Couture auf den Straßen von Brazzaville

Couture auf den Straßen von Brazzaville

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Entlang den Straßen von Brazzaville, der gewissermaßen als Laufsteg fungiert, tummeln sich perfekt gekleidete Männer, welche unschwer zu erkennen, einen modischen Kontrast zum alltäglichen Kleidungsstil der Kongolesen darstellen.

Foto: Eguanakla via Wikimedia, CC BY-SA 4.0

Die in den 1970er entstandene Bewegung „La Sape“, zeichnet sich dadurch aus, dass die erworbene Designermode aus Paris in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt und präsentiert wird. Von zentraler Bedeutung ist diesbezüglich, dass die Mitglieder, oft junge Männer ärmerer Bevölkerungsgruppen, einen Großteil ihres Einkommens vorwiegend für Kleidung ausgeben und dies somit auch einen erheblichen Einfluss in ihrem sozioökonomischen Lebenskontext darstellt. Es zeigt sich hierbei, dass zugunsten der Designerkleidung auch gerne mal auf das Mittagessen oder etwaigen anderen Ausgaben verzichtet wird.

Solche Kleidung wird nicht etwa erworben, um wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen nachzuahmen, sondern ist vielmehr dazu da seine eigene soziale Position darzustellen. Die Mitglieder der SAPE, kurz für „Société des Ambianceurs et des Personnes Élégantes“ haben ihren Ursprung in der Rückkehr des kongolesischen Kolonialsoldats sowie Politikers André Matsoua, welcher nach einem Parisaufenthalt als erster Sapeur mit maßgeschneidertem Anzug zurückkam. Wieder zurück in seiner Heimatstadt Brazzaville präsentierte Matsoua stolz sein verändertes äußeres Erscheinungsbild. Dieser von ihm propagierte Kleidungsstil verbreitete sich rasch und zeichnet sich vor allem durch perfekt in Szene gesetzte farbenprächtige Mode aus. Getragen werden auffallende Hüte, Nadelstreifanzüge sowie Designerschuhe von Armani, Weston oder anderen großen Couturiers in Frankreich. Diese Bewegung, welche nur so von Extravaganz sprüht, verbreitete sich seit ihrer Entstehung rasant und ihre Anhänger reichen bis in die kongolesischen Quartiere von Paris, London und Brüssel. Durch kreative Grimassen, Gesten und Posen werden diese exklusiven sowie perfekt kombinierten Kleidungsstücke spielerisch verkörpert und bedarfsgerecht in der Öffentlichkeit inszeniert. Es wird hierbei deutlich, dass der Konsumaspekt sowie die damit verbundenen sozialen Aspekte eine relevante Bedeutung in der kongolesischen Kultur haben.

Um sich auch visuell noch ein Bild von den modebewussten Sapeurs zu machen, kann man sich noch die Dokumentation mit dem Titel „The Congo Dandies“ ansehen. In dieser Dokumentation werden einige Sapeurs in ihrem Alltag begleitet und zu ihrem Leben als sogenannte Stilikonen interviewt.

Julia Hochrainer

Foto: Eguanakla via Wikimedia, CC BY-SA 4.0

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