„Love is in the hair“ und „Drissa“ – Lesungen zweier Afropäerinnen

„Love is in the hair“ und „Drissa“ – Lesungen zweier Afropäerinnen

0 347

Zwei weitere szenische Lesungen in der Reihe AFROPÄERINNEN nähern sich dem Alltag und täglichen Kampf Schwarzer Menschen in Frankreich an. Laetitia Ajanohun und Eva Doumbia beenden mit ihren Stücken die vierteilige Serie zu afropäischer Dramatik in der Lettrétage.

Links: Laetitia Ajanohun, Foto: ©FrancoisLoupien. Rechts: Eva Doumbia Foto: ©ValérieCachard. Collage: Julie B.

Mit den beiden gesellschaftskritischen Texten der Dramatikerinnen Laetitia Ajanohun und Eva Doumbia geht die vierteilige Veranstaltungsreihe „Afropéennes – Afropäerinnen“ zu Ende, in der sich Künstler*innen auf unterschiedliche Weise einer afro-europäischen Identität widmeten.

Zunächst präsentiert die Belgierin Ajanohun am 22. Oktober mit „Love is in the hair“ ihr Stück zum Alltagsrassismus in Frankreich, das sich wie eine Partitur gegen das Schweigen liest. In rhythmischen Dialogen tauschen sich Schauspieler*innen über erlebte Stereotypisierungen im öffentlichen und privaten Raum aus Miriam Ibrahim wird die deutsche Übersetzung des Textes szenisch und musikalisch einrichten.

Das Othering, das die Figuren in „Love is in the hair“ erfahren, begleitet auch den Alltag des jungen Drissa, in Eva Doumbias gleichnamigen Theatertext, der am 19. November vorgestellt wird. Der Junge zieht mit elf Jahren mit seiner malischen Familie in eine Provinzsiedlung nach Frankreich, wo er außerhalb seines strengen Elternhauses wie seine Schwarzen und POC-Freunde täglich Rassismus erlebt. Drissa beginnt, sich nach einem „normalen“ französischen Leben zu sehnen – eine Sehnsucht, die sich in seinem zunehmend obsessiven Traum von einem Hund manifestiert. Rhythmisiert wird das Stück von den Namen und Todesumständen Dutzender Schwarzer Jugendlicher in Frankreich.

In den letzten Jahren hat sich in Frankreich eine neue Generation von Dramatiker*innen herausgebildet, deren Texte dank des Vereins Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e.V. erstmalig in Berlin präsentiert werden. Was diese zeitgenössischen Theaterautorinnen in ihrer Arbeit verbindet, ist die Suche nach einer Form der kulturellen Hybridität jenseits des Nationalstaatsprinzips, die den Blick auf die Auswirkungen des jahrhundertealten kolonialen Erbes lenkt und das Selbstbewusstsein von afrikanischen Künstler*innen in der Diaspora stärkt.

Laetitia Ajanohun hat zahlreiche Theaterstücke geschrieben. „Love is in the hair“ entstand 2019 als Auftragswerk der Theatergruppe For Happy People and Co im Rahmen des Festival de Val d’Oise. Für dieses Stück erhielt sie eine Förderung vom französischen Kulturministerium und dem Theaterfonds der SACD.
Eva Doumbia hinterfragt in ihren Texten und Inszenierungen auf poetische Weise hybride Identitäten und versucht Brücken zu bauen zwischen verschiedenen Welten: Europa, wo sie geboren ist und lebt, und Afrika, der Sphäre ihres Vaters sowie Amerika. 2020 bereitet sie die Inszenierung ihres Textes „Le lench“ vor und kreiert zusammen mit dem Romancier Gauz „Autophagies“, eine gemeinsam geschriebene kulinarische Performance zum Thema Lebensmittelmigration.

Mit diesen in Berlin szenisch gelesenen Texten zeichnen die beiden Autorinnen ein anschauliches und zugleich beklemmendes Bild der Unterdrückung Schwarzer Menschen in allen Schichten der französischen Gesellschaft. Unter anderem dank ihren Übersetzerinnen und der szenischen Einrichtung durch das afrodeutsche Künstler*innenkollektiv Label Noir bekommt diese zeitgenössische afrofeministische Perspektive in Deutschland ein Publikum.

Im Anschluss an beide Lesungen finden moderierte Gespräche mit den Autorinnen und ihren Übersetzerinnen statt.

„Love is in the Hair“: Szenische Lesung DO. 22. Oktober 2020 – 20:00 Uhr
Regie: Miriam Ibrahim Mit: Lamin Leroy Gibba, Lebo Masemola, Maya Alban Zapata und Asad Schwarz Übersetzung: Yvonne Griesel Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener

„Drissa“: Szenische Lesung Ein Abend mit Eva Doumbia DO. 19. November 2020 – 20:00 Uhr
Regie: Dela Dabulamunzi Übersetzung: Akilah Silke Güç
Moderation: Charlotte Bomy/Lisa Wegener

Ort: Literaturhaus Lettrétage Mehringdamm 61, 10961 Berlin

Eintritt frei nach online Anmeldung, weitere Informationen unter www.afropeennes.drama-panorama.com