Libyen, von der Unabhängigkeit bis heute

Libyen, von der Unabhängigkeit bis heute

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Seit der Unabhängigkeit Libyens am 24. Dezember 1951 war das Land mit vielen Krisen und zwei Bürgerkriegen konfrontiert. Ende 2015 konnte endlich eine Einigung stattfinden: Die Hoffnung auf Verbesserung ist groß. Ein kurzer Rückblick.

24. Dezember 1951: Die Region Libyen wird als föderatives Königreich unabhängig. Idris as-Sanussi, Begründer der sufistisch islamischen Bruderschaft Sanussi-Orden, wird König. Die Region, zuvor italienische Kolonie, wurde schon 1943 in drei Zonen aufgeteilt, die jeweils unter italienischer, französischer und britischer Besatzung standen.

1. September 1969: Der Militärputsch unter Führung Muammar al-Gaddafi stürzt König Idris und damit auch die Monarchie. Die Arabische Republik Libyen wird ausgerufen. Nach dem Fund großer Erdölvorkommen erwächst eine wirtschaftlich starke Erdöl-Industrie. Das wirtschaftliche Wachstum geht mit einem steigenden Wohlstandgefälle einher und ist Ursprung großen Unmuts innerhalb der Bevölkerung.

2. März 1977: Gaddafi ruft die Sozialistisch Libysch-Arabische Volksdschamahirija aus. Der Koran wird zur Rechtsgrundlage, das Staatsmodell basiert auf Gaddafis sogenanntes Grünen Buch. Dieses kombiniert sozialistische und islamische Theorien und beinhaltet panarabische Ziele. Die Verwaltung aller Staatsangelegenheiten wird von Volkskomitees übernommen.

17. Februar 2011: Im Zuge des Arabischen Frühlings finden immer häufiger Demonstrationen gegen die Regierung Gaddafis statt, die mehr und mehr in gewalttätigen Auseinandersetzungen münden. Schließlich setzt die Regierung das Militär gegen Demonstrant_innen ein. Libyen stürzt in einem offenen Bürgerkrieg. Das Land habe immer wieder terroristische Organisationen unterstützt oder in kriegerischen Auseinandersetzungen interveniert. Mehrere Attentate sollen von Libyen initiiert worden sein. Diese richteten sich primär gegen die USA. Die Beziehungen zwischen Libyen und dem sogenannten Westen verschlechtern sich. Radikale Maßnahmen und die andauernde Privatisierungspolitik schaffen weiteren Unmut in der Bevölkerung.

20. Oktober 2011: Der Bürgerkrieg endet mit der Gefangennahme und Ermordung Gaddafis. Am 23. Oktober wird die Befreiung Libyens erklärt. Große Teile des Landes waren während des Bürgerkrieges in die Hände von Rebellen gefallen. Der sogenannte Westen hatte diese mit militärischen Einsätzen unterstützt.

8. Januar 2013: Der Nationalkongress ändert den bislang geltenden Staatsnamen in Staat Libyen. Mit dem Ende des Bürgerkrieges wurde eine Übergangsregierung eingesetzt. Aufgrund mangelnder Transparenz und fortdauernden Kämpfen zwischen Milizen fanden sporadisch Proteste statt.

16. Mai 2014: Beginn eines neuen Krieges zwischen zwei entstandenen rivalisierenden Allianzen. Beide kämpfen um die großen Städte des Landes, um die Kontrolle des Staatsapparates und um internationale Anerkennung. Aus den konkurrierenden Milizen haben sich zwei Lager gebildet: Das von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Parlament in der Stadt Tobruk und die international nicht anerkannte islamisch-geneigte Gegenregierung mit Sitz in Tripolis.

6. Dezember 2015: Zwei Delegationen der konkurrierenden libyschen Parlamente einigen sich auf eine Einheitsregierung. Seit einigen Monaten wurden unter Aufsicht der Vereinten Nationen verschiedene Vorschläge für Friedensverhandlungen vorgestellt.