„Wir müssen mit der Bevölkerung kommunizieren!“

„Wir müssen mit der Bevölkerung kommunizieren!“

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Joshua Osih ist Präsidentschaftskandidat in Kamerun für die Wahlen am siebenten Oktober 2018. Er gehört der stärksten Oppositionspartei Social Democratic Front an und ist der gefährlichste Konkurrent des seit 36 Jahren regierenden Präsidenten Paul Biya. Seine Wahlkampftour führte ihn auch nach Deutschland.

Foto: Afrika Medien Zentrum

Was sind Ihre Erwartungen von Ihrem Europa-Trip?
Ich glaube, dass es wichtig ist, sich mit der kamerunischen Diaspora in Europa und dem Rest der Welt zu treffen. Es gibt viele Missverständnisse darüber, was zu Hause in Kamerun passiert, deshalb ist es wichtig, dass ich als Präsidentschaftskandidat auf die Diaspora zugehe, ihnen zuhöre und mich mit ihnen austausche.

Ihr Vater ist aus Kamerun, Ihre Mutter aus der Schweiz. Sie sind in beiden Ländern aufgewachsen. Glauben Sie, dass Ihre Wurzeln die Wahl positiv oder gar negativ beeinflussen wird?
Ich hoffe, dass meine Wurzeln einen positiven Einfluss haben werden, denn einen multikulturellen Hintergrund zu haben ist immer ein Vorteil und keine Unannehmlichkeit. Ich hoffe, dass die kamerunischen Wähler meinen Vorteil nutzen werden, jemanden zu wählen, der beide Welten versteht.

Können Sie uns etwas über Ihr Wahlprogramm und die Ziele Ihrer Amtsperiode sagen?
Nein, noch nicht. Wir haben uns entschieden, das Wahlprogramm partizipativ zu gestalten. Aktuell erhalten wir Beiträge von kamerunischen Staatsbürgern aus der ganzen Welt, worauf wir das Programm entwickeln. Dieses wird von Experten geprüft, anschließend von der Partei und dann vom Kandidaten freigegeben. Das konkrete Programm wird zwischen dem 15. und 20. August veröffentlicht. Die Kampagnen-Periode in Kamerun beginnt 15 Tage vor der Wahl, deswegen können wir nicht viel vorher tun, außer uns darauf vorzubereiten. Im wesentlichen wird sich das Wahlprogramm aber auf unseren Werten aufbauen: Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit, anständige Arbeit, Erfüllung der Menschenrechte und eine staatliche Reform.

Wie wollen Sie mit der Terrorgruppe Boko Haram, die im Norden Kameruns verbreitet sind, vorgehen?
Sei es Boko Haram oder Ambazonia, das Problem ist Paul Biya. Die aktuellen Probleme sind die Konsequenzen seiner schlechten Regierung. Er muss Platz schaffen um einen Ausgleich zu schaffen und damit sich die Leute besser verständigen können. Er will nicht kommunizieren und das ist ein Problem. Er spricht nicht mit seinen eigenen Ministern. Um diese gewalttätigen Probleme lösen zu können, müssen wir mit der Bevölkerung kommunizieren.

Foto: AMZ
Caroline Tauber Lercher, Joshua Osih und Laura Bechert (v.l.) Foto: AMZ

Weltweit redet man immer stärker über Migration. Mit welchen Lösungsansätzen wollen sie Kameruner von der Abwanderung überzeugen?
Die Ursache von Migration ist die gescheiterte Entwicklung Afrikas. Die Regierungschefs weisen keine guten Führungsqualitäten auf, was der restlichen Welt nicht bewusst ist. Sie dienen nur dazu, die Kolonialherrscher zu ersetzen. Sie üben aber genau deren Macht weiter aus. Deshalb haben die Menschen keine Aussicht auf Arbeit und keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihrem eigenen Land. Viele riskieren ihr Leben um nach Europa zu kommen. Eine demokratisch gewählte Führung muss dafür sorgen, dass es genügend Arbeitsplätze gibt. Wenn man verhindern möchte, dass Kameruner nach Deutschland abwandern, dann sind nicht zusätzliche Grenzen und die Abschottung des Landes eine Lösung. Wir brauchen demokratisch gewählte Regierungen in Afrika, die auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen. Es kann noch zehn, 15 oder 20 Jahre dauern, aber dann werden wir eine Rückkehrmigration erleben. Die Leute werden zurückkehren, wenn sich die Situation im eigenen Land verbessert.

In einem anderen Interview schlagen Sie eine Veränderung des politischen Systems von Grund auf vor. Was meinen Sie damit? Was sind Ihre Strategien?
Das Ziel ist, die Bevölkerung zu stärken. Dafür muss die Staatsregierung zum Beispiel kommunale Strukturen entwickeln, in denen die Bevölkerung selbst über die eigene Zukunft entscheiden kann. Genauso wie es die Menschen hier in Deutschland genießen. Alles was zurzeit in Kamerun passiert, ist aus auf Regierungsebene verordnet worden. Dies muss von der Bevölkerung geändert werden. Deshalb wird mein politisches Programm auch von der Bevölkerung verfasst. Daran möchten wir arbeiten.

Das Interview führten Laura Bechert und Caroline Lercher Tauber.

titel_lonam_august2018Ein Beitrag aus der LoNam-Ausgaben 04/2018. Diese und andere bereits erschienene Ausgaben sind formlos bestellbar unter abo[at]lonam.de.