Monat der Unabhängigkeit

Monat der Unabhängigkeit

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Der Monat August ist ein ganz besonderer für viele afrikanische Länder: Fast jeden zweiten Tag feiert derzeit eines von ihnen die Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit.

Paraden, wie hier im Tschad vergangenes Jahr, oder andere Großveranstaltungen sind in den meisten afrikanischen Ländern derzeit nicht möglich, obwohl so viele von ihnen gerade jetzt ihr 60jähriges Unabhängigkeits-Jubiläum feiern. Foto: © André Kodmadjingar (VOA)

Insgesamt neun Länder in West- und Zentralafrika, allesamt ehemalige französische Kolonien, feiern diesen Monat den runden „Geburtstag“ ihrer Unabhängigkeit… wobei man ja eher von einer Wiedergeburt sprechen muss: Benin, Niger, Burkina Faso, Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), Tschad, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Gabun und Senegal erlangten alle im sogenannten „Afrikanischen Jahr“ vor genau 60 Jahren ihre Eigenständigkeit zurück – und alle von den genannten im Monat August.

Betrachtet man die geographische Lage dieser Länder näher, fällt auf, dass die westafrikanischen Länder Benin, Niger, Burkina Faso und Côte d’Ivoire Nachbarländer sind, und sie ihre Unabhängigkeit jeweils im Abstand von zwei Tagen erlangt haben, beginnend am 1. August. Weiter geht es mit der zentralafrikanischen Gruppe, angefangen mit Tschad, welches morgen seine Unabhängigkeit zelebrieren darf. Auch hier werden jeweils im Abstand von zwei Tagen die Zentralafrikanische Republik, Kongo (Brazzaville) und Gabun folgen. Senegal ist am 20. August – zumindest für diesen Monat – der letzte Jubilar.

Wie genau es 1960 zu dieser Welle von Unabhängigwerdungen kam, lesen Sie in unserer Oktober-Ausgabe. Was aber schon vorweg festgestellt werden darf, ist, dass alle diese Länder seitdem die unterschiedlichsten Wege beschritten haben. Was seitdem geschafft wurde, ist anzuerkennen bzw. zu ermutigen, und ganz sicher muss auch weiterhin viel erreicht werden. Die Errungenschaften, sowohl aus den unabhängigen Zeiten vor der Kolonialzeit als auch danach, möchten wir beim diesjährigen Kenako Afrika Festival besonders würdigen. Und natürlich stellen wir die immer noch und immer wieder aktuelle Frage, wie unabhängig afrikanische Staaten denn de facto heute sind. Schließlich hat der Kolonialismus seine merklichen Spuren und Strukturen hinterlassen; andererseits ist kein Land der Erde gänzlich unabhängig, wenn es um die Bewältigung globaler Probleme geht.

In den meisten Ländern wurden zumindest die offiziellen Feierlichkeiten für dieses Jahr abgesagt oder reduziert, trotz der großen Jubiläen. Auch Kenako musste seine Pläne anpassen. Spannende Themen und Feierstimmung dürften dennoch aufkommen – sowohl an den Nationalfeiertagen in den einzelnen Ländern als auch bei uns und unseren Veranstaltungen. (Das Programm von KENAKO 2020 goes digital findet ihr hier.)

 

J.B. & L.N.