Surreales Theater: Mais in Deutschland und anderen Galaxien

Surreales Theater: Mais in Deutschland und anderen Galaxien

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In Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater veranstaltete das Berliner Ballhaus Naunynstraße vor rund einem Jahr eine postmigrantische Literaturwerkstatt, aus der "Mais in Deutschland und in anderen Galaxien" von Oliva Wenzel hervorging. Nun wurde das Stück unter Regie von Atif Mohammed Nor Hussein letzten Donnerstag, im Rahmen der Themenwochen zur deutschen Kolonialgeschichte, im Ballhaus uraufgeführt.

Foto: Day Three, 2009. Colour study, Curzon Soho von anthony lui/ flickr, CC BY-SA 2.0

„Mais in Deutschland und anderen Galaxien“ nennt sich das Stück der Autorin Olivia Wenzel, das Regisseur Atif Mohammed Nor Hussein letzten Donnerstag im Ballhaus Naunynstraße uraufgeführt hat. Wie Astronauten schweben die Figuren in minutiöser Geschwindigkeit aus der Dunkelheit in den hellen Spielraum. Eine Leichtigkeit, die trügt:

Noah, mit kaum bekanntem angolanischen Vater, kann den Hass seiner Mutter nicht überwinden. Mit vielen Exzessen und Abenteuern wollte Susanne aus dem Alltag ausbrechen. Ihr Traum: Raus aus der DDR.  Durch ein Kind mit einem Angolaner bot sich ihr diese Chance. Doch der Versuch, mit dem Sohn nach Angola auszureisen, scheitert an der Stasi. Susanne kann nirgendwo mehr hin. Das Kind fesselt sie, es zu lieben scheint ihr unmöglich. „Kompromisse machen Löcher in die Menschen. Diese Löcher gehen nie wieder zu“, muss Noah von seiner verbitterten Mutter hören.

Das sind wunde Punkte. Lila, gespielt von Isabelle Redfern, liebt solche wunden Punkte. Wer sie genau ist, woher sie kommt, was sie will, bleibt unklar. Doch sie sorgt für Momente des Innehaltens zwischen Mutter und Sohn. Ähnlich extravagant gekleidet wie die Hauptfigur aus „Solo Sunny“, tritt sie mit dem Identifikationslied auf und macht aus Lila eine mysteriöse und aufgedrehte Traumfigur.

Wenzel erzählt von einem in der DDR scheiternden Selbstverwirklichungsversuch und der Unmöglichkeit des Selbstverständlichen: der Liebe zwischen Mutter und Kind. Obwohl Noah von Neo-Nazis angriffen wird und sein Freund  ihn „Schokohase“ nennt, werden Rassismus und Ausgrenzung demonstrativ mit achselzuckender Beiläufigkeit thematisiert.

Regisseur Hussein übersetzt fantasievoll den poetischen Text auf der Bühne von Petra Korink um. Sie gestaltete das Bühnenbild als raumkapselartiges Zelt im leeren Raum, auf das Familienfotos projiziert werden. Es fungiert als Rückzugsort, als Auto, und zum Schluss eben als leuchtendes Raumschiff, auf dem Weg in andere Galaxien.

„Mais in Deutschland und anderen Galaxien“ ist mit sprachgewaltigen Akzenten und in surrealem, poetischem Realismus erzählt.

Es wird noch vom 23. bis 25. Februar 2015 täglich um 20 Uhr im Berliner Ballhaus Naunynstraße aufgeführt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

http://www.ballhausnaunynstrasse.de/

 

Hao Nguyen

Foto: Day Three, 2009. Colour study, Curzon Soho von anthony lui/ flickr, CC BY-SA 2.0