, an deren Tod die Polizei in den vergangenen Jahren in Deutschland mutmaßlich Schuld trug.
Du möchtest KOP unterstützen? Jeden Dienstag trifft sich die Gruppe in Berlin. Falls du Interesse hast, schreibe eine E-Mail an info@kop-berlin.de .
Spenden bitte an: Ariba e.V., Verwendungszweck Rechtshilfefonds KOP, IBAN DE65 1002 0500 0003 2448 01, BIC BFSWDE33BER
Victoria Jeffries